Magerwiesen und Wiesenpflege

02/24 | Natur und Wildbienen
Daniel Ballmer, Verein Floretia (daniel@floretia.ch)

Der Winter ist in vielen Regionen die ideale Zeit, um die Ansaat von Blumenwiesen zu planen. Artenreiche Wiesen, ob trocken oder feucht, sind reich blühende Lebensräume, die für Wild- und Honigbienen gleichermassen wichtig sind. Im Teil 2 der Wiesenserie widmen wir uns nun den Magerwiesen, dem mit Abstand artenreichsten Wiesentyp, und der langfristigen Pflege von Wiesen.

In der letzten Ausgabe hatte ich beschrieben, wie Wiesenpflanzen sowohl mit der Konkurrenz ihrer Nachbarinnen als auch mit Stress zurechtkommen müssen. In Fettwiesen beschränkt sich der Stress weitgehend auf das Gemähtwerden, weil Wasser und Nährstoffe reichlich vorhanden sind. Die Konkurrenz zwischen den Pflanzen spielt hingegen eine recht grosse Rolle. In Magerwiesen ist die Situation genau umgekehrt: Der Mangel an Nährstoffen und die Trockenheit, die durch die sandigen oder kiesigen, wenig speicherfähigen Böden entstehen, stressen die Wiesenblumen und Gräser ständig. Weil alle Pflanzen mit ihrem eigenen Überleben beschäftigt sind, herrscht wenig Konkurrenz, sodass viel mehr verschiedene Arten nebeneinander wachsen können. Auf einem einzigen Quadratmeter mitteleuropäischer Magerwiese findet man üblicherweise dreissig bis vierzig, manchmal sogar bis zu siebzig verschiedene Pflanzenarten – deutlich mehr als in jedem anderen Wiesentyp.

Trockene Magerwiesen werden nur einmal im Jahr gemäht und geben trotzdem ein ähnlich ruhiges und gleichmässiges Bild ab wie ein Rasen – nur bunter und artenreicher.

Diese Pflanzenvielfalt, zusammen mit den vielen sonnigen Bodenstellen zwischen den Wiesenblumen, macht Magerwiesen auch zu einem der wertvollsten Lebensräume für Wildbienen. Zahlreiche seltene und spezialisierte Arten lassen sich gerne in Magerwiesen nieder, insbesondere jene, die auf Schmetterlingsblütler (Fabaceae) spezialisiert sind. Schmetterlingsblütler wie Hornklee (Lotus), Esparsetten (Onobrychis), Wundklee (Anthyllis) oder Hauhechel (Ononis) beherbergen Bakterien in ihren Wurzeln, die Stickstoff aus der Luft in Ammoniak umwandeln, den die Pflanzen aufnehmen können. Diese hauseigene Düngerfabrik ist ein grosser Vorteil in Magerwiesen, weshalb Schmetterlingsblütler dort oft grosse Bestände bilden. Diese locken wiederum ihre Bestäu­berinnen an, zum Beispiel die Platterbsen-Mörtelbiene (Megachile ericetorum), die Mai-Langhornbiene (Eucera longicornis), die seltene Schwarze Mörtelbiene (Megachile parietina) oder die vom Aussterben bedrohte Rotklee-Sandbiene (Andrena labialis). Aber auch Hunderte weitere Wildbienenarten, die an anderen Pflanzenfamilien sammeln, leben gerne in Magerwiesen. Für die Honigbiene gibt eine Magerwiese zwar deutlich weniger Nektar und Pollen her als eine Fettwiese, aber weil Magerwiesen später blühen, kommt ihnen in der Trachtlücke trotzdem eine hohe Bedeutung zu.

Die Schwarze Mörtelbiene (Megachile parietina) benötigt artenreiche, trockene Mager- und Fettwiesen, in denen zahlreiche Esparsetten (Onobrychis) blühen. Für jedes einzelne Ei baut sie eine stabile Mörtelzelle und verproviantiert sie mit dem Pollen von gut tausend Blüten.

