Der Einsatz von Fallen im Frühjahr zur Bekämpfung der Asiatischen Hornisse ist in Imker- und Wissenschaftskreisen umstritten. Eine neue Schweizer Datenauswertung zeigt, dass keine der getesteten Fallen selektiv und wirksam genug ist, und so Risiken für Nicht-Zielinsekten birgt. Wir empfehlen deshalb, sich auf andere Bekämpfungsmethoden wie die Entfernung der Primärnester zu konzentrieren.
Die Methode, Königinnen sozialer Insekten zu fangen, um im nächsten Sommer weniger Nester zu haben, wurde erstmals in Neuseeland erprobt. Ziel war es, die invasive Deutsche Wespe Vespula germanica einzudämmen. Was in der Theorie vielversprechend klang, erwies sich in der Praxis als weniger effektiv. Schon 1960 notierte Thomas, ein Forscher aus Auckland : « In Kontrollversuchen erwies sich die Vernichtung der Königinnen während der Winterruhe oder im Frühjahr als unmöglich, da die Populationsgrösse auch dann aufrechterhalten blieb, wenn nur ein kleiner Teil der Königinnen überlebte»1
Das heisst, selbst wenn zahlreiche Königinnen getötet wurden, hatte dies praktisch keine Auswirkungen auf die Anzahl Nester im darauffolgenden Sommer. Dennoch wurde das Fangen der Königinnen wie damals in Neuseeland auch bei der Asiatischen Hornisse Vespa velutina nigrithorax als Bekämpfungsstrategie vorgeschlagen und wird seit Beginn ihrer Einschleppung in Frankreich praktiziert. Während diese Methode von Imkern oft als positiv angesehen wird, wird sie von Wissenschaftlern lediglich als « ein Wassertropfen im Ozean der Invasivität»2 beschrieben. Eine Studie in Frankreich fasst die Ergebnisse folgendermassen zusammen : « Während die tatsächliche Wirkung der Fallen für die Biodiversität genauer untersucht werden muss, bleibt das Fangen der Königinnen im Frühjahr sehr fragwürdig, es sei denn, man findet spezifische Lockstoffe. » 2
Warum ist das Fangen der Königinnen so ineffizient? Eine Hornissenkönigin bringt im Spätsommer mehrere hundert potenzielle Jungköniginnen (Gynen) hervor. Viele davon sterben im Winter durch die Kälte, durch natürliche Konkurrenz zwischen den Königinnen oder wegen schwieriger Bedingungen im Frühjahr. Doch genug überleben, um die Zahl der Nester jährlich zu steigern. Ein Sekundärnest der Asiatischen Hornisse erzeugt Hunderte Jungköniginnen. Ob eine Königin durch eine Falle stirbt oder auf natürliche Weise, beeinflusst die Sterblichkeit und die künftige Nestzahl kaum. Die Fallen sind schlicht zu ineffizient.
Selektivität der Fallen
Ein weiteres Problem dieser Fallen ist die mangelnde Selektivität : Viele Nicht-Zielinsekten fallen ihnen zum Opfer. Forscher warnen vor der hohen Anzahl von Nicht-Zielinsekten und möglichen negativen Auswirkungen auf lokale Insektenpopulationen und die Biodiversität.4 Die Köder bestehen meist aus einer zuckerhaltigen Lösung, vermischt mit Alkohol (Wein oder Bier) und manchmal auch Hefe oder Essig, um die Attraktivität für Hornissen zu erhöhen und für Bienen zu verringern. Die Lösung lockt zwar Asiatische Hornissen an, aber leider auch viele andere Insekten. Darunter die einheimischen Europäischen Hornissen, Wespen sowie zahlreiche Fliegen, die dann unnötig in den Fallen sterben.
Es braucht also dringend selektivere Methoden. Chinesische Forscher haben einen Pheromon-Köder entwickelt5 und in Zusammenarbeit mit Frankreich getestet6. Leider lockt das verwendete weibliche Sexualpheromon nur männliche Hornissen an. Diese schlüpfen allerdings erst spät in der Saison – zu spät für eine Prävention. Bislang wurde noch keine andere Anwendung für den Einsatz von Pheromonen bei der Bekämpfung von Hornissen gefunden.
Stattdessen versuchte man mit verschiedenen Fallenkonstruktionen die Anzahl Nicht-Zielarten mechanisch zu reduzieren. Verschiedene Fallen wurden in verschiedenen Ländern und Invasionskontexten getestet.7–11 Leider konnten auch mechanische Anpassungen der Fallen bisher keinen Durchbruch erzielen, um die Selektivität besser zu machen und genug Asiatische Hornissen zu fangen.
