Eine neue Studie zeigt: In Europa gibt es zwar noch wilde Honigbienenpopulationen, sie geraten aber zunehmend unter Druck. Ohne Schwärme aus der Imkerei könnten die Bestände innerhalb eines Jahrzehnts um rund 56 Prozent zurückgehen. Erstmals werden wilde Honigbienen EU-weit als stark gefährdet eingestuft.
Die Westliche Honigbiene (Apis mellifera) ist weltweit eine der häufigsten Blütenbesucherinnen.1 Ihr Gefährdungsstatus war lange nicht Thema, zumal sie oft als reines Nutztier angesehen wird.2 Ursprünglich lebte sie aber auch wild in den europäischen Wäldern. Dort waren Bienenvölker in natürlichen Hohlräumen wie Baumhöhlen oder Felsspalten zu Hause und kamen ohne menschliche Betreuung aus.
Wie viele wildlebende Völker es in Europa heute gibt, wurde lange nicht erforscht. Im letzten Jahrzehnt widmeten sich Forschende vermehrt der Suche nach wildlebenden Kolonien. Neue Daten zeigen: Sie machen mindestens einen Sechstel der europäischen Honigbienenpopulation aus. Gleichzeitig ist wenig darüber bekannt, wie diese wildlebenden Völker leben und welche ökologische und evolutionäre Bedeutung sie haben.
Baumhöhlen- oder Beutenbewohnerin?
Eine wildlebende Honigbiene lässt sich äusserlich nicht von einer gehaltenen unterscheiden. Ursprünglich waren im gesamten Verbreitungsgebiet der Apis mellifera wilde Schwärme eine wichtige Bienenquelle für die Imkerei. So waren auch in der Schweiz die Bienenvölker in den Bienenhäusern und den Baumhöhlen genetisch identisch. Obschon seit Mitte des 19. Jahrhunderts vermehrt Bienen anderer Regionen importiert werden, gibt es nach heutigem Kenntnisstand noch immer keine eindeutige biologische Grenze zwischen wildlebenden und gehaltenen Honigbienen.3 Zumal beide Gruppen sich auch heute vermischen, zum Beispiel, wenn junge Bienenköniginnen aus der Imkerei sich auf ihrem Hochzeitsflug auch mit Drohnen aus wilden Völkern paaren. Oder wenn ein Bienenschwarm eine Beute verlässt und sich in einer alten Baumhöhle ansiedelt.
Eine Konsequenz dieser unklaren Trennung ist, dass sich die Definition von «wild» bei der Honigbiene unterscheidet, je nachdem, ob es um das einzelne Bienenvolk oder die Population von Völkern geht. Entscheidend für die praktische