Der erste Eindruck zählt – Teil 2

11/25 | Wissenschaft und Praxis
Sarah Grossenbacher, Redaktion Schweizerische Bienen-Zeitung, (sarah.grossenbacher@bienenschweiz.ch)


Wie in der September-Ausgabe beschrieben, führen viele Wege zur passenden Etikette. Entscheidend ist, dass sie den Charakter des Honigs und der Imkerei unterstreicht.

Digitale Werkzeuge für Einsteiger/-innen

Wer ohne Vorkenntnisse eine Etikette gestalten möchte, findet in Canva (www.canva.com) ein einfaches Werkzeug. Mit Vorlagen und intuitiven Funktionen lassen sich Etiketten direkt im Browser entwerfen und als druckfertiges PDF exportieren. Wenn Sie mit den A4-Blankobögen aus dem Bienen­-Schweiz-Shop arbeiten, können Sie die passende Vorlage mit den Etikettenrändern direkt im Shop herunterladen und in Canva als unterste Ebene platzieren. Vor dem Druck wird diese Hilfsebene einfach wieder ausgeblendet oder gelöscht. Für Fortgeschrittene eignen sich Programme wie Adobe InDesign oder Illustrator, die mehr gestalterische Freiheit bieten.

Kreativ mit Zeichentools

Wer seinem Honig eine persönliche Handschrift geben möchte, kann digital eigene Motive zeichnen. Mit Apps wie Adobe Fresco oder Procreate entstehen auf dem Tablet rasch stimmige Illustrationen, die Sie in die Etikette einfügen können.

Für Einsteiger/-innen bietet Canva eine einfach Möglichkeit, gestalterisch tätig zu werden.
Für Einsteiger/-innen bietet Canva eine einfach Möglichkeit, gestalterisch tätig zu werden.

Nachgefragt: Der Weg zur eigenen Etikette

Lokal und individuell ist im Trend. So gibt es mehr und mehr Imker/-innen, die eine selbstgestaltete Etikette verwenden. Wir stellen Ihnen hier fünf Imker/-innen vor, die sich für diesen Weg entschieden haben.

Etiketten, die eine Geschichte erzählen – Andrea Zimmermann

Etiketten, die eine Geschichte erzählen – Andrea Zimmermann

Was war die Idee hinter deiner Etikette?

Als ich mit dem Imkern begann, habe ich mich von den Etiketten einer Freundin inspirieren lassen, die wunderschöne selbstgemalte Etiketten hatte. Da ich selbst nicht so gut zeichnen kann, aber gerne fotografiere, habe ich mir gedacht, dass ich mit meinen eigenen Fotos Etiketten gestalten könnte.

Wie hast du dies umgesetzt?

Die Serie für die erste Honigernte habe ich noch selbst gestaltet und auf gewöhnlichen Klebeetiketten ausgedruckt. Eine Kollegin aus dem Imkerverein, die Polygrafin ist, hat mir dann angeboten, mir bei der Gestaltung zu helfen. Sie hat jetzt schon das zweite Jahr für mich Etiketten gestaltet. Die Idee ist, dass die Honigetikette eine Geschichte erzählt. Ich weiss natürlich nicht, welche Bienen aus welchem Volk – und ob es überhaupt meine eigenen Bienen sind -, diese Blüte besuchen. Aber das Bild passt immer zum Honig und zum Volk, dem Bienenstand oder der Jahreszeit, in der der Honig geschleudert wurde. Die Etiketten werden in einer Druckerei gedruckt und ausgestanzt, da sie ein besonderes Format haben.

Was gefällt dir besonders gut daran?

Mir gefällt besonders, dass die Farbtöne der Fotos in der Schrift und im Hintergrund aufgenommen werden. Die Etikette wirkt so viel harmonischer, als wenn der Hintergrund weiss und die Schrift schwarz wären. Ich finde es schön, dass meine Fotos verwendet werden. Der Honig im Glas wird so viel persönlicher und ich kann beim Fotografieren und der Auswahl der Fotos Kreativität in mein Hobby hineinbringen.