Keine Falle besteht den Test
Die Ergebnisse der sieben unten beschriebenen und vorgestellten Studien sind in Tabelle 1 zusammengefasst. Diese Studien wurden von verschiedenen Gruppen in verschiedenen Kantonen der Schweiz mit den acht in Abbildung 1 dargestellten Fallentypen durchgeführt.
- Für seinen eidgenössischen Fachausweis verglich Kevin Golay in Zusammenarbeit mit dem CABI im Jahr 2024 in Genf die drei Fallen VespaCatch, Ornetin und 3D, die an 10 Standorten aufgestellt wurden.
- Ebenfalls für den Fachausweis verglich Marco Ventrici in Zusammenarbeit mit dem CABI im Jahr 2024 in Neuenburg die drei Fallen VespaCatch, Jabeprode und VelutinaTrap, die an 10 Standorten aufgestellt wurden.
- Der Kanton Wallis organisierte 2024 im Frühjahr eine gross angelegte Fallenaktion, um die Invasion der Hornissen im Rhonetal zu stoppen. Von Mitte März bis Anfang Mai 2024 wurden 508 TapTraps von Freiwilligen aufgestellt.
- Obwohl das Aufstellen von Fallen im Kanton Waadt verboten ist, haben die Behörden im Frühjahr 2025 ausnahmsweise eine gross angelegte Fallenaktion genehmigt. Für diese Studie haben Imker von Mitte März bis Ende Mai 2025 669 Ornetin-Fallen aufgestellt.
- Unter der Leitung des CABI wurden im Kanton Aargau zwischen Anfang April und Ende Juni 2025 von Imkern 10 BeeVital-Fallen aufgestellt.
- Unter der Leitung von Philippe de Tribolet und in Zusammenarbeit mit dem CABI verglich eine Gruppe von Imkern aus dem Kanton Neuenburg von Ende März bis Anfang Juni an 12 Standorten die drei Fallen VelutinaTrap, Good4Bees (v1) und 3D.
- Im Kanton Jura ist der Einsatz von Fallen zum Fangen Asiatischer Hornissen verboten. Im Rahmen eines vom Bundesamt für Landwirtschaft finanzierten Forschungsprojekts, an dem Forscher der ETH und des CABI mitgearbeitet haben, wurde er jedoch genehmigt. Die drei Fallen VelutinaTrap, VespaCatch Select und Good4Bees (v1) wurden zwischen Anfang April und Mitte Juni an 10 Standorten in den Kantonen Jura und Bern (Berner Jura) aufgestellt.
Weitere Studien wurden 2025 von Imkern in den Kantonen Jura, Bern, Solothurn und Wallis durchgeführt. Da jedoch eine Vielzahl unterschiedlicher Fallentypen verwendet wurde (JU) und nicht alle Daten verfügbar sind (BE, VS und SO), sind die Ergebnisse nicht in diesem Artikel enthalten.
Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass keine der getesteten Fallen selektiv für die Asiatische Hornisse ist, und dass keine gut genug für das Fangen dieser Insekten geeignet ist.

Wie aus Tabelle 1 hervorgeht, wurden pro gefangener Asiatischer Hornisse durchschnittlich 1298 Nicht-Zielinsekten gefangen. Diese mangelnde Selektivität spiegelt sich auch in den Prozentsätzen der gefangenen Asiatischen Hornissen im Vergleich zu anderen Arten wider. Die Ergebnisse sind in Abbildung 2 dargestellt. Es ist deutlich zu erkennen, dass in den meisten Studien nur sehr wenige Asiatische Hornissen gefangen wurden. Die Anzahl der Europäischen Hornissen, Wespen und Honigbienen war unterschiedlich, aber in fast allen Fällen wurden in den Fallen hauptsächlich Fliegen und andere kleine Insekten gefangen.

Die Unterschiede zwischen den sechs Fallentypen sind in der Abbildung 3 dargestellt. Mit durchschnittlich 3,6 Asiatischen Hornissen pro Falle und Saison war die VespaCatch-Falle am effektivsten, zugleich jedoch am wenigsten selektiv : Sie fing im Schnitt 13 811 Nicht-Zielinsekten pro Falle und Saison. Die übrigen Fallen waren deutlich selektiver, fingen insgesamt weniger Insekten (80–120 pro Falle und Saison) und nur 0,5 bis 2,5 Asiatische Hornissen.