Leider sind die Magerwiesen in der Schweiz noch stärker zurückgegangen als die artenreichen Fettwiesen. Im 19. Jahrhundert gab es sie noch überall, aber mit der Intensivierung der Landwirtschaft wurde fast jede Magerwiese im Mittelland gedüngt, mit Humus bedeckt oder bewässert. Die Magerwiesen in den Berggebieten stehen sogar heute noch unter Druck, da überschüssige Gülle aus tieferen Lagen vermehrt in den Alpen und Voralpen ausgebracht wird. Grund für diese Fehlentwicklung sind die Futtermittelimporte, mit denen wir unsere hohen Viehbestände aufrechterhalten. Aus einem Kilogramm brasilianischem Futtersoja entstehen keine 100 Gramm Rindfleisch, aber mehr als 900 Gramm Mist und mehrere Liter Gülle, die irgendwie entsorgt werden müssen. In Brasilien wiederum fehlen diese Nährstoffe, aber weil es teuer und gefährlich wäre, Mist oder Gülle per Tankschiff zurückzuführen, stecken sie bei uns fest.

Während wir unser Mist- und Gülleproblem auf der politischen Ebene lösen müssen, können wir neue Magerwiesen auch im eigenen Garten schaffen. Anders als Fettwiesen gelingen Magerwiesen nicht überall, aber es gibt trotzdem genug Raum, um ihre heutige Fläche um ein Mehrfaches zu steigern.

Gerade an den kargsten Stellen können Magerwiesen dank Thymian (Thymus), Felsennelken (Petrorhagia) und anderen niedrigen Pflanzen einen beeindruckenden Blütenreichtum ent- wickeln.
In höheren Lagen, hier im Val Roseg (GR), werden Magerwiesen von anderen Pflanzen geprägt als im Tiefland, aber sie sind ebenfalls blütenreiche Bestäubermagnete.

Wo funktioniert eine Magerwiese?

Auf den ersten Blick ist der Siedlungsraum ein schwieriges Terrain für magere Flächen. Nach praktisch jedem Bauprojekt wird alles, was nicht bebaut oder versiegelt ist, standardmässig mit einer dicken Schicht Humus bedeckt. Für das Austauschen dieses nährstoffreichen Bodens und die Ansaat einer Magerwiese bezahlt man einem Gärtner schnell einmal mehrere Tausend Franken. Es gibt aber zwei Möglichkeiten, zur richtigen Zeit am richtigen Ort deutlich günstiger an ein mageres Saatbeet zu kommen.

Die beste Möglichkeit ergibt sich bei der Planung eines Neubaus oder einer Totalsanierung. Scheiden Sie bereits früh in der Planung eine sonnige bis leicht halbschattige Fläche im Garten aus, die nicht mit Humus, sondern hauptsächlich mit Rohboden (Unterboden) aus der Baugrube gestaltet werden soll. Daraus ergeben sich keinerlei Zusatzkosten, oft sparen Sie so sogar Geld. Sorgen Sie aber dafür, dass alle Beteiligten diesen Plan kennen – das Humusieren von Gärten ist so stark in den Betriebsabläufen verankert, dass es sogar aus Versehen passieren kann, wenn es mal nicht vorgesehen ist. Ebenfalls ein guter Ort für Magerwiesen bei Neubauprojekten sind Flachdächer. Diese müssen für eine etwas höhere Traglast geplant werden, mit mindestens 15–20 cm Substrat. Geschieht dies früh genug in der Planung, kostet der Bau aber auch nicht viel mehr als ein gewöhnliches Flachdach. Und da eine dickere Dachbegrünung besser isoliert und mehr Regenwasser zurückhält, ergeben sich oft Einsparungen an anderen Orten.

Eine andere Möglichkeit ist die Umnutzung einer biologisch toten, aber sickerfähigen und gut besonnten Fläche. Geeignet sind Schotterbeete, ungenutzte Kiesplätze und -wege oder alte Sandkästen. Sandkästen können direkt mit Magerwiesenblumen bepflanzt werden. Bei alten Kiesplätzen aus feinem Splitt, auf denen schon von selbst recht viel Unkraut aufkommt, funktioniert die direkte Ansaat einer Samenmischung oft nicht schlecht. Bei Schotterbeeten hingegen sollte das Unkrautvlies entfernt und die dünne Schotterschicht bis auf eine Höhe von 25–30 cm mit magerem Substrat aufgefüllt werden. Gut geeignet sind Wandkies (ungewaschener Kies) und Schlämm­sand, das sandig-lehmige Abfallprodukt der Kieswäsche. Beides ist in fast jeder Kiesgrube in grossen Mengen erhältlich. Je nachdem, ob man die Magerwiese direkt ansäen oder schrittweise entwickeln will, kann man etwas Humus beimischen; dazu komme ich gleich. Auch Kiesplätze aus gröberem oder rundem Kies müssen mit Schlämmsand und eventuell etwas Humus aufgefüllt werden, bevor etwas darauf ausgesät werden kann.

