Behandlungsfreiheit, Bewusstsein und Biodiversität

04/25 | Wissenschaft und Praxis
Bigna Zellweger, Zoologin und Imkerin FA, Tenna (bigna@bienengeschichten.ch)

Was können wir von Imkerinnen und Imkern lernen, die behandlungsfrei imkern? Haben Bienen möglicherweise ein Bewusstsein? Diese spannenden Fragen standen im Mittelpunkt der Rehetobler Tagung «Biodiversität, Biene und Agri-Kultur». Expert/-innen aus Wissenschaft und Praxis lieferten faszinierende Einblicke – von behandlungsfreien Bienenpopulationen weltweit bis hin zu neuen Erkenntnissen aus der Tierethik.

Rund 90 interessierte Bienenfreundinnen und Bienenfreunde fanden durch die verschneiten Hügel des Appenzellerlands den Weg ins Gemeindezentrum in Rehetobel (AR). Der Organisator der Tagung, Emanuel Hörler vom Erlebnisweg Honigbiene Rehetobel, begrüsste die Anwesenden und äusserte seine Freude über das grosse Interesse am Anlass und darüber, dass es immer wieder gelingt, so viele Menschen zusammenzubringen.

Behandlungsfreie Bienenhaltung weltweit

Thomas Gfeller, der sich intensiv und seit vielen Jahren mit dem Thema auseinandersetzt und sich dafür auch international engagiert, eröffnete den Morgen mit einem Vortrag und präsentierte die Ergebnisse seiner fundierten Diplomarbeit, die er im Rahmen der Imkerausbildung mit eidgenössischem Fachausweis verfasst hatte. Vier Jahre lang radelte er durch Europa und legte 25 000 Kilometer zurück. Dabei traf er Imker/-innen, die ihre Bienenvölker behandlungsfrei halten und oft auch wildlebende Honigbienenvölker beobachten. Er berichtete von Imkerinnen und Imkern in England, Irland und Holland, die ihm begeistert ihre behandlungsfreien Imkereien zeigten, und erklärte weiter, dass 20 % der Imker/-innen auf der Insel ihre Bienenvölker ohne Behandlung halten.2 Grossbritannien besitzt noch immer wildlebende Honigbienen, die für den Erhalt eines wertvollen Genpools entscheidend sind. Ein Blick über Europa hinaus zeigt, dass weltweit mehr wildlebende als bewirtschaftete Honigbienenvölker existieren.1 Das gibt Hoffnung für die Zukunft. Doch die Tatsache, dass die grösste beobachtete Bienendichte wildlebender Völker bei höchstens zehn pro Quadratkilometer liegt, sollte uns zum Nachdenken anregen.

Auf seiner Reise besuchte Thomas Gfeller Clive and Shân Hudson

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