Ein kompletter Verzicht auf Varroabehandlungen hätte grosse Verluste oder gar Totalausfälle zur Folge. Wer jedoch konsequent zweimal behandelt, greift bei wenig belasteten Völkern zu Massnahmen, die oft unnötig sind. Hier wird ein Mittelweg aufgezeigt.
Das Varroa-Konzept des BGD sieht für die Bekämpfung der Varroa zwei Sommerbehandlungen vor. Die Gefahr einer Rückinvasion oder mangelhaft wirkenden ersten Behandlung wird mit der zweiten abgefangen. Wird das Varroa-Behandlungskonzept befolgt, können Verluste erwiesenermassen minimiert werden.
Gewisse Imker:innen möchten aber die Anzahl Behandlungen reduzieren. Würden diese ohne weitere Massnahmen einfach weggelassen, drohen hohe Völkerverluste. Für alle, die ihre Bienen nur dann behandeln möchten, wenn es wirklich nötig ist, empfehlen das Zentrum für Bienenforschung (ZBF) und der Bienengesundheitsdienst (BGD) neu einen alternativen Weg: Anhand des ermittelten Milbenfalls (Merkblatt 1. 5. 1. Natürlichen Milbenfall messen) wird bei jedem einzelnen Volk über die Durchführung einer Behandlung entschieden.
Das ZBF hat in den letzten vier Jahren zu diesem Thema geforscht. Ziel dieses Praxistests war es, ein Verfahren zu entwickeln, mit dem die Anzahl der Sommerbehandlungen ohne Gefahr erhöhter Völkerverluste reduziert werden kann. Imker:innen müssen bereit sein, etwas mehr Zeit für Auszählungen und ein individuelles Vorgehen zu investieren, weshalb sich dieser Ansatz in erster Linie für Imkereien mit kleinem oder mittlerem Bestand eignet. Erfahrungen im Erheben des natürlichen Milbenfalls sind Voraussetzung (siehe dazu SBZ 03/26).

In der Praxis getestete Methode
Der neue Ansatz wurde während vier Jahren getestet. 2021 wurden die Rahmenbedingungen erarbeitet und die Interventionsschwellen festgelegt. Die Jahre 2022/23 dienten der wissenschaftlichen Bewertung der Methode. Auszählungen des natürlichen Milbenfalls und Eingriffe mussten innerhalb klar definierter Zeiträume durchgeführt werden. Bienenvölker, bei denen der Schwellenwert überschritten wurde, mussten in der Folgewoche behandelt werden. Die Werte für Juli wurden auf 5 und für August und September auf 2 Milben pro Tag festgelegt (Abb. 1).