Der Kantönligeist darf den Kampf gegen die Asiatische Hornisse nicht verhindern

11/25 | BienenSchweiz
Joëlle Quadri, apisuisse, (joelle.quadri@apisuisse.ch)

Wer die Asiatische Hornisse bekämpfen will, weiss: Es braucht eine nationale Strategie. Doch der «Kantönligeist» erschwert ein koordiniertes Vorgehen gegen die invasive Art. Apisuisse fordert in ihrer Stellungnahme zur Revision des Umweltschutzgesetzes klare nationale Zuständigkeiten.

Wenn Imkerinnen und Imker in der Schweiz derzeit über ihre grössten Sorgen sprechen, fällt ein Name besonders häufig: die Asiatische Hornisse. Trotz allen Bemühungen von vielen engagierten Personen, insbesondere Imkerinnen und Imkern, breitet sich die Asiatische Hornisse kontinuierlich aus.

Kein reines Imkerproblem

Ein Problem ist die noch zu wenig verbreitete Tatsache, dass die Bedrohung weit über die Imkerei hinausreicht. Auch andere Bestäuber und zahlreiche einheimische Insekten geraten ins Visier der Angreiferin. Selbst für Menschen ist sie nicht ungefährlich, denn sie verteidigt ihre Nester aggressiv. Vor allem Primärnester der Asiatischen Hornisse treten auch im Siedlungsraum wie beispielsweise in Hecken auf.

Ein Hindernis für die zielorientierte Bekämpfung der Art liegt darin, dass die Verantwortung für die Umsetzung der Massnahmen bei den Kantonen liegt. Folglich können sich die Strategien zur Eindämmung schon über wenige Kilometer hinweg stark unterscheiden. So finden beispielsweise Scouts aus dem Aargau ein Nest auf unmittelbar benachbartem Gebiet des Kantons Luzern. Da Luzern dieses nicht umgehend beseitigte, haben es nach einigen Diskussionen dann doch die Aargauer gemacht. Das Beispiel verdeutlicht die Dringlichkeit einer klaren nationalen Bekämpfungsstrategie.

Politische Forderungen: der Druck aus dem Parlament wächst

Die Asiatische Hornisse sorgt längst nicht nur an den Bienenständen für Diskussionen – auch im Bundeshaus in Bern ist sie ein Thema. Zahlreiche Parlamentarierinnen und Parlamentarier haben in den vergangenen Jahren Vorstösse eingereicht, um eine koordinierte Strategie gegen die invasive Art zu erreichen. Die Forderungen sind klar: Der Bund soll eine führende Rolle übernehmen, die Forschung fördern, ein Monitoring-System einführen, Kantone finanziell unterstützen und Biozide zulassen, um Nester wirksam zu bekämpfen. Auch eine nationale Strategie zur zielgerichteten Bekämpfung der Asiatischen Hornisse wird gefordert.

Der Bundesrat anerkennt zwar die Gefahr, lehnt aber die meisten Vorstösse ab. Er verweist auf die geplante Revision des Umweltschutzgesetzes und auf diverse bereits laufende Arbeiten. Ein kleiner Schritt wurde gemacht: Die Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung wurde so angepasst, dass ab Oktober 2025 erstmals auch in Wäldern mit Bioziden gegen Hornissennester vorgegangen werden darf. Apisuisse begrüsst den Schritt zwar grundsätzlich, macht aber klar: Bekämpfungsmittel dürfen nur direkt in den Nestern eingesetzt werden – und bevorzugt solche, die für Bienen und andere Insekten ungefährlich sind, wie etwa Aktivkohlepulver.

Vernehmlassungsverfahren Revision Umweltschutzgesetz

Bis zum 13. Oktober führte der Bund schliesslich das Vernehmlassungsverfahren zur versprochenen Revision des Umweltschutzgesetzes durch. Mit der Revision sollen die Kantone künftig eigene Vorschriften erlassen können, um invasive Arten wie die Asiatische Hornisse schneller einzudämmen. Gleichzeitig soll der Bund festlegen, auf welche Arten sich die kantonalen Regeln beziehen dürfen, um ein abgestimmtes Vorgehen zu sichern. Zudem sind nationale Massnahmen geplant, zum Beispiel zum Schutz entlang von Bahnlinien und Nationalstrassen, wo sich die Hornisse besonders rasch verbreiten kann.

Fehlende nationale Strategie für ein nationales Problem

Trotz dieser geplanten Anpassungen bleibt der Kern der Kritik bestehen: Eine nationale Strategie zur Bekämpfung der Asiatischen Hornisse fehlt weiterhin. Solange die Verantwortung zwischen Bund und Kantonen aufgeteilt bleibt, laufen viele Initiativen Gefahr, keine zielorientierte Wirkung zu zeigen. Die Asiatische Hornisse breitet sich schliesslich in der ganzen Schweiz aus und kennt dabei keine Kantonsgrenzen. Ebenso bleiben finanzielle Aspekte ungeklärt. Für apisuisse ist dies ein unbefriedigender Zustand – denn während in Bern diskutiert wird, breitet sich die Hornisse weiter aus.

Aus diesem Grund hat sich apisuisse im mittlerweile abgeschlossenen Vernehmlassungsverfahren stark für eine nationale Strategie zur Bekämpfung gebietsfremder invasiver Organismen ausgesprochen. Nur mit klaren Vorgaben auf Bundesebene lässt sich ein systematisches Vorgehen sicherstellen. Dazu braucht es eine nationale Gesetzgebung als Rahmen für verbindliche Massnahmen, ein schweizweites Monitoring zur gezielten Bekämpfung sowie eine zuständige Behörde, welche die Koordination zwischen Bund und Kantonen übernimmt.

Es wird sich zeigen, ob der Bund auf die Problematik von invasiven gebietsfremden Organismen mit angemessenen Massnahmen reagieren wird. Der Entwurf zum Umweltschutzgesetz wird nun überarbeitet und anschliessend wird darüber im National- und Ständerat beraten. Apisuisse wird den Prozess aufmerksam begleiten und sich weiterhin für eine nationale Strategie einsetzen. Sicher ist: Es braucht noch Geduld und viel Arbeit, bis konkrete Resultate vorliegen. Bis das revidierte Gesetz in Kraft treten wird, dauert es mindestens ein bis zwei Jahre.

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