In trockenwarmen Gegenden, wie hier im grenznahen Waldshut (DE), blühen auch auf nährstoffreicheren Böden zahlreiche Blumen, die sonst eher in Magerwiesen vorkommen. Die Trockenheit bringt hier zusätzlichen Stress ins Spiel, was Arten wie der Saat- Esparsette (Onobrychis viciifolia) und dem Wiesensalbei (Salvia pratensis) einen Vorteil verschafft.
Bei diesem Neubau in Winterthur-Töss (ZH) wurde ein grosser Teil der Umgebung mit Rohboden aus dem Aushub der Baugrube gestaltet, statt wie üblich mit Humus. So liess sich mit wenig Aufwand eine blütenreiche Magerwiese anlegen.

Magerwiesen anlegen

Auf dem richtigen Boden lässt sich eine Magerwiese direkt ansäen, genau wie eine Fettwiese. Eine schöne, relativ dichte Magerwiese entsteht auf einem Boden, der zu 15–25 % aus Humus besteht. Wenn Sie wollen, dass Ihre Wiese über ihre ganze Lebenszeit ungefähr gleich aussieht, dann lassen Sie sich am besten so einen Boden mischen. Säen Sie die Wiese an, pflegen Sie sie richtig, und Sie werden jahrzehntelang eine schöne Magerwiese haben.

Sie können eine Magerwiese aber auch schrittweise entwickeln, indem Sie erst eine Ruderalfläche anlegen und sie erst nach einigen Jahren als Wiese pflegen. Ruderalflächen stehen bei Wildbienenfreundinnen und -freunden hoch im Kurs, wenn auch oft unter anderem Namen: als Magerbeet, Kiesbeet oder Sandarium. Diese Flächen werden meist ganz ohne Humus angelegt, ihr Bewuchs ist nochmals lückiger als der einer Magerwiese, und sie werden im Gegensatz zu Magerwiesen nicht gemäht, sondern nur gejätet. Auf Ruderalflächen fliegen sogar noch mehr seltene Wildbienenarten als auf Magerwiesen – aber diese Lebensräume sind nicht von Dauer. Mit der Zeit sammelt sich Humus an, konkurrenzstarke Pflanzen nehmen überhand, und Gebüsch kommt auf. Nach zehn oder fünfzehn Jahren müssen Sie eine Ruderalfläche entweder intensiv pflegen, um sie in einem schönen Zustand zu halten. Oder Sie beginnen sie zu mähen, säen Magerwiesensaatgut aus und entwickeln diesen Lebensraum sanft zur Wiese weiter. Wer diese natürliche Dynamik zulässt, entdeckt jedes Jahr wieder neue Tier- und Pflanzenarten.

Die Ansaat von Magerwiesen und Ruderal­flächen funktioniert genauso wie jene von Fettwiesen, nachzulesen im ersten Teil dieser Serie in der Januar-Ausgabe.

Die Anlage von Ruderalflächen lohnt sich, auch wenn sie nicht lange bestehen bleiben. Bereits auf den kleinsten und neusten Ruderalflächen, wie hier auf einem Parkplatz in Winterthur, fliegt die hoch spezialisierte Natternkopf-Mauerbiene (Hoplitis adunca).

Langfristige Wiesenpflege: Wann mähen?

Ob sie nun fett oder mager ist, direkt angesät oder schrittweise entwickelt wurde: Eine Wiese bleibt nur mit der richtigen Pflege schön und blütenreich. Auf Bewässerung, Pestizide, Mulchen und Vertikutieren verzichten Sie bei einer Blumenwiese vollständig, auf Düngung am besten auch. Wer auf das Heu angewiesen ist, kann Fettwiesen auch sehr schonend und sparsam mit Mist oder anderen organischen Feststoffen düngen. Dabei die Artenvielfalt zu erhalten, ist aber immer ein Balanceakt, der ein grosses Wissen über den Boden und den Wasserkreislauf erfordert.

