Winterbehandlung – Bienenprodukte vermarkten – Stände kontrollieren

12/22 | Arbeitskalender
Niels Michel, Humlikon (niels.michel@carnica.ch)

 

Das Kalenderjahr neigt sich dem Ende zu und damit auch mein Engagement als Autor des Monatskalenders dieser Zeitung. Um durchwegs positive Erfahrungen bereichert, verabschiede ich mich. An den Bienenständen steht die Winterbehandlung der Völker mit Oxalsäure an. Nach starken Schneefällen sind dort Kontrollgänge angesagt. In der Adventszeit läuft die Vermarktung von Bienenprodukten auf Hochtouren.

Gemäss Klimanormwerten von MeteoSchweiz für die Periode von 1990–2021 ist im Zürcher Weinland im Dezember mit einer Durchschnittstemperatur von 1,5 °C und einer Niederschlagsmenge von 86 mm zu rechnen. Gemäss dem langjährigen Durchschnitt sind 5,1 Eistage (Tage mit Temperaturen von durchgehend unter 0 °C) und 18 Frosttage (Tage mit einem Temperaturminimum unter dem Gefrierpunkt) zu erwarten. Die trüben und vor allem nebligen Tage, gemäss MeteoSchweiz sind es durchschnittlich 23,0 trübe Tage, überwiegen die heiteren (1,6 Tage) wie bereits im Vormonat um ein Vielfaches. Gerade mal 33 Sonnenstunden stehen in Aussicht. Nach der Wintersonnenwende am 21. Dezember werden die Tage wieder länger und die Nächte kürzer.

Trachtsituation im Dezember

Die Christrose (Helleborus niger; N 2 / P3) zeigt schon zur Weihnachtszeit die ersten Blüten. Der Gattungsname Helleborus, welcher sich aus dem Griechischen «helein», was töten bedeutet, und «bora» für Speise zusammensetzt, ist ein Hinweis auf die Giftigkeit der Pflanze. Sämtliche Teile, insbesondere aber der Wurzelstock, der Christrose sind stark giftig (Foto: Creative Commons).

Es ist wohl etwas verwegen, von einer Trachtlage zu sprechen, wenn die Laubbäume kahl, die Äcker und Wiesen häufig von einer Schnee- oder Nebelschicht bedeckt sind. Dennoch gibt es eine Pflanze, die in der Weihnachtszeit ihre ersten Blüten öffnet und Bienen magisch anzieht, wenn wider Erwarten doch einmal Flugwetter herrscht. Es handelt sich um die Christrose (Helleborus niger), auch Schwarze Nieswurz oder Schneerose genannt. Ihr natürliches Vorkommen liegt in den östlichen Kalkalpen Europas (Österreich, Slowenien und Italien). In der Schweiz ist sie im südlichen Tessin anzutreffen. Als Topfpflanze ziert sie in diesem Monat nicht nur die Auslagen zahlreicher Blumengeschäfte, sondern blüht auch im Eingangsbereich zu unserem Haus. Für Imkerinnen und Imker nicht uninteressant: Nach einem alten volkstümlichen Brauch wird die Christrose als Orakelblume in der Weihnacht vom 24. auf den 25. Dezember verwendet. Zwölf Knospen werden abgeschnitten und ins Wasser gestellt. Jede Knospe steht für einen Monat des kommenden Jahres. Öffnen sich die Knospen über Nacht, so werden die entsprechenden Monate gutes Wetter für die Landwirtschaft bieten. Bleiben sie geschlossen, muss man mit schlechtem Wetter rechnen.

Arbeiten an und neben dem Bienenstand

In der ersten Monatshälfte steht an meinen Bienenständen in der Regel die Winterbehandlung mit Oxalsäure an. Es ist der letzte Eingriff, den ich an meinen Bienenvölkern bis zur Auswinterung im März des folgenden Jahres vornehme. Daneben läuft die Vermarktung der Bienenprodukte auf Hochtouren. In keinem anderen Monat verkaufe ich mehr Honig als im Dezember. Kontrollgänge an den Bienenständen sind je nach Wettersituation angezeigt.