Die VelutinaTrap von Beevital zeigte stark variierende Ergebnisse und fing besonders viele Europäische Hornissen. Kunststoffringe am Eingang können grössere Insekten ausschliessen, wobei unklar ist, ob sie auch die Fangrate von Königinnen der Asiatischen Hornisse beeinflussen. Unterschiede zwischen Imker- und Wissenschaftsdaten sind vor allem auf kleine Insekten zurückzuführen, die von Imkern oft nicht mitgezählt wurden. Unerwünschte Fänge lassen sich durch eine Anpassung der Falle mit feinmaschigem Insektennetz reduzieren, wie es im Kanton Solothurn angewandt wurde.
Neben den Unterschieden zwischen den Fallen variieren die Ergebnisse auch in Abhängigkeit von anderen Faktoren. Die Anzahl der gefangenen Hornissen hängt natürlich vom Fortschreiten der Ausbreitung ab, d. h. von der Anzahl Nester, die in der Region in der vorangegangenen Saison vorhanden waren. Andere Faktoren – wie die Zusammensetzung des Köders, der genaue Standort der Falle, die Häufigkeit der Kontrollen und die Wachsamkeit des Betreibers – können ebenfalls eine Rolle spielen, wurden aber in unserer Analyse nicht berücksichtigt.

Welche Auswirkungen haben die Fallen auf das Ökosystem?
Auch wenn manche die Bedeutung des Fangs von Nicht-Zielarten in Fallen für Asiatische Hornissen leugnen, weil es sich « nur um Fliegen » oder « nur um kleine Insekten » handelt, muss man sich bewusst machen, dass diese Insekten eine sehr wichtige Rolle in unseren Ökosystemen spielen. So haben beispielsweise Sánchez & Arias10 festgestellt, dass die meisten Insekten, die in Fallen für Asiatische Hornissen gefangen werden, sehr wichtige Ökosystemleistungen wie Bestäubung, Zersetzung und Schädlingsbekämpfung erbringen. Die Problematik dieser Fänge kann daher nicht geleugnet werden. Es ist deshalb ein Trugschluss, zu behaupten, die Kilogramm an totem Beifang in den Fallen seien gerechtfertigt, weil ein Hornissennest eine ähnliche Menge an Insekten verzehre. Dieser Vergleich ist aus drei Gründen problematisch : 1 ) Eine gefangene Hornisse bedeutet nicht ein Nest weniger ( siehe oben ), 2 ) Die in einer Falle gefangenen Insekten sind nicht unbedingt dieselben, von denen sich die Asiatische Hornisse ernährt, und vor allem 3 ) muss neben der Menge der Insekten auch ihre spezifische Rolle im Ökosystem berücksichtigt werden.
Honigbienen in den Fallen
Einige Studien haben eine relativ hohe Anzahl Honigbienen in den Fallen gezeigt ( Abbildung 2 ). Dieses Phänomen trat besonders häufig zu Beginn der Saison auf, bevor den Bienen Nektarquellen zur Verfügung standen. Zu diesem Zeitpunkt werden Honigbienen in grosser Zahl von der zuckerhaltigen Lösung in den Fallen angezogen. In selektiveren Fallen überleben die meisten Bienen, dennoch birgt dieses Phänomen Risiken hinsichtlich 1 ) der Ausbreitung von Krankheiten und 2 ) der Kontamination des Honigs ( durch den im Köder enthaltenen Wein oder die Hefe ).
Keinen Einfluss auf die Nestentwicklung
Die Ergebnisse der beiden massiven Fallenaktionen im Frühjahr im Wallis und im Waadtland bestätigten, was mehrere andere Forscher bereits nachgewiesen hatten : Das Fangen von Königinnen im Frühjahr führt nicht zu einer wirksamen Verringerung der Anzahl der Nester im Sommer. Im Wallis wurden im Frühjahr 2024 in den 508 aufgestellten Fallen nur zwei Asiatische Hornissen gefangen, während in der folgenden Saison vier Nester im Fallengebiet gefunden wurden. Obwohl die Kampagne 2025 wiederholt wurde und 376 Asiatische Hornissen gefangen wurden, stieg die Zahl der im Wallis gefundenen Nester auf 18. Auch nach der Frühjahrsaktion 2025 im Kanton Waadt mit 669 Fallen und 466 gefangenen Königinnen war leider erneut ein dramatischer Anstieg der Nestzahl von 230 im Jahr 2024 auf fast 1000 im Jahr 2025 zu verzeichnen. Es lässt sich nicht feststellen, ob das Fallenstellen möglicherweise zu einem Rückgang der Nestanzahl im Vergleich zu einer Situation ohne Fallenstellen geführt hat, aber es ist klar, dass weder die Invasion eines neuen Gebiets noch der signifikante Anstieg der Nestanzahl von einer Saison zur nächsten mit diesen Fallen verhindert werden kann.