Auf ungedüngten Wiesen liegt die ganze Kunst der Pflege im Mähen. Diese Kunst besteht darin, den Zeitpunkt und die Technik an die Bedürfnisse der Wiesenpflanzen und -tiere anzupassen. Das Mähen erfüllt in einer artenreichen Wiese zwei Funktionen: Es schwächt konkurrenzstarke Pflanzen wie wüchsige Gräser, Brennnesseln, Brombeeren und junge Gehölze. Und es bringt Licht auf den Boden, was den Wiesenblumensamen erlaubt, zu neuen Pflanzen heranzuwachsen. Die meisten von ihnen können nur keimen, wenn genügend Licht vorhanden ist. Wenn Sie wissen, warum Sie mähen, dann sehen Sie auch, wo und wann Sie am besten mähen.

Eine Mahd im Jahr ist nötig, wenn die Samen der Wiesenblumen reif sind. Auf Fett- und sonnigen Magerwiesen ist dies jeweils nach dem Verblühen der Wiesen-Margerite (Leucanthemum vulgare) der Fall, je nach Boden und Höhenlage zwischen Mitte Juni und Ende August. Feuchtwiesen und halbschattige Magerwiesen sind reich an Spätblühern wie Abbisskraut (Succisa pratensis), Blut-Weiderich (Lythrum salicaria) und Hirschwurz (Peucedanum cervaria), die wiederum wichtige Nahrungsquellen für späte Wildbienen darstellen. Solche Wiesen sollten nicht vor Ende September gemäht werden. Für Mager- und Feuchtwiesen ist diese Mahd der einzige nötige Eingriff im Jahr.

Fettwiesen in tiefen bis mittleren Lagen – und nur sie – benötigen meist zwei bis drei Mahden im Jahr, damit die konkurrenzstarken Gräser und Stauden nicht überhandnehmen. Es empfiehlt sich, immer da zu mähen, wo Gräser oder dominante Stauden gerade stark aufkommen. Meist ist dies im Spätherbst der Fall, wenn der Sommerschnitt schon länger zurückliegt. Wo das Gras bereits wieder hochgeschossen ist, darf es grosszügig abgemäht werden. In einem milden, regenreichen Frühling wachsen Gräser ebenfalls viel schneller heran als Wiesenblumen; dann empfiehlt sich eine Frühmahd zum Zeitpunkt, an dem die Gräser bereits hoch stehen, aber die Blumen noch in den tieferen Schichten verharren. In warmen Gebieten ist dies bereits Anfang/Mitte April der Fall, in kühleren und höheren Lagen später. In sehr trockenen, wenig wüchsigen Jahren kann es auch einmal sein, dass eine Fettwiese nur einen einzigen Schnitt benötigt.

Wie mähen?

Ebenso wichtig wie der Zeitpunkt ist die Technik. Das Mähen zur richtigen Zeit fördert vor allem die Pflanzenvielfalt; die richtige Technik sorgt dafür, dass das Mähen kein Massaker an den Kleintieren der Wiese wird.

Die wichtigste Regel dabei ist: Die Wiesen sollten nie komplett gemäht werden. Lassen Sie jedes Mal grosszügige Inseln, Streifen oder ganze Abschnitte stehen, am besten jene, die noch am schönsten blühen. Insgesamt sollten bei Fett- und Magerwiesen mindestens 10–20 % der Wiese stehen bleiben. Nur so haben Grashüpfer, Schmetterlingsraupen, Blattkäfer und andere wenig mobile Tiere genügend Rückzugsgebiete, die ihr Überleben sichern. Bei Feuchtwiesen sollte jedes Jahr sogar mindestens ein Drittel der Fläche stehen bleiben, weil viele dort lebende Tiere in oder an hohen Pflanzenstängeln überwintern und weil Kleinvögel wie der Sumpfrohrsänger (Acrocephalus palustris) gerne in Altgrasbeständen vom letzten Jahr nisten.

