Blühflächenengagement – Jahresrückblick 2023

04/24 | BienenSchweiz
Flurina Müller, Blühflächenengagement BienenSchweiz, (flurina.mueller@bienenschweiz.ch)

Eine halbe Million blühende Quadratmeter in den unterschiedlichsten Farben und Formen sind im Rahmen des Blühflächenengagements von BienenSchweiz letztes Jahr entstanden.

Es wurde schon in mehreren Ausgaben der Schweizerischen Bienen-Zeitung über das im Jahr 2022 lancierte Blühflächenengagement von BienenSchweiz berichtet. Dank der Unterstützung von vielen Sektionen, Imkerinnen und Imkern, Landwirtinnen und Landwirten, Gemeindepräsidentinnen und -präsidenten, Unternehmen und zahlreichen weiteren Partnern dürfen wir nun gemeinsam auf ein gelungenes Blühflächenjahr zurückblicken.

Vielfältige Blühflächentypen

Nachdem wir im Jahr 2022 mit der Förderung von einjährigen Nützlingsstreifen gestartet hatten, erweiterten wir das Portfolio der Blühflächen mit wissenschaftlicher Unterstützung der Hochschule für Agrar-, Forst und Lebensmittelwissenschaften HAFL, um möglichst wirksame und auch langfristige Lebensräume für Honig- und Wildbienen zu schaffen. So wurden insgesamt zehn unterschiedliche Blühflächentypen gefördert: einjährige und mehrjährige Nützlingsstreifen auf Ackerland und in Dauerkulturen, Hecken, Wiesenaufwertungen, Kleeblüte, Wildbienenlebensräume, Buntbrachen, Ackersäume und offener Flächentyp. Durch diese Vielfalt kann ein Nahrungsangebot über die ganze Saison erreicht werden, indem sich die Elemente in ihren Blühzeitpunkten ablösen und mit ihren unterschiedlichen Eigenschaften und Blüten auch spezialisierten Wildbienenarten und vielen weiteren Insekten, aber auch Vögeln und Kleinsäugern wertvolle Nahrung, Nistgelegenheiten und Unterschlupf bieten. Der grösste Teil der Flächen wurde auf landwirtschaftlichen Betrieben geschaffen. Dies geschah, da Landwirtinnen und Landwirte meist grössere Flächen zur Verfügung haben, welche sie in der Regel auch schneller als jene von Gemeinden oder Unternehmen aufwerten können. Im Hinblick auf das Jahr 2024 haben wir unsere Aktivitäten im Siedlungsraum verstärkt und den Gemeinden mit unterschiedlichen Tools wie einer Absichtserklärung und massgeschneiderten Massnahmenvorschlägen die Umsetzung weiter vereinfacht.

Flächenmässig machten Wiesenaufwertungen mit rund 14 Hektaren den grössten Anteil aus. Dies ist besonders positiv zu werten, da diese langfristig Bestand haben und so das Blütenangebot nachhaltig verbessern. Hecken machen flächenmässig einen kleinen Teil aus, da sie dreidimensionale Elemente sind. Das macht sie als Lebensraum aber in Kombination mit einem blühenden Krautsaum und geeigneter Artenwahl umso wertvoller. Darum freut es uns sehr, dass wir insgesamt fast 1000 Laufmeter Hecken schaffen konnten und dieses Jahr noch viel mehr geplant oder sogar schon gepflanzt wurden. Gerade diese beiden Elemente haben einen hohen Initialaufwand und brauchen viel Know-how. Mit der Anschubfinanzierung und entsprechender Beratung können wir somit Hürden abbauen.

Beratung als Kernelement

Die Schaffung einer Blühfläche mit Qualität braucht Geduld und vor allem auch Wissen und Erfahrung. Deshalb kommt der Beratung im Blüflächenengagement eine zentrale Bedeutung zu. Die Beratung geschieht bei grösseren Flächen und Aufwertungen vor Ort oder sonst auch online per Teams, Telefon oder E-Mail. Das Angebot stösst auf reges Interesse. So durften wir insgesamt 34 Beratungen vor Ort, zwei Webinare mit über 100 Teilnehmenden und 8 Vorträge durchführen.

Der grösste Anteil der Beratungen entfällt dabei auf Einzelberatungen auf Landwirtschaftsbetrieben, gefolgt von Gruppenberatungen im Siedlungsraum, bei denen zum Beispiel oft Werkhofmitarbeitende, Gemein­de­präsi­dent-/innen, Schulleiter-/innen und Gärtner-/innen gemeinsam dabei sind, um die Flächen mit blühendem Potenzial zu begehen und Massnahen zu diskutieren. Ein kleinerer Anteil kommt Gruppenberatungen in der Landwirtschaft und Einzelberatungen im Siedlungsraum zu. Dass sich dieses Vorgehen mit etwas mehr Aufwand bewährt und sehr geschätzt wird, zeigen uns die Rückmeldungen der beratenen Personen und die blühenden Flächen: «Finde euer Angebot unheimlich toll und das Vorgehen unkompliziert, wertschätzend, bereichernd. Danke!» (Landwirt 2023).

