Die Asiatische Hornisse in der Schweiz: Entwicklungen im Jahr 2025

05/26 | Wissenschaft und Praxis
Lukas Seehausen, Wissenschaftler, invasive Arten, CABI (l.seehausen@cabi.org), Carine Vogel, Biologin, Verantwortliche für Meldungen auf asiatischehornisse.ch (carine.vogel@frelonasiatique.ch) Julie Manzinalli, Biologin, Pôle invertébrés du bassin genevois (julie.manzinalli@pibg.ch), Fabian Trüb, BienenSchweiz (fabian.trueb@bienenschweiz.ch), Daniel Cherix, Honorarprofessor, Universität Lausanne (daniel.cherix@unil.ch)


Auch 2025 ging die Ausbreitung der Asiatischen Hornisse Vespa velutina rasant weiter. Die betroffenen Gebiete wurden grösser und die Nestdichte ist gestiegen. Die Kantone sind zunehmend gefordert.

Während die Asiatische Hornisse Vespa velutina im Jahr 2025 in einigen Kantonen ihre Ausbreitung nach Süden und Osten fortsetzte, wurden landesweit 3033 Nester offiziell identifiziert. Dies entspricht einer knappen Vervierfachung gegenüber 2024. Die Nestdichte erreichte lokal bis zu 13,6 Nester/km², was eine vollständige Beseitigung der Nester in bestimmten Regionen unmöglich machte. Die Bekämpfung muss sich von einer Strategie der Ausrottung hin zu einem Ansatz einer verhältnismässigen Eindämmung mit langfristiger Priorisierung entwickeln. Der Schwerpunkt sollte auf der Früherkennung von Embryonal- und Primärnestern sowie auf dem Schutz der Bevölkerung und sensibler Ressourcen (Biodiversität, Landwirtschaft, Imkerei) liegen.

Die auf der nationalen Meldeplattform www.asiatischehornisse.ch eingegangenen Meldungen ermöglichen es, ihre Ausbreitung zu dokumentieren und fundierte Entscheidungen für den Umgang mit der Art zu treffen. Wir präsentieren hier eine Zusammenfassung und Analyse der im Jahr 2025 eingegangenen Daten. Zudem geben wir auf wissenschaftlicher Grundlage erarbeitete Empfehlungen für die Priorisierung bei der Beseitigung von Nestern.

Bilanz der Meldeplattform

Im Jahr 2025 verzeichnete die Meldeplattform insgesamt 18 560 Meldungen. Aus allen Kantonen der Schweiz sowie aus dem Fürstentum Liechtenstein wurden auf dieser Plattform Beobachtungen entgegengenommen und geprüft. Die Verteilung nach Kantonen ist in Tabelle 1 dargestellt. Die überwiegende Mehrheit der Meldungen stammte aus dem Kanton Waadt (4917), gefolgt von Bern (2458) und Basel-Landschaft (2200). Angesichts der hohen Anzahl von Meldungen im Kanton Genf erfolgte deren Bearbeitung teilweise über eine Spezialsoftware, was die Organisation der Arbeit vor Ort erleichterte.

* Anzahl der vom Kanton Genf gemeldeten und überprüften Nester; #Doppelte Einträge wurden nicht in allen Gemeinden des Kantons Waadt überprüft; ‡Die Nestdichte wurde auf der Grundlage der kantonalen Fläche ohne Seen berechnet; dabei ist zu beachten, dass nicht berücksichtigt wurde, dass noch weitere Gebiete für das Vorkommen von Vespa velutina ungeeignet sein könnten.
* Anzahl der vom Kanton Genf gemeldeten und überprüften Nester; #Doppelte Einträge wurden nicht in allen Gemeinden des Kantons Waadt überprüft; ‡Die Nestdichte wurde auf der Grundlage der kantonalen Fläche ohne Seen berechnet; dabei ist zu beachten, dass nicht berücksichtigt wurde, dass noch weitere Gebiete für das Vorkommen von Vespa velutina ungeeignet sein könnten.

Von allen auf der nationalen Plattform eingegangenen Meldungen konnten 80% mit Sicherheit als Vespa velutina identifiziert werden. Gegenüber dem Vorjahr (73%) bedeutet dies einen leichten Anstieg an richtig erkannten Hornissen, was den guten Informationsstand der Bevölkerung widerspiegelt. Es lassen sich Unterschiede in den Positivraten zwischen den Kantonen feststellen: Diese sind in der Regel tiefer in Kantonen, in denen die Hornisse noch nicht oder erst vor Kurzem angekommen ist. Zudem wurde mit fortschreitender Saison ein Anstieg der positiven Meldungen beobachtet, was sich hauptsächlich durch die Dominanz der Asiatischen Hornisse gegenüber anderen Wespenarten gegen Saisonende erklären lässt. Möglicherweise zeigt dies aber auch einen Lernprozess bei der Erkennung.