Das mit Abstand beste Mähgerät ist eine traditionelle Sense oder ein Balkenmäher, auf 8–10 cm Höhe eingestellt, um bodenlebende Tiere wie Eidechsen, Frösche oder Scheckenfalter-Raupen nicht zu gefährden. Suchen Sie sich für die Hauptmahd im Sommer eine sonnige Woche aus. Lassen Sie das Schnittgut mindestens zwei bis drei Tage auf der Fläche liegen, damit die Blumensamen zu Boden fallen können, und tragen Sie es anschliessend ab, damit sich in der Wiese nicht allzu viele Nährstoffe anreichern. Bei früheren und späteren Mähdurchgängen kann das Schnittgut auch direkt abgetragen werden.

Geräte mit rotierender Klinge, ob Motorsensen oder handelsübliche Rasenmäher, häckseln das Schnittgut in kleine Teile, töten dadurch deutlich mehr Insekten und erschweren das Abtragen des Heus. Sie sind immer die schlechtere Option – aber leider oft das einzige Gerät, das zur Verfügung steht. Wenn Sie eine Wiese mit einem Rotormäher pflegen, stellen Sie ihn so hoch ein wie möglich. Besteht die Möglichkeit, grössere Räder an den Mäher zu montieren, nutzen Sie sie. Suchen Sie sich für die Mahd einen Moment aus, an dem Grashüpfer, Eidechsen und Frösche aufgewärmt sind und schnell fliehen können, aber an dem auch nicht viele Bestäuber unterwegs sind. Ein warmer Sommerabend ist ideal. Mähen Sie streifenweise höchstens die Hälfte der Wiese und lassen Sie den Rest stehen. Etwa einen Monat später, wenn die gemähten Streifen wieder etwas nachgewachsen sind, mähen Sie den Rest, wobei Sie grosszügige Blumeninseln stehen lassen.

Last but not least: Brechen Sie stellenweise die Regeln

Wer eine Wiese insgesamt schonend und naturfreundlich pflegt, kann an ausgesuchten Stellen auch alles anders machen, ohne der Artenvielfalt zu schaden. Mähen Sie also ruhigen Gewissens einen Rasenweg oder gar einen Rasensitzplatz in Ihre Wiese – solange diese Eingriffe nicht jedes Jahr genau am selben Ort passieren, erholt sich die Vegetation problemlos wieder davon. Für die Fauna haben Rasenwege sogar Vorteile: Vögel wie der Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus) oder der Steinkauz (Athene noctua) jagen, wo sie noch vorkommen, sehr gerne in solchen kurzgrasigen Abschnitten. Und Heuschrecken, Wildbienen und andere Insekten wärmen sich dort morgens gerne auf. Auch die Ränder der Wiese entlang von Strassen, Wegen und Plätzen können gut eine Rasenmäherbreite weit, als Rasen gepflegt werden. So wirkt die Wiese «aufgeräumter» und kippt bei Regen nicht auf den Weg.

Umgekehrt sind auch Streifen wertvoll, die weniger gemäht werden als der Rest. Ob entlang einer Hecke, an einer ruhigen Böschung, rund um einen alten Wurzelstock oder mitten in der Wiese – selten gemähte Säume sind Lebensräume für viele spezielle Gartenbewohner, darunter die Zweifarbige Schneckenhaus-Mauerbiene (Osmia bicolor), die Lauchschrecke (Mecostethus parapleurus) oder der Rotklee-Bläuling (Cyaniris semiargus). Hier lohnt es sich aber, ab und zu einen Blick hineinzuwerfen und junge Gehölze und Brombeerstauden auszureissen. Sonst wächst schnell ein kleiner Wald heran.