Aufgrund der grossen Nachfrage und um unser Beratungsengagement für die Bienen in diesem Bereich skalieren und noch eine grössere Wirkung für Bienen erzielen zu können, haben wir im Sommer des letzten Jahres gemeinsam mit der HAFL und mitfinanziert vom Bundesamt für Landwirtschaft ein Beratungsprojekt zur Förderung blühender Flächen für bestäubende Insekten in der Landwirtschaft lanciert.

Gemeinsam anpacken und Brücken bauen

Dieses Motto kann als Leitsatz des Blüh­flächenengagements verstanden werden. So wurden 2023 mit dem Blühflächenengagement Flächen im Siedlungsraum und auf Landwirtschaftsland aufgewertet, Imker/-innen halfen Landwirten und Landwirtinnen beim Pflegen ihrer Buntbrachen und Schulklassen packten an, um vielfältige Nistgelegenheiten für Wildbienen zu schaffen. Ein Imker und Landwirt berichtete: «Heute Vormittag waren wir total fünf Personen, welche die Buntbrache durchkämmten und jäteten. Wir trugen sackweise Blacken (Rumex) und Disteln heraus. Einige Neophyten (Berufskraut Erigeron annuus) war auch dabei. Es hat mir sehr geholfen!» (Imker und Landwirt 2023).

Es wird nicht nur gemeinsam geschaufelt und gesägt, sondern es werden auch Ideen entwickelt und geplant. Im Rahmen des Blühflächenengagements dürfen wir auf zahlreiche Partnerschaften unterschiedlichster Art zählen. Eine gemeinsame Vision öffnet Türen für die Zusammenarbeit und bringt uns weiter. Um nur ein Beispiel zu nennen, können wir gemeinsam mit IP-Suisse nicht nur auf mehreren Betrieben Sandlinsen für die vor allem gefährdeten bodennistenden Wildbienen, sondern auch Nützlingsstreifen in IP-Suisse Zuckerrübenfeldern anlegen. Bienenfreundlicher Zucker – nicht zuletzt für Ihre Bienen – wird gefördert und vermarktet.

Eine Gymiklasse beim Bau der grossen Sandlinse auf dem Vuebelle gemeinsam mit der Organisation «beenbee».
Eine Gymiklasse beim Bau der grossen Sandlinse auf dem Vuebelle gemeinsam mit der Organisation «bee’n’bee».
Ruderalfläche mit Totholzzäunen, Sandlinsen, Totholzelementen und markhaltigen Stängeln auf dem Hof Gabris.
Ruderalfläche mit Totholzzäunen, Sandlinsen, Totholzelementen und markhaltigen Stängeln auf dem Hof Gabris.

Wie geht es weiter?

Das waren nur ein paar ausgewählte Highlights aus dem letzten Blühflächenjahr. Nun laufen die Planungen und Umsetzungen fürs Blühflächenjahr 2024 schon wieder auf Hochtouren. Es stehen bereits über 500 000 Quadratmeter Blühflächen zur Verfügung, welche dieses Jahr angelegt werden. Auch wird noch ein stärkerer Fokus auf mehrjährige Blühflächen und innovative Elemente aus der Praxis wie zum Beispiel blühende Nischenkulturen wie Hülsenfrüchte gelegt und der Beitrag für einjährige Nützlingsstreifen halbiert.

Aufseiten der Beratung haben wir zusätzlich zu den regulären Beratungen einen grossen Weiterbildungstag für Imker-/innen und Landwirt-/innen, Feldbegehungen, diverse Messeauftritte, Vorträge und eine Kommunikationskampagne geplant. Mit der Kampagne soll das Blühflächenengagement einem breiten Publikum bekannt gemacht und so die Spendeneinnahmen erhöht werden.

Wir blicken mit Freude und Dankbarkeit auf das letzte Blühflächenjahr zurück und sind gespannt, was wir auch dieses Jahr gemeinsam für die Bienen ins Rollen bringen.

Das Blühflächenjahr in Zahlen

  • 146 Flächen
  • 34 Beratungen vor Ort
  • 8 Vorträge
  • 4 Arbeitseinsätze
  • 2 Webinare
  • 12 Kantone
  • 69 Landwirtschaftsbetriebe
  • 8 Gemeinden/Schulen
  • 7 Unternehmen
  • 6 Organisationen/Vereine
  • 22 Private

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