«Für und mit der Biene»

06/26 | BienenSchweiz
Sarah Grossenbacher, Redaktion Schweizerische BienenZeitung, (sarah.grossenbacher@bienenschweiz.ch)


Acht Jahre war Silvio Streiff im Zentralvorstand von BienenSchweiz tätig. Nun ist er an der vergangenen Delegiertenversammlung zurückgetreten. Im Gespräch blickt er auf seine Imkerlaufbahn und seine Arbeit im Bereich der Zucht zurück. Immer dabei: Eine tiefe Faszination für die Bienen.

«Das hat mir überhaupt nicht gepasst», beschreibt Silvio Streiff seine ersten Erfahrungen mit der Imkerei im Bienenhaus seines Grossvaters. Erst einige Jahre vor seiner Pensionierung als Rettungssanitäter und Anästhesiepfleger gab er dem Hobby eine zweite Chance – und heute klingt von der anfänglichen Abneigung nichts mehr nach. «Bienen faszinieren mich unglaublich: das ganze Drum und Dran, und wie sie perfekt aufeinander abgestimmt sind», sagt er mit spürbarer Ehrfurcht gegenüber dem Bien.

Kaum hatte er den Grundkurs abgeschlossen, schenkte ihm eine befreundete Imkerin zum Geburtstag ein Bienenvolk. «Ich war schon etwas überfordert», gibt er zu. «Das theoretische Wissen ist das eine. Dann öffnest du die Beute, und es sieht ganz anders aus als im Lehrbuch.» Honig gab es anfangs nur wenig, mit dem Beutensystem war er nicht zufrieden, und der Standort im eigenen Garten erwies sich als heikel: Seine Familie spielte unbekümmert vor dem Bienenstock oder beobachtete die Fluglöcher – doch eine Nachbarin wurde regelmässig gestochen. «Ob sie einen bestimmten Duft ausstiess, den die Bienen nicht mochten, weiss ich nicht. Mit der Zeit gab das jedenfalls Spannungen.»

Raus aus der Grünen Wüste

Die imkerlichen Startschwierigkeiten konnte er aber bald überwinden. Heute imkert Streiff an verschiedenen Standorten rund um seinen Wohnort im Simmental, aber auch am Arnensee oder im Oberengadin. «Als ich mit dem Kurs für den Imker mit eidgenössischem Fachausweis begann und die Trachtlage um meinen Bienenstand im Simmental analysieren musste, wurde mir bewusst, wie wenig dort im Sommer noch blüht. So entschied ich mich, mit meinen Völkern in den Bergfrühling an den Arnensee oder ins Engadin zu wandern.» Heute schwärmt er von den Weiten aus Alpenrosenblüten und dem zweiten Frühling, den die Bienen dort erleben. Schwarmkontrollen, die deshalb bis Ende Juni nötig sind, gehören zu seiner Lieblingsbeschäftigung im Imkeralltag.

Ein Sechser im Lotto

Noch während der Ausbildung für den Fachausweis wurde Streiff im Jahr 2018 in den Zentralvorstand gewählt. «Die Ausbildung war für mich schon ein grosser Gewinn, die Wahl in den Zentralvorstand wie ein Sechser im Lotto.» Zuvor leitete er das Projekt Dunkle Biene Diemtigtal und war so in Kontakt mit Mathias Götti Limacher, der ihn für das Amt und das Ressort Zucht vorschlug. «Mir war es wichtig, dass es keine Kämpfe mehr zwischen den Rassenverbänden gab, sondern dass es primär um die Biene geht», betont Streiff. «In der Zuchtkommission stellte ich als Beauftragter von BienenSchweiz sicher, dass sich die Zuchtverbände im gesetzten Rahmen von apisuisse bewegen», erklärt er. Die Zucht sei aber teuer und extrem aufwändig. Der Bund stellt zwar Geld zur Verfügung, aber das deckt die Kosten nicht. So sind Unstimmigkeiten vorprogrammiert. Heute ziehen aber alle am gleichen Strang: «Für und mit der Biene», unterstreicht er. Das ist ihm durch seine ruhige, sanfte Art sukzessive über die Jahre gelungen.