Wie waren die Rückmeldungen aus der Kundschaft?

Ich bekomme sehr viele sehr positive Rückmeldungen. Die Kund/-innen sagen mir oft, dass sie die Etiketten sehr liebevoll gestaltet finden und sie ihnen sehr gut gefallen.

Der Ort war das Ziel – Ursina Fausch und Klaus Müller

Der Ort war das Ziel – Ursina Fausch und Klaus Müller

Was war die Idee hinter eurer Etikette?

Nachdem wir für den «Honig von Daheim» mit dem «Langstrassenhonig» eine naheliegende Adresse im Stadtquartier gefunden hatten, war klar, dass eine Standardetikette unseren Honig nicht repräsentieren kann. Es musste eine grafische Darstellung gefunden werden, die intuitiv den Inhalt des Glases und zugleich den Standort unserer Bienen ablesbar macht.

Wie habt ihr dies umgesetzt?

Ein Profi hat geholfen, das Erschein­ungsbild zu visualisieren. Der befreundete Grafiker, im selben Stadtquartier tätig wie unsere Bienen, hat die Aufgabe gelöst.

Was gefällt euch besonders gut daran?

Grafik, Farbe und Schrift transportieren die Nachricht. Wabe und Gelb als Farbton sind klare Assoziationen für das Produkt Honig im Glas. Das kräftige, sperrige Erscheinungsbild mit der grossen, fetten Schrift lässt den spröden, selbstbewussten Standort erkennen. Die Darstellung ist einfach, kräftig und selbsterklärend und hat einen hohen Wiedererkennungswert.

Wie waren die Rückmeldungen aus der Kundschaft?

Von unserer Kundschaft wird der «Langstrassenhonig» mit dem Lokalkolorit aus dem Zürcher «Chreis Cheib» gerne mit einem Augenzwinkern als Geschenk genutzt. Mittlerweile brauchen wir das Etikett auch für unsere Bienen auf Wanderschaft. Der «Langstrassenhonig» wird hier zur Marke im Hintergrund. Mit dem Überdruck vermittelt die Etikette zum jeweiligen geografischen Standort der Bienen, zum Ort im Glas.

Wie hoch sind die Kosten?

Die Umsetzung auf A4-Druckbögen ist praktisch, um die technischen Deklarationen und eben einen Überdruck aufbringen zu können. Mit einem Stückpreis von 20 Rappen pro Etikette ist es nicht preisgünstig, aber das selbstklebende Papier ist haptisch angenehm und lässt sich auch gut wieder ablösen.

Goldener Honigtropf und EAN-Code – Sven Kraft

Goldener Honigtropf und EAN-Code – Sven Kraft

Was war die Idee hinter deiner /eurer Etikette? Was hat euch inspiriert?

In erster Linie waren uns die Etiketten von BienenSchweiz zu langweilig. Es gibt zwei, die sehen soweit ganz gut aus, jedoch haben recht viele Imker die gleichen Etiketten, das hat uns doch sehr gestört. Vor allem aber möchte ich mich gerne von der Masse abheben. Dann kommt noch unser Nachname ins Spiel, er eignet sich recht gut für Wortspiele. Es war erst nicht einfach, sich gegen den Lebensmittel-Inspektor durchzusetzen, letztendlich hat er dann aber doch zugestimmt. So wurden, über Monate, drei Entwürfe fertig gestellt, die durch den gesamten Familienrat mussten.

Wie hast du dies umgesetzt?

Ein Freund von mir ist Grafiker und er hat uns dabei unterstützt. Mittlerweile wurde das Etikettenlogo auf viele andere Verpackungsmaterialien übertragen. So haben wir von Papiertüten über Seidenpapier und Paketkle­beband ein einheitliches Auftreten.