Marktstand am Klausmarkt in Winterthur

Alljährlich am ersten Donnerstag im Dezember verwandelt sich die Winterthurer Innenstadt in eine von adventlichem Zauber geprägte Marktstadt: Es ist Klausmarkt. Das Angebot an den zahlreichen Ständen reicht von Anisbrötli bis zu Zipfelmützen. Wie bereits Anfang November am Martinimarkt betreibe ich von 09.00–21.00 Uhr am selben Standplatz in der Steinberggasse zusammen mit meiner Frau einen Marktstand. Von den drei Marktveranstaltungen, die ich über das Jahr verteilt besuche,ist mir der Klausmarkt die liebste. Der Markt wird sehr gut besucht. Dennoch herrscht an diesem Tag trotz hohem Personenaufkommen eine ruhige und besinnliche Atmosphäre.

Winterbehandlung der Völker durchführen

Die Winterbehandlung meiner Völker führe ich mit der sogenannten Träufelbehandlung mit 3,5 %iger Oxalsäure durch. Für mich als Magazinimker ist diese Methode der Restentmilbung besonders einfach und effizient anzuwenden. Um den Erfolg der Behandlung sicherzustellen, achte ich auf nachfolgende Punkte:

Brutfreiheit der Völker: Die Oxalsäure ist ein Kontaktgift und wirkt nur auf diejenigen Milben, welche auf den Bienen sitzen. Milben in der Brut bleiben verschont. Deshalb müssen die Völker beim Behandlungszeitpunkt brutfrei sein. Brutfrei sind die Völker in der Regel frühestens drei Wochen nach dem ersten Frosttag. Bei Unsicherheit kann ein kurzer Kontrollblick ins Brutnest nach dem Öffnen der Beute Klarheit schaffen. Mein Tipp lautet: Machen Sie das unbedingt, um sicherzugehen, dass Sie einen optimalen Zeitpunkt für die Behandlung erwischen.

Aussentemperatur: Die Aussentemperatur zum Zeitpunkt der Behandlung sollte idealerweise zwischen 0 bis 5 °C betragen. So ist sichergestellt, dass die Bienen eng in ihrer Wintertraube sitzen, die geträufelte Oxalsäure optimal verteilt wird und so ihre Wirkung entfalten kann. Aus diesem Grund führe ich die Träufelbehandlung jeweils in den kühleren Morgen- respektive Vormittagsstunden durch.

• Aufbereitung und Dosierung der Oxalsäure: Ich verwende eine 1000 g-Flasche Oxuvar 5,7 %, welche ich 1:1 mit einem Kilogramm Kristallzucker mische. Das ergibt eine 3,5 %-ige Oxalsäure-Dihydrat- Lösung, welche mir für die Behandlung sämtlicher Völker ausreicht. Bevor ich die Lösung mit dem Zucker mische, erwärme ich sie in einem Wasserbad auf circa 30 Grad. Für den Transport zu den Bienenständen benutze ich eine Wärmebox, damit die Flüssigkeit in der Flasche nicht zu sehr abkühlt. Die Dosierung passe ich der Volksstärke an. Als Faustregel gilt: Schwachen Völkern mit einem Bienensitz auf weniger als einer ganzen Zarge träufle ich 30 ml Oxalsäure in die besetzten Wabengassen. Bei mittleren Völkern verwende ich 40 ml und bei starken Völkern über zwei Zargen 50 ml Oxalsäure. Übrigens: Die Beigabe von Zucker bewirkt, dass die geträufelte Oxalsäure länger flüssig bleibt und so von den Bienen über einen längeren Zeitraum verteilt wird. Die gesüsste Flüssigkeit wird von den Bienen nicht oral aufgenommen

