Invasive Neophyten machen leider nicht vor Gartenzäunen halt. Verwildern sie in Wäldern, artenreichen Wiesen oder auf Ruderalflächen, können sie heimische Pflanzen verdrängen – mit Folgen für spezialisierte Wildbienen und Schmetterlinge. Dabei gibt es zahlreiche heimische Alternativen, die unsere Insektenvielfalt weit besser fördern.
Als Ende des 15. Jahrhunderts der globale Handel zunahm, kamen auch Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen in neue Gebiete. Pflanzenarten, die ausserhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes vorkommen, nennt man Neophyten, also wörtlich übersetzt: neo- = neu und phyt = Pflanze. Die Mehrheit dieser Pflanzen hat sich längst ohne negative Auswirkungen im neuen Ökosystem etabliert. Es gibt aber auch einige, die Probleme machen und die heimische Flora stark verdrängen. Sei es, weil Fressfeinde fehlen, sie wachstumshemmende Substanzen absondern, schneller wachsen oder eine unglaubliche Anzahl an Samen produzieren und so schnell neue Fläche besiedeln können. Auch in Gärten findet man immer wieder invasive Neophyten, die leicht verwildern.
Manche wie der Schmetterlingsstrauch (Buddleja davidii) wirken auf den ersten Blick sogar sehr insektenfreundlich, summt und brummt es doch immer so schön in seiner Nähe. Tatsächlich zieht sein Duft viele Insekten an und Honigbienen sowie andere Generalisten finden reichlich Nektar in seinen Blüten. Doch ganz so positiv ist sein Zutun nicht: Er breitet sich extrem rasch aus und seine dichten Bestände verdrängen wertvolle Wildpflanzen, insbesondere in sensiblen Lebensräumen wie Auen, Ruderalflächen oder Bachufern. Ein Blütenstand allein kann bis zu 100 000 Samen produzieren; ein Strauch während einer Saison unglaubliche 3 Millionen Samen. Zudem bleiben die Samen im Boden bis zu 40 Jahre keimfähig. Problematisch ist das insofern, als Spezialisten, darunter ein Grossteil der Schmetterlinge, auf heimische Pflanzenarten angepasst sind: Für die Raupen sind die Blätter als Futter ungeeignet. Diese Schmetterlinge müssen also ihre Eier weiterhin auf heimischen Pflanzen legen, jene sind aber oft konkurrenzschwächer und werden mit der Zeit verdrängt.
Pollen ist nicht gleich Pollen
Auch spezialisierte Wildbienen sind auf das Vorkommen ihrer «Lieblingspflanzen» angewiesen, denn sie haben sich über Jahrmillionen hinweg wechselseitig an ihre Wirtspflanzen angepasst und die Pflanzen an sie. Gebietsfremden Pflanzen fehlt diese gemeinsame Entwicklung. Man nimmt an, dass Pflanzen mit der Zeit auch Schutzmechanismen entwickelt haben, um nicht zu viel Pollen an Bienen zu verlieren, denn für die Kinderaufzucht brauchen Bienen enorme Pollenmengen. Für die Pflanze kostet es jedoch auch viel Energie, so grosse Mengen an Pollen zu produzieren, auch wenn sie durchaus von der Bestäubungsleistung profitiert. Folglich mussten Strategien her:
Diese gehen so weit, dass nicht jeder Pollen für jede Bienenart gut ist. Im schlimmsten Fall kann der «falsche» Pollen sogar giftig sein oder nicht alle wichtigen Aminosäuren enthalten. Hoch spezialisierte Wildbienen sind besonders gut angepasst an die Verwertung des Pollens ihrer Pflanzenfamilie oder -gattung, aber nicht auf anderen Pollen. Die Glockenblumen-Scherenbiene (Chelostoma rapunculi) zum Beispiel sammelt Pollen für ihren Nachwuchs ausschliesslich bei Glockenblumen. Gibt man ihren Larven anderen Pollen, können sie sich nicht fertig entwickeln.
Gewisse Komponenten in Pollen von Hahnenfussarten (Ranunculus) sind nicht bekömmlich für Honigbienen und Wildbienenlarven, die nicht auf diese Pflanzen spezialisiert sind. Andere Wildbienen wie die auf Ranunculus spezialisierte Chelostoma florisomne oder auch Osmia bicornis können diesen Pollen aber problemlos verwerten, sie haben sich über lange Zeit hinweg gut daran angepasst.
Vielfalt als Lebensversicherung
Das zeigt eindrücklich, wie wichtig eine grosse Vielfalt an Wildpflanzen ist, einerseits für die oligolektischen Bienen, die stark auf bestimmte Pflanzen angewiesen sind, andererseits für polylektische Arten, damit sie eine ausgewogene Ernährung haben. Wird nun die heimische Flora durch invasive Arten stark verdrängt, könnte das mit einem drastischen Verlust an Vielfalt einhergehen und die Lebensgrundlage von spezialisierten Insekten unter Druck setzen.
Damit dies hoffentlich nicht im eigenen Garten passiert, nachfolgend ein paar Alternativen, die ihren invasiven «Doppelgängern» in Form und Farbe in nichts nachstehen, sie aber bezüglich ihres ökologischen Nutzens meilenweit übertreffen.
Schmetterlingsstrauch (Buddleja davidii)
In milden Gegenden lässt sich der invasive Schmetterlingsstrauch gut durch den Mönchspfeffer ersetzen. Mönchspfeffer wird gerne von Schmetterlingen, Holzbienen, Wollbienen, verschiedenen Hummeln und Honigbienen besucht. Man munkelt, dass die Pflanze den Namen «Mönchspfeffer» erhielt, weil Mönche im Mittelalter sie häufig im Klostergarten hegten und sich von ihr eine Zügelung ihrer Lust versprachen. Heutzutage ist sie vor allem als Phytopharmakum zur Hormonregulation bei prämenstruellem Syndrom oder bei unregelmässigem Zyklus bekannt oder eben als blühender Strauch im Garten. Eine sehr wertvolle Alternative für feuchtere Standorte ist der einheimische Blutweiderich (Lythrum salicaria). Er blüht von Juli bis September, was für spät im Jahr fliegende Wildbienen besonders wertvoll ist. Die seltenen Blutweiderich-Langhornbienen (Eucera salicariae) und Blutweiderich-Sägehornbienen (Melitta nigricans) sammeln den Pollen fast ausschliesslich am Blutweiderich.