Artenreiche Magerwiesenmischungen für jede Region

Wiesensaatgut sollte möglichst regional sein, da sich die typischen Arten und auch das Erbgut innerhalb der Arten je nach Region und Höhenstufe stark unterscheiden. Bei den Ruderalpflanzen, die sich über weitere Strecken ausbreiten, sind diese Unterschiede etwas kleiner, aber es ist immer noch sinnvoll, zu möglichst regionalem Saatgut zu greifen. Empfehlenswert sind folgende Mischungen:

Mittelland, Kanton Zürich und östlicher:

• Magerwiesen: «Blumenreiche Magerwiese Region Mittelland Ost» von der IG Regiosaat, «Wildblumenwiese trocken CH-G» und «Magerrasen CH-G» von UFA Samen sowie «OH-chg Naturflora» von Otto Hauenstein Samen

• Ruderalflächen: «Ruderalflora CH» und «Blütenzauber ausdauernd CH» von UFA Samen sowie «OH-ch Spontanflora» von Otto Hauenstein Samen

• Speziell für Dächer: Standard-Dachkräuter­mischungen von UFA Samen oder eine Kombination der Mischungen «OH-ch Dachgartenkräuter» und «OH-chg Dachgartengräser» von Otto Hauenstein Samen

Mittelland, Kantone Aargau/Luzern und westlicher:

• Für kleinflächige Magerwiesen: Kombination der Mischungen «Wildblumenwiese sonnig» und «Wildblumenmischung mager» von Artha Samen

• Für grössere Magerwiesen gibt es leider keine komplett regionalen Mischungen im Handel. Immer noch empfehlenswerter als andere sind unsere Tipps fürs östliche Mittelland sowie die Magerwiesenmischung «Flora Suisse» von Eric Schweizer Samen.

• Dächer und Ruderalflächen: «Wildblumenmischung ruderal» und «Wildblumenmischung Flachdach» von Artha Samen, Dachkräutermischungen «Basel», «Genf», «Lausanne» und «Kanton Waadt» von UFA Samen

Vor- und Nordalpen:

• Magerwiesen östlich der Reuss: «Bergblumenwiese CH-G» von UFA Samen

• Magerwiesen westlich der Reuss: Kombination der Mischungen «Berner Wiese» und «Wildblumenmischung mager» von Artha Samen

• Dächer und Ruderalflächen: Dachkräutermischungen «Thun», «Luzern» und «Zug» von UFA Samen

Jurabogen:

• Dächer und Ruderalflächen: Dachkräutermischungen «Schaffhausen», «Basel» und «Kanton Waadt» von UFA Samen

Tessin:

• Magerwiesen: «FS-ch Florainsubrica» von der Associazione Fioriselvatici

Graubünden:

• Magerwiesen im Engadin: «Engadiner Trockenwiese» von Schutz Filisur

• Magerwiesen im Einzugsgebiet des Rheins: «Ein buntes Paradies für Schmetterlinge» von Schutz Filisur

Wallis, Jura, Graubünden und Tessin:

• Das Ökobüro Ö+L verkauft auf Anfrage überschüssiges Saatgut aus Direktbegrünungs­projekten, das aus alten, artenreichen Wiesen ausgebürstet wurde. Es ist nicht immer verfügbar, aber sehr empfehlenswert.

Auf sehr kleine Flächen können Wiesen mit sogenannten Initialziegeln auch direkt gepflanzt werden. Die Gärtnerei D. Labhart bietet solche Wiesenziegel für mehrere Regionen an (siehe www.sellana-shop.ch).

Eine gute Alternative zu grösseren Ansaaten von Magerwiesen, gerade in ländlichen Regionen, ist die Mahdgutübertragung. Sie funktioniert ganz anders als eine Ansaat und kann nur in Zusammenarbeit mit einem wohlgesinnten Bauernbetrieb durchgeführt werden. In Gärten lohnt sie sich, wenn Sie einen engagierten, unkomplizierten Bauern mit einer artenreichen Wiese in Ihrem Umfeld haben. Alles Wissenswerte darüber finden Sie unter www.regioflora.ch.

Mehr Wildpflanzen für jeden Schweizer Garten oder Balkon finden Sie auch auf der Gratis-Webplattform www.floretia.ch. Geben Sie ein paar einfache Angaben zum Standort ein und wählen Sie einige Pflanzen aus. Sie erhalten innert Sekunden eine bebilderte Pflanzenliste und punktgenaue Angaben, bei welchen Gärtnereien Sie diese Pflanzen beziehen können.

Wenn Sie sich ein etwas breiteres, systematischeres Wissen über die Förderung von Wildbienen im Garten erarbeiten möchten, helfen die Bienenschutz-Kurse von BienenSchweiz. Alles Wichtige dazu finden Sie hier.

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