• Einmalige Anwendung: Die Träufelbehandlung mit Oxalsäure führe ich nur ein einziges Mal durch. Achtung: Oxalsäure wirkt ätzend. Deshalb sind Haut und Augen im Umgang mit der Säure zu schützen. Die Verwendung von säurefesten Handschuhen und das Tragen einer Schutzbrille sind daher ein Muss. Nach der Behandlung wasche ich die verwendeten Geräte mit Wasser und Seife ab.Alternativen zur beschriebenen Träufelbehandlung sind die Sprühbehandlung mit 5,7 %-iger und mit Trinkwasser verdünnter Oxalsäure sowie, in Imkerkreisen immer beliebter, verschiedene Anwendungen des Verdampfens von Oxalsäure mit den dazu vorgesehenen Gerätschaften und Rezepturen. Für alle Anwendungen sind die entsprechenden Gebrauchsanleitungen und die Merkblätter des Bienengesundheitsdienstes zu beachten.

Die oberste Futterzarge ist für die Winterbehandlung abgenommen und beiseitegestellt. Das Bienenvolk sitzt eng in einer Wintertraube. So soll es zum Zeitpunkt der Winterbehandlung sein.
ist ein Hinweis auf die Giftigkeit der Pflanze. Sämtliche Teile
Auf einem Thermobild kommt die Wintertraube mit ihren Heizerbienen noch deutlicher zum Ausdruck.
Neben der persönlichen Schutzausrüstung die wichtigsten Utensilien für die Winterbehandlung: Wärmebox, mit Zucker versetzte 3,5%ige Oxalsäure-Dihydrat-Lösung, Stockmeissel und eine Einwegspritze mit 60 ml Inhalt.

Reinigungsflüge sind möglich

Herrscht Sonnenschein und steigen die Temperaturen in den zweistelligen Bereich, sind bereits erste Reinigungsflüge möglich. Die Bienen verlassen ihren Stock, um ihre Kotblase zu entleeren. Der Reinigungsflug dient den Bienen nicht nur zur Entlastung des Bienendarms, sondern trägt auch zur Reinhaltung des gesamten Bienenstocks bei. In einem gesunden Volk koten die Bienen nur ausserhalb des Stocks. Das gehört zum angeborenen Hygieneverhalten von Honigbienen und beugt der Verbreitung von Krankheiten im Volk vor. Der Reinigungsflug ist für die Bienen indes nicht ungefährlich: Weht starker und kalter Wind, kommen sie gegebenenfalls nicht rechtzeitig zurück und erfrieren. Auch lichtreflektierender Schnee kann ihre Orientierung derart stören, dass sie nicht zurückfinden. Durch Schnee vor dem Flugloch können zurückkehrende Bienen beim Landen verklammen und erfrieren.

Scheint die Sonne auf den Beuteneingang und bewegt sich die Aussentemperatur im zweistelligen Bereich, sind erste Reinigungsflüge möglich.

Bedarfsorientierte Kontrollgänge

welcher sich aus dem Griechischen «helein»
Kontrolle auf meinem Bienenstand verbinde ich oft mit einem Waldspaziergang oder einer kleinen Wanderung durch die Winterlandschaft im Zürcher Weinland.

Nach starkem Schneefall oder auch bei einer möglichen Vereisung der Beuteneingänge mache ich einen Kontrollgang auf meinen Bienenständen. Dabei befreie ich die Beuteneingänge von Schnee und/oder Eis, damit die Luft wieder frei zirkulieren kann. Auch tote Bienen, die den Beuteneingang versperren, entferne ich. Ein prüfender Blick auf allfällige Kotspritzer und den Totenfall vor den Beuten geben wichtige Hinweise auf den Überwinterungszustand der Völker. Glücklicherweise haben sich noch nie Spechte an meinen Beuten zu schaffen gemacht; deshalb verzichte ich bislang auf Schutzmassnahmen wie das Spannen von Netzen über meine Beuten.