Mit dem VW-Bus zu den Supervisionen

Als er das Amt übernahm, rechnete er mit einem Aufwand von 10 bis 14 Tagen pro Jahr. «Es wurden dann aber schnell mehr», erzählt er schmunzelnd. Als besonders aufwändig, aber auch besonders bereichernd, empfand Streiff die Supervisionen in den Zuchtkursen. Die fixen Zuchtpläne, die kurze Zeitspanne und die geografischen Distanzen machten die Koordination jedoch nicht immer einfach. «Einmal bin ich innerhalb einer Woche dreimal an den Bodensee gereist.» Manchmal übernachtete er deshalb gleich in seinem VW-Bus bei den Bienenständen. «So habe ich viele Bienenstände – auch nachts – kennengelernt und dabei immer wieder grosse Gastfreundschaft erfahren dürfen.» Streiff zeigt sich tief beeindruckt vom grossen Engagement der Zuchtkursleiterinnen und -leiter. Besonders freut ihn, dass sich in den letzten Jahren wieder vermehrt junge Menschen der Zucht widmen und sich in den Verbänden engagieren.

In guter Erinnerung geblieben ist ihm auch eine Reise nach Grossbritannien im Jahr 2019. Gemeinsam mit anderen Schweizer Imkerinnen und Imkern besuchte er dort verschiedene «Nichtbehandler» – Imker, die erfolgreich vollständig auf Varroabehandlungen verzichten. Für Streiff war das ein eindrückliches Erlebnis. Es zeigte ihm, dass beim Umgang mit der Varroamilbe nicht nur die genetischen Anlagen eine Rolle spielen, sondern das ganze Volk mitmachen muss. «Dazu kommen viele externe, epigenetische Faktoren, die wir heute schlicht noch nicht verstehen», sagt er. Wie viel können und dürfen wir uns da einmischen, ja sogar an den Erbanlagen herumschrauben? Diese Fragen begleiteten ihn auch als Leiter des Projekts «Wege zur behandlungsfreien Imkerei» von BienenSchweiz und Agroscope. Dass es die Bienen schaffen werden, eine Resistenz oder Toleranz gegenüber der Varroamilbe zu entwickeln, davon ist Streiff überzeugt. «Aber ob es uns dazu braucht?», fragt er.

Kollegiale Diskussionen

Nun ist Streiff an der vergangenen Delegiertenversammlung aus dem Zentralvorstand zurückgetreten. Wenn er auf die acht Jahre zurückblickt, denkt er vor allem an die intensive, aber kollegiale Zusammenarbeit. «Wir führten oft harte Diskussionen, fanden am Schluss aber immer wieder zusammen und sassen danach bei einem guten Abendessen beieinander. Man konnte seine Meinung offen sagen – das habe ich sehr geschätzt.» Die Arbeit sei dynamisch gewesen, das Mitgestalten eine grosse Freude. Auch wenn nicht immer alle derselben Meinung gewesen seien, habe der Zentralvorstand die gefällten Entscheide am Ende gemeinsam getragen.

Bauen, backen, brauen

Und was macht Silvio Streiff nun nach seiner Tätigkeit bei BienenSchweiz? Eines ist klar, langweilig wird ihm nicht: Neben dem Imkern backt er als «engagierter Laie» regelmässig für seine grosse Familie, er braut Bier, und stellt auch verschiedene Fleischwaren her: Fleischkäse, Beef Jerky oder auch Bratwurst mit Aprikosenwürfeln und Koriander. Sein derzeit grösstes Projekt ist jedoch der Umbau einer hundertjährigen Käserei zu einem Mehrgenerationenhaus. In rund eineinhalb Jahren wollen er und seine Frau dort in den Dachstock einziehen. Für den Umbau verwendet er das Holz aus dem eigenen Wald, das er in der Zimmerei seines Schwiegersohns sägt. «Es ist ein schönes Gefühl, später über einen Boden zu laufen und zu wissen von welchem Baum das Holz stammt.» In der ehemaligen Käserei wird auch ein Ökonomieraum entstehen – ein Ort zum Backen, Wursten und Brauen. Und natürlich findet dort auch seine Honigschleuder einen gebührenden Platz.

Links: Der Heimstand von Silvio Streiff. Rechts: Silvio Streiff auf dem Weg zu seinen Miniplus-Einheiten.
Der Heimstand von Silvio Streiff

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