Vielblättrige Lupine (Lupinus polyphyllus)
Die Vielblättrige Lupine ist bei vielen Insekten beliebt, mit ihrer dichten Wuchsform bleibt aber wenig Platz neben ihr. Zudem reichert sie den Boden mit Stickstoff an, was in nährstoffarmen, artenreichen Wiesen schnell zu einem Ungleichgewicht führt. Auch hier eignet sich für feuchtere Böden der Blutweiderich als einheimische Alternative, seine leuchtend dunkelrosa Blüten sind wahre Insektenmagnete.

Für trockenere Standorte ist der Natterkopf sehr beliebt bei der spezialisierten Natterkopf-Mauerbiene, bei Hummeln, bei Schmal- und Furchenbienen. Im ersten Jahr bildet die Staude eine unscheinbare Rosette, im zweiten Jahr blüht der Natterkopf blau-violett.

Eine ganz andere Form als Lupinen, aber äusserst beliebt bei verschiedenen Wildbienen, sind Glockenblumen. In der Schweiz sind mehrere Arten auf diese «Feen-Blumen» spezialisiert. Werden sie beim Sammeln von einem Regenguss überrascht, warten sie oft in den Blüten, bis der Regen nachlässt. Nicht selten sieht man auch Männchen in den Blüten schlafen. Und das Beste ist, mit den über 30 heimischen Glockenblumenarten findet sich für jeden Standort, egal ob sonnig oder schattig, eine gut angepasste Art.

Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus)
Den Kirschlorbeer sieht man oft in Gärten als immergrünen Sichtschutz. Leider bleibt er nicht dort, seine Samen werden von Vögeln verbreitet und er verwildert mit dichten Beständen gerne in Hecken, Waldrändern und Wäldern. Wer immergrünen Schutz sucht, könnte die heimische Stechpalme (Ilex aquifolium) anpflanzen oder den Liguster, der aber je nach Wintertemperaturen einen Teil seiner Blätter einbüsst. Dafür bieten die stark duftenden weissen Blüten vom Liguster (Ligustrum vulgare) von Juni bis Juli Nektar für zahlreiche Insekten. Im Herbst gibt es dann schwarze Beeren für Vögel. Oder aber man stellt eine Benjeshecke auf, sie bietet Sichtschutz und zahlreichen Tieren Unterschlupf und Winterquartier an.


Einjähriges Berufkraut (Erigeron annuus)
Das Einjährige Berufkraut fühlt sich so ziemlich überall wohl, leider auch auf artenreichen Magerwiesen und an Ufern. Eine einzige Pflanze produziert 10 000 bis 50 000 Samen, zudem sondert sie sekundäre Pflanzenstoffe ab, die die Keimung anderer Pflanzen hemmen. Für das invasive Einjährige Berufkraut gibt es zum Glück sehr viele heimische Alternativen aus der Korbblütlerfamilie, z. B. die Echte Kamille, die Färberkamille, die Wiesen-Margerite oder für etwas mehr Farbe im Garten die hellblaue Wegwarte. Wer die Löcherbiene (Heriades truncorum) auf seinem Balkon oder im Garten beobachten möchte, sollte auf jeden Fall für viele Korbblütler sorgen.


Neubelgische Astern (Aster novi-belgii-Aggregat)
Eigentlich haben Astern einen guten Ruf, da sie noch lange in den oft bereits blütenkargen Herbst hinein blühen. Für zahlreiche Hummeln, Furchenbienen und Schmetterlinge wie der Kleine Feuerfalter sind sie oft willkommene Nektar-Tankstellen. Trotzdem ist nicht jede Aster ökologisch wertvoll. Gerade die Neubelgischen Astern gelten bei uns als invasiv; mit ihren Ausläufern bilden sie dichte Bestände, die andere Pflanzen verdrängen können. Auf Astern verzichten muss man zum Glück nicht, denn es gibt wertvolle heimische Arten wie die Gold-Aster oder die Berg-Aster, die den letzten Insekten im Jahr Nahrung bieten können und auch im Garten gut kommen. In Deutschland gibt es sogar eine Gold-Aster-Spezialistin, die Gold-Aster-Seidenbiene (Colletes collaris). In der Schweiz wurde sie allerdings schon länger nicht mehr gesichtet. Hier zählen vor allem mehrere Schmal- und Furchenbienen und die spezialisierte Rainfarn-Seidenbiene (Colletes similis) zu den häufigen Besuchern.


Links
Übersicht invasive Neophyten von JardinSuisse: www.neophyten-schweiz.ch
Regionale, angepasste Pflanzen für den Garten finden: www.regioflora.ch > Siedlungsraum > Pflanzenfinder