Zum Abschied ein weinendes und ein lachendes Auge

Als Autor des diesjährigen Arbeitskalenders verabschiede ich mich mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Ich habe den Dialog mit Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, Ihre Anmerkungen und Rückfragen sehr geschätzt und als persönliche Bereicherung empfunden. Die Zusammenarbeit mit dem Redaktionsteam der Schweizerischen Bienen-Zeitung war fantastisch und unkompliziert. Ganz herzlichen Dank für diese rundum positive und bereichernde Erfahrung. Andererseits bin ich aber auch nicht unglücklich, dass mir durch den Wegfall des Verfassens von monatlichen Beiträgen nun wieder mehr Zeit zum Verfolgen anderer Interessen übrigbleibt.

Ich freue mich auf das neue Erscheinungsbild der Schweizerischen Bienen-Zeitung im kommenden Jahr. Auf die Beiträge der neuen Monatsbetrachterin und die Einblicke, welche sie in ihre imkerliche Praxis gewährt, bin ich gespannt. Auf jeden Fall wünsche ich ihr viel Erfolg und ebenso viel Freude beim Erstellen der monatlichen Berichte.

Leserreaktion/Korrigendum: Ungereimtheiten im Arbeitskalender Oktober

Ein aufmerksamer Leser aus dem Kanton Solothurn hat mich auf zwei Ungereimtheiten in meinem Monatskalender-Beitrag in der Oktoberausgabe hingewiesen:

Das von mir verwendete Mäusegitter hat eine Maschenweite von 6,3 mm. Im Imkereifachhandel werden indes auch Mäusegitter mit einer Maschenweite von 8 mm angeboten.

Die erste Ungereimtheit betrifft die Berechnung des Platzbedarfs im Brutraum für einen Brutzyklus in meinem Wabenmass. Hier liegt ein offensichtlicher Fehler vor. Die zweite Ungereimtheit betrifft meine Angabe zur Maschenweite des verwendeten Mäusegitters.

Meine Antwort: In der Tat bietet der Imkereifachhandel Mäusegitter unterschiedlicher Maschenweite an. Es gibt Mäusegitter mit der Maschenweite von 8 mm und Ausführungen mit einer Maschenweite von 6,3 mm. Ich benutze – wie im Arbeitskalender angegeben – Gitter mit einer Maschenweite von 6,3 mm (vergleiche Foto) und bin damit bisher gut gefahren.
Bei der Berechnung des Platzbedarfs im Brutraum für einen Brutzyklus in meinem Wabenmass hat sich offensichtlich ein Fehler eingeschlichen.
Ich habe die potenziellen Brutzellen im Brutraum um den Faktor 2 als zu hoch dargestellt. Die Anzahl der Brutzellen pro Quadratdezimeter auf einer Wabenseite beträgt korrekterweise 350–370 und nicht wie von mir angegeben 700–750 Brutzellen. Unter den getroffenen Annahmen ergibt das auf 13 Brutwaben von Dadant Blatt Flachzargen rund 45 292 potenzielle Brutzellen (= 13×5,36×650). Das entspricht in etwa der maximalen Legeleistung einer Königin während eines Brutzyklus von 21  Tagen.

Kontrollgänge auf meinen Bienenständen verbinde ich oft mit einem Waldspaziergang oder einer kleinen Wanderung durch die Winterlandschaft im Zürcher Weinland.

Link zur Stockwaage auf dem Prüfstand:

https://www.bienen.ch/services/waagvoelker.html > Humlikon

1.1. Varroabehandlungskonzept
1.3.1. Sprühbehandlung mit Oxalsäure-Lösung
1.3.2. Träufelbehandlung
1.3.3. Verdampfen mit Varrox-Verdampfer
1.3.4. Verdampfen mit Oxalsäure-Verdampfer VSI
4.3. Überwintern eines Bienenvolkes

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