Anzahl gemeldeter Nester

Insgesamt wurden im Jahr 2025 auf der Meldeplattform 2865 Nester gemeldet. Einige davon wurden von den Kantonen als mehrfach gemeldet identifiziert. Obwohl viele der doppelt gemeldeten Nester anhand von Daten und Fotos als Mehrfachmeldung erkannt werden konnten, war dies nicht bei allen möglich. Insbesondere bei Ortungsfehlern von über 100 m wurde eine eindeutige Identifikation als Doppelzählung schwierig. Es ist daher wichtig, bei der Meldung den genauen Standort auf der Karte zu überprüfen. Eine schlechte Internetverbindung oder andere Faktoren können die Genauigkeit der automatischen Geolokalisierung negativ beeinflussen.

Nach Korrektur aller Duplikate und Addierung der direkt in Genf gemeldeten Nester wurden im Jahr 2025 landesweit insgesamt 3033 eindeutig identifizierte Nester gezählt. Das sind fast viermal so viele wie im Jahr 2024. Diese Entwicklung entspricht dem für invasive Arten typischen exponentiellen Anstieg (Abbildung 1). In mehreren Kantonen wurden in den ersten Monaten dieses Jahres einige weitere Nester gemeldet, die der Saison 2025 zugeordnet werden können, aber erst im laufenden Jahr entdeckt wurden. Diese wurden in dieser Studie jedoch nicht berücksichtigt.

Wie aus Tabelle 1 hervorgeht, hat der Kanton Waadt mit 919 Nestern den Kanton Genf mit 716 Nestern überholt. Dies entspricht einem Anstieg der Nestanzahl zwischen 2024 und 2025 um das 4,6-Fache (VD) bzw. das 2,5-Fache (GE), was fast identisch mit der Entwicklung im Vorjahr ist. Beeindruckende Anstiege wurden auch im Kanton Basel-Landschaft und im Aargau verzeichnet, wo 2025 8,8- bzw. 8,3-mal mehr Nester gezählt wurden als in der Saison zuvor. Diese Zahlen beziehen sich nur auf gemeldete Nester. Es ist nicht bekannt, wie viele Nester unentdeckt blieben (z. B. im Wald), und es besteht zurzeit auch keine Möglichkeit, die Dunkelziffer zu schätzen.

Saisonale Entwicklung

Während im Januar und Februar 2025 einige aus dem Vorjahr stammende Sekundärnester gemeldet wurden, wurde das erste Embryonalnest am 30. März im Kanton GE entdeckt. In allen anderen Kantonen wurden die ersten Embryonalnester ab April gesichtet. Wie Abbildung 2 zeigt, stieg die Zahl der monatlich auf der Plattform gemeldeten Nester ab April linear an und erreichte im Oktober einen Höchststand von 739 erfassten Nestern. Oft macht der Fall des Laubes im Herbst die Sekundärnester in den Bäumen erst sichtbar, was den plötzlichen Anstieg von Meldungen im Oktober und November erklärt. Fast die Hälfte (48%) aller Nester im Jahr 2025 wurde zwischen Oktober und Dezember gefunden. Das Problem bei deren späten Entdeckung und Zerstörung liegt in der Wahrscheinlichkeit, dass ein bedeutender Teil der Jungköniginnen bereits ausgeflogen ist.

Wie die Untersuchung von über 200 im Jahr 2025 zerstörten Nestern gezeigt hat, wurde das erste Nest mit Jungköniginnen am 20. September im Kanton VD entdeckt. Je nach Jahr und Wetterbedingungen können sich Nester jedoch auch schon früher in der Saison entwickeln. Da einige Nester offensichtlich mehr als 550 Jungköniginnen hervorgebracht haben (NE, 12. Oktober 2025), wird verständlich, dass bereits wenige unentdeckte Nester ausreichen, um zu dem beobachteten exponentiellen Populationswachstum beizutragen.

Nestdichte

Unter Berücksichtigung der Fläche der Kantone wurde die höchste Nestdichte in den Kantonen Genf (2,9 Nester/km²) und Basel-Stadt (2,7 Nester/km²) erhoben. Die Analyse der Nestdichte nach Gemeinden zeigt jedoch, dass diese lokal deutlich höher sein kann. Von den 20 Gemeinden mit den höchsten Nestdichten lagen 12 im Kanton Genf und 8 im Kanton Waadt. Mit 13,6 Nestern/km² wurden die höchsten Nestdichten in der Gemeinde Paudex (VD) beobachtet. Zudem wurden in Lancy (GE) 10,3 Nester/km² und in Rolle (VD) 9,9 Nester/km² gezählt. Auf dem gesamten Schweizer Staatsgebiet wurden 0,08 Nester pro km² gezählt. Ein grosser Teil der Alpen ist jedoch für die Asiatische Hornisse nicht bewohnbar, was in dieser Berechnung nicht berücksichtigt wurde. Die Analyse der Höhenlage, in der Nester im Jahr 2025 in der Schweiz gefunden wurden, ergab, dass sich nur 0,4% über 1100 m Höhe befanden und keines über 1173 m (ein im Oktober in La Chaux-du-Milieu, NE, gefundenes Sekundärnest). Laut MeteoSchweiz entspricht dies einer Höhe, in der Hitzetage selten sind und der Boden von Oktober bis April schneebedeckt ist. Somit scheinen Gebiete oberhalb von 1200 m Höhe unter den aktuellen klimatischen Bedingungen für die Vespa velutina ungeeignet.