Danksagung
Die Datenerhebung und -auswertung war nur dank der Hilfe zahlreicher Fachleute und Freiwilliger möglich. Wir möchten daher den vielen Imker:innen und Imkervereinen der Kantone AG, BE, GE, JU, NE, SO, VD und VS sowie den kantonalen Verantwortlichen für Neobiota für ihre Unterstützung danken. Wir danken Charlotte Suter, Matteo Roth und Noah Haselmeier ( CABI ) für ihre Hilfe im Feld und im Labor. Für ihre finanzielle und materielle Unterstützung danken wir dem Bundesamt für Landwirtschaft, der Loterie Romande, der Generaldirektion für Umwelt ( DGE ) – Biodiversität des Kantons Waadt, dem Kantonalverband der Imker von Neuenburg ( FCNA ), Apimat und Utz.
Autor:innen
- Lukas Seehausen, Wissenschaftler, CABI, l.seehausen@cabi.org
- Marco Ventrici, Imker, Neuenburg, marco@ventrici.ch
- Kevin Golayc, Präsident von Pollinea Action, info@pollinea-action.com
- Gaëlle Beureuxd, Biologin, Fondation Rurale Interjurassienne (FRI), gaelle.beureux@frij.ch
- Julie Hernandeze, Wissenschaftlerin, Fondation Rurale Interjurassienne (FRI), julie.hernandez@frij.ch
- Philippe de Triboletf, Imker, Neuenburg, philippe.detribolet@etik.com
- Carine Vogel, Biologin, Neuenburg, carine.vogel@frelonasiatique.ch
- Daniel Cherix, Honorarprofessor, Universität Lausanne, daniel.cherix@unil.ch
Literatur
1Thomas CR (1960) The European wasp (Vespula germanica Fab.) in New Zealand. New Zealand Department of Science & Industrial Research Information Series 27: 1-74
2Monceau K, Bonnard O, Thiéry D. (2012) Chasing the queens of the alien predator of honeybees: A water drop in the invasiveness ocean. Open Journal of Ecology 2(4):183-191.
3Rome Q, Muller FJ, Touret‐Alby A, Darrouzet E, Perrard A, Villemant C. (2015) Caste differentiation and seasonal changes in Vespa velutina (Hym.: Vespidae) colonies in its introduced range. Journal of Applied Entomology 139(10): 771-782.
4Rome Q, Muller F, Théry T, Andrivot J, Haubois S, Rosenstiehl E, Villemant C. (2011) Impact sur l’entomofaune des pièges à bière ou à jus de cirier utilisés dans la lutte contre le frelon asiatique. Proceedings of the Journée Scientifique Apicole, 11 February 2011: 18-20.
5Wen P, Cheng YN, Dong SH, Wang ZW, Tan K, Nieh JC. (2017) The sex pheromone of a globally invasive honey bee predator, the Asian eusocial hornet, Vespa velutina. Scientific Reports 7(1): 12956.
6Cheng YN, Wen P, Tan K, Darrouzet E. (2022) Designing a sex pheromone blend for attracting the yellow-legged hornet (Vespa velutina), a pest in its native and invasive ranges worldwide. Entomologia Generalis.
7Rojas-Nossa SV, Novoa N, Serrano A, Calviño-Cancela M. (2018) Performance of baited traps used as control tools for the invasive hornet Vespa velutina and their impact on non-target insects. Apidologie 49(6): 872-885.
8Rojas-Nossa SV, Mato S, Feijoo P, Lagoa A, Garrido J. (2023) Comparison of effectiveness and selectiveness of baited traps for the capture of the invasive hornet Vespa velutina. Animals 14(1): 129.
9Lioy S, Laurino D, Capello M, Romano A, Manino A, Porporato M. (2020) Effectiveness and selectiveness of traps and baits for catching the invasive hornet Vespa velutina. Insects 11(10): 706.
10Sánchez O, Arias A. (2021) All that glitters is not gold: The other insects that fall into the Asian yellow-legged hornet Vespa velutina ‘specific’ traps. Biology 10(5): 448.
11Pedrelli C, Pietropaoli M, Palomba S, Barcáiztegui CM, Rodríguez Flores MS, Ordóñez E, Girola M, de Graaf DC, Formato G. (2026) Performances of Selective Mechanical Traps for Autumn Control of the Invasive Asian Hornet Vespa velutina nigrithorax in Western and Southern Europe. Applied Sciences 16(2): 889.
12Grossenbacher S (2025) Imkern mit der Asiatischen Hornisse. Schweizerische BienenZeitung 03–25: 21-25.