Was gefällt dir besonders gut daran?

Unsere Etikette ist recht schlicht und doch aussagekräftig. Die Prägung des goldenen Honigtropfens ist gut gelungen. Auch der EAN-Code auf der Etikette ist etwas Besonderes. So können Wiederverkäufer den Honig in ihr Kassensystem einpflegen.

Wie waren die Rückmeldungen aus der Kundschaft?

Die Kundschaft ist hellauf begeistert von den Etiketten und wir werden jedes Mal darauf angesprochen. Auch das gesamte Auftreten der Imkerei Kraft begeistert. Der sich ändernde Geschmack vom Honig, Jahr für Jahr, wird lobend erwähnt und dann kommt generell das Gesamtpaket überall sehr gut an.

Wie hoch waren die Kosten?

Für eine kleine Honigmanufaktur wie wir es sind, eigentlich viel zu hoch. Jedoch lohnt es sich am Ende. Ein Wiedererkennungswert ist garantiert. Wir würden es wieder so angehen und unsere eigene Marke entwickeln.

Eine einheitliche Sprache und Gestaltung – Markus Fankhauser

Eine einheitliche Sprache und Gestaltung – Markus Fankhauser

Was war die Idee hinter deiner Etikette?

Als Jungimker vor 15 Jahren nutzte ich wie wohl die meisten die Standardetiketten. Nach drei Jahren durfte ich das Bienenhaus von meiner Bienengotte übernehmen und baute es mit meinem Vater in vielen Stunden um. Zwei Jahre später kam ein zweites sanierungsbedürftiges Bienenhaus dazu. Mit dem Umbau dieses Bienenhauses und der Neuorganisation der Imkerei reifte dann der Wunsch, die Etikette und damit unseren am besten sichtbaren Auftritt neu zu gestalten und zu individualisieren. Die Idee und Motivation war aber nicht «nur» eine Etikette zu generieren, sondern auch gleichzeitig eine Homepage zu entwickeln und damit unsere Sichtbarkeit zu erhöhen. Diese beiden Kommunikationsmittel sollten aufeinander abgestimmt sein und unsere Imkerei, unsere Werte und unser Produkt in einer einheitlichen «Sprache und Gestaltung» kommunizieren.

Wie hast du dies umgesetzt?

Das hochwertige, mit viel Sorgfalt produzierte Produkt Honig sollte wertig und als regional erkennbar sein – mit einer einprägsamen, langfristigen Designlösung. Entsprechend entwickelten wir Homepage und Etikette parallel – es ging um Kommunikationsdesign, Branddesign und Logo.

Trotz höherem Etikettieraufwand entschieden wir uns gegen eine Bandetikette und für runde Etiketten: vorne das Motiv, hinten Gewichtsangaben, ergänzt durch ein bedrucktes Siegelband. Die Biene wurde zusammen mit der Grafikerin selber entwickelt und gezeichnet. Die Grössen sind auf 250 Gramm- und 500 Gramm-Gläser abgestimmt. Nach dem Eintritt in das Biolabel und dem Ausbau eines Bienenhauses im Jura liess sich das Design farblich und verbal anpassen – mehrere Gläser ergeben ein schönes, farblich abgestimmtes Ganzes.

Wie waren die Rückmeldungen aus der Kundschaft?

Unsere Kundschaft schätzt die Auswahl an Honigen und Etikettenfarben – das führt oft zu Gesprächen über die Unterschiede und über die Imkerei allgemein. So entsteht Nähe, und manchmal wandern aus Gwunder gleich ein oder zwei Gläser mehr in die Tasche. Oft hören wir, der Honig schmecke hervorragend und sei auch optisch ein schönes Ganzes, das man gerne verschenke. Besonders freut die Aarauer Kundschaft, wenn sie erfährt, dass unsere Bienen den Nektar teils aus ihren eigenen Gärten gesammelt haben.

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