Entwicklung der Ausbreitung

Die beiden Karten in Abbildung 3 zeigen die Situation im Jahr 2025 der eindeutig identifizierten Meldungen der Vespa velutina in der Schweiz. Im Vergleich zur Verbreitung im Jahr 2024 ist eine Ausbreitung nach Süden und Osten erkennbar, insbesondere in den Kantonen Freiburg, Wallis, Bern, Luzern und Zürich. Bemerkenswert ist die jüngste Invasion im Rhonetal und damit die ersten Beobachtungen von Hornissen im südlichen Teil der Alpen. Der Unterschied zwischen der Anzahl gemeldeter Einzeltiere und der Anzahl gemeldeter Nester zeigt, dass nicht alle Nester entdeckt und beseitigt werden. Diese können im Folgejahr neue Nester hervorbringen.

Überlegungen zur Priorisierung von Nestern bei der Vernichtung

Angesichts der zunehmenden Ausbreitung der Asiatischen Hornisse in der Schweiz sind viele Kantone nicht mehr in der Lage, alle Nester zu beseitigen. Daher wird es notwendig werden, Nester für die Entfernung zu priorisieren. Die Theorie der Invasionskurve (Abbildung 4) kann dabei als Entscheidungshilfe für die Anwendung unterschiedlicher Strategien bei einer fortschreitenden Invasion dienen.

Prävention: In noch nicht besiedelten Gebieten sollte die Aufklärung der Öffentlichkeit im Vordergrund stehen. Frühzeitige Erkennung und Eliminierung müssen gefördert und ineffiziente und schädliche Massnahmen verhindert werden.

Tilgung: In neu besiedelten Gebieten sollte versucht werden, möglichst alle Nester so früh wie möglich zu lokalisieren und zu zerstören. Dies stoppt die Art nicht dauerhaft, verlangsamt aber ihre Ausbreitung und verschafft Zeit für die Vorbereitung auf eine langfristige Koexistenz.

Eindämmung:Mit zunehmender Nestdichte steigen der Aufwand und die Kosten für Bekämpfungsmassnahmen exponentiell an. Auch wenn es nicht mehr immer möglichist, alle Nester zu beseitigen, verringert die konsequente und systematische Beseitigung möglichst vieler Nester – insbesondere von Embryonal-, Primär- und frühen Sekundärnestern – die Entwicklung von Jungköniginnen und begrenzt die Ausbreitung. Gleichzeitig sollte mit der Planung der nächsten Priorisierungsphasen begonnen werden.

Ressourcenschutz und langfristiges Management: Dort, wo die Populationsdichte hoch ist und sich auf einem hohen Niveau stabilisiert hat, ist die vollständige Zerstörung aller Nester nicht mehr möglich. Bei der Bekämpfung muss priorisiert werden. Zu diesem Zweck müssen Kosten-Nutzen-Analysen durchgeführt werden, bei denen folgende Faktoren zu berücksichtigen sind: der Schutz der menschlichen Bevölkerung, der Schutz sensibler Ressourcen (Bienen, Biodiversität, Landwirtschaft) sowie der Aufwand, die Risiken und die Kosten der Bekämpfung.

In dieser letzten Phase ist die Mithilfe der Öffentlichkeit bei der Erkennung und Meldung von Embryonal- und Primärnestern im Frühjahr und Frühsommer noch entscheidender als in den vorangegangenen Phasen. Durch eine frühzeitige Erkennung lässt sich die Nestdichte im Sommer mit gemindertem Aufwand reduzieren. In sensiblen Gebieten und als Sofortmassnahme werden punktuell Eingriffe empfohlen, um kurzfristig Schäden an den oben genannten Ressourcen zu minimieren. Langfristig ist jedoch die Koexistenz mit der Asiatischen Hornisse die einzige tragfähige Option; für Imker:innen bedeutet dies insbesondere, die Bienenvölker durch empfohlene Massnahmen vor Angriffen zu schützen und starke, gesunde und gut versorgte Bienenvölker zu halten. (Siehe Merkblatt: Erfolgreich imkern trotz Vespa velutina unter bienen.ch/velutina)

Danksagung

Wir möchten allen Personen danken, die via die Meldeplattform Beobachtungen gemeldet und damit zu fundierten Entscheidungen bezüglich des Umgangs mit der Asiatischen Hornisse beigetragen haben. Unser Dank gilt auch den kantonalen Behörden und ihren Mitarbeitenden für die Datenverarbeitung und ihre Unterstützung bei der Identifizierung von mehrfach gemeldeten Nestern. Wir danken dem Bundesamt für Umwelt für die finanzielle Unterstützung sowie Patrick Vogel, Steve Beyeler, dem Institut für Medieningenieurwesen der HEIG-VD und info fauna für die praktische Unterstützung.

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