Die befallsorientierte Varroabehandlung – behandeln, wenn nötig

04/26 | Wissenschaft und Praxis
Benoît Droz, Zentrum für Bienenforschung, Agroscope (ZBF), (benoit.droz@agroscope.admin.ch) Fabian Trüb, apiservice gmbh/Bienengesundheitsdienst (BGD), (fabian.trueb@apiservice.ch)


Ein kompletter Verzicht auf Varroabehandlungen hätte grosse Verluste oder gar Total­ausfälle zur Folge. Wer jedoch konsequent zweimal behandelt, greift bei wenig belasteten Völkern zu Massnahmen, die oft unnötig sind. Hier wird ein Mittelweg aufgezeigt.

Das Varroa-Konzept des BGD sieht für die Bekämpfung der Varroa zwei Sommerbehandlungen vor. Die Gefahr einer Rückinvasion oder mangelhaft wirkenden ersten Behandlung wird mit der zweiten abgefangen. Wird das Varroa-Behandlungskonzept befolgt, können Verluste erwiesenermassen minimiert werden.

Gewisse Imker:innen möchten aber die Anzahl Behandlungen reduzieren. Würden diese ohne weitere Massnahmen einfach weggelassen, drohen hohe Völkerverluste. Für alle, die ihre Bienen nur dann behandeln möchten, wenn es wirklich nötig ist, empfehlen das Zentrum für Bienenforschung (ZBF) und der Bienengesundheitsdienst (BGD) neu einen alternativen Weg: Anhand des ermittelten Milbenfalls (Merkblatt 1. 5. 1. Natürlichen Milbenfall messen) wird bei jedem einzelnen Volk über die Durchführung einer Behandlung entschieden.

Das ZBF hat in den letzten vier Jahren zu diesem Thema geforscht. Ziel dieses Praxistests war es, ein Verfahren zu entwickeln, mit dem die Anzahl der Sommerbehandlungen ohne Gefahr erhöhter Völkerverluste reduziert werden kann. Imker:innen müssen bereit sein, etwas mehr Zeit für Auszählungen und ein individuelles Vorgehen zu investieren, weshalb sich dieser Ansatz in erster Linie für Imkereien mit kleinem oder mittlerem Bestand eignet. Erfahrungen im Erheben des natürlichen Milbenfalls sind Voraussetzung (siehe dazu SBZ 03/26).

Grafik: ZBF
Grafik: ZBF

In der Praxis getestete Methode

Der neue Ansatz wurde während vier Jahren getestet. 2021 wurden die Rahmenbedingungen erarbeitet und die Interventionsschwellen festgelegt. Die Jahre 2022/23 dienten der wissenschaftlichen Bewertung der Methode. Auszählungen des natürlichen Milbenfalls und Eingriffe mussten innerhalb klar definierter Zeiträume durchgeführt werden. Bienenvölker, bei denen der Schwellenwert überschritten wurde, mussten in der Folgewoche behandelt werden. Die Werte für Juli wurden auf 5 und für August und September auf 2 Milben pro Tag festgelegt (Abb. 1).

Jetzt alle Artikel lesen

Abonnieren Sie jetzt „ Die Schweizerische Bienenzeitung“ und erhalten sie Zugriff auf all unsere Artikel und Literatur rund um das Thema Bienen und Imkerei.

Dieser Artikel könnte
Ihnen auch noch gefallen

Wissenschaft und Praxis | 06/25
9 Minuten
Trotz den nicht immer idealen Witterungsbedingungen im Jahr 2024 konnten Züchtende und Prüfende…
Wissenschaft und Praxis | 09/24
9 Minuten
Die Bienensaison neigt sich dem Ende zu und die letzten Königinnen werden verwertet.…