20 Jahre Goldsiegel – und trotzdem: Was wäre, wenn …

10/26 | BienenSchweiz
Andres Schneider, AG Goldsiegel, (andres.schneider@fastmail.fm)


… es kein Goldsiegel gäbe – ein Gedankenspiel!

Fakt ist: Der Gesamtverbrauch von Honig in der Schweiz liegt bei ca. 12 000 Tonnen – ungefähr 4000 Tonnen können mit Schweizer Honig ab­gedeckt werden, die «restlichen» zwei Drittel werden aus dem Ausland in unterschiedlichster Qualität (Mischhonig) importiert. Der Vertrieb von Schweizer Honig erfolgt zu zwei Dritteln im Direktvertrieb und einem Drittel über den Grossdetail­handel. Der Verkauf (oder Kauf) von Schweizer Honig ist eine Vertrauenssache!

Wenn das Goldsiegel von apisuisse (Dachverband der Schweizer sprachregionalen Verbände) von heute auf morgen verschwinden würde, verlöre der Schweizer Honigmarkt seinen wichtigsten Kompass für Qualität und Herkunftsgarantie. Und ein Viertel aller Schweizer Imkerinnen und Imker könnten sich nicht mehr den Standards des Goldsiegel-Programms stellen. Was wären die wesentlichen Konsequenzen?

– Imker und Imkerinnen 

  • verlören ihre qualitative Orientierungshilfe (Standards) 
  • die dokumentierte Transparenz würde wegfallen 
  • der Fachaustausch wäre nicht mehr standardisiert (Community) 
  • konkrete Hilfsmittel würden fehlen
  • die individuelle Aus-/ Weiterbildung wäre erschwert (Vereinszugehörigkeit) 
  • Fachpersonen wie Betriebsberater- und -prüferinnen stünden nicht mehr per se als Ansprechpersonen zur Verfügung 

– Konsumentinnen und Konsumenten

  • verlören ein ins Auge stechendes Qualitätslabel 
  • es würde die Sicherheit fehlen, dass, wo Schweizer Honig draufsteht, auch 100% Schweizer Honig drin ist

– Wiederverkäufer von Schweizer Honig

  • könnten sich nicht mehr auf die Standards von apisuisse verlassen
  • müssten ein aufwändiges Qualitäts­sicherungsprogramm entwickeln 

Wozu Qualitätsprogramme?

Zielwerte wie Gleichwertigkeit oder gemeinsame Richtlinien wie beispielsweise Gesetze sind ausgehandelte, auf gesellschaftlichem Konsens basierende Vereinbarungen. Sie sind Orientierungshilfen auf der Grundlage gemeinsamer Werte, schaffen Vertrauen und ermöglichen Vereinbarungen, Abmachungen und Verträge – sie geben Sicherheit.

Das Goldsiegel-Programm ist ein Qualitätslabel und basiert auf geprüften Standards (Qualität), Transparenz (Nachvollziehbarkeit) und Vertrauen (Glaubwürdigkeit). Diese dienen als Entscheidungshilfen und sichern eine definierte Prozess- und Fachqualität – ein Kompass für Produzent und Konsument.

Ohne das goldene Qualitätssiegel von api­suisse würde dem Schweizer Imkereisektor ein zentrales, einheitliches Instrument zur Auszeichnung überdurchschnittlicher Honigqualität und rückstandsfreier Produktion von der Blüte bis zum Glas fehlen. 

Goldsiegel – des Imkers Standard für Schweizer Bienenhonig 

Das Goldsiegel ist somit mehr als nur eine Kennzeichnung – es ist ein umfassendes Qualitätsversprechen, das vom Bienenstand bis zum fertig abgefüllten Honigglas gilt. Auch Schweizer Bienenhonig ohne Goldsiegel ist gut – und trotzdem: Das Goldsiegel-Programm stärkt die Imkerschaft und unterstützt im Meistern aktueller Herausforderungen wie beispielsweise klimatische Veränderungen, Auftreten von Schädlingen oder Krankheiten oder im Umgang mit der Asiatischen Hornisse. 

Bienenhonig ist ein wertvolles Lebensmittel und ist es wert, mit einem Erstöffnungsschutz versehen zu sein – Pflicht und Verpflichtung. Das Goldsiegel ist der preiswerteste und einzige honigspezifische Erstöffnungsschutz, der von Honigfachpersonen kontrolliert und vergeben wird!

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