Die Bienensaison 2023 ist Vergangenheit und es kehrt Ruhe ein

10/23 | Arbeitskalender
Regina Meury, Thierstein (regina.meury@ebmnet.ch)

Auch wenn ich die Arbeit mit den Bienen sehr liebe, bin ich nun doch froh, dass die Ruhezeit für Bienen und Imkerin angefangen hat. Der Platz im Keller für Zucker ist leer und das Honiglager voll. Die Arbeiten beschränken sich nun auf wenige Kontrollen und die Monatsberichte werden merklich kürzer. Nun kommt die Zeit des Rückblicks auf die Bienensaison 2023 und den Ausblick auf das kommende Bienenjahr.

Im letzten Monatsbericht habe ich beschrieben, dass an meinen Ständen alle Arbeiten an den Völkern bis Ende September abgeschlossen sind und im Exkurs «Winterverluste vermeiden», welche Kontrollen vor der Einwinterung gemacht werden sollten. Wer mit den Arbeiten etwas spät ist, kann nun auf den Septemberbericht zurückgreifen.

Ruhe, Ruhe, Ruhe

Meine Völker decke ich nicht warm ab, damit sie die Aussentemperatur spüren und rascher brutfrei werden. Die Keile bei den Hinterbehandlungsbeuten sind leicht gezogen, um Kondenswasser zu vermeiden. Auch wenn die Nächte kalt sind, sodass die Bienen eine dichte Wintertraube bilden müssen, gibt es im Oktober noch warme Tage mit regem Bienenflug, an welchen die Sammlerinnen grosse Pollenhöschen, meist Efeupollen, eintragen. Die Versuchung ist gross, noch ein letztes Mal die Völker zu öffnen und das emsige Treiben im Stock zu beobachten. Sind aber alle Wintervorbereitungen erledigt, bringt es den Bienen nichts, wenn ich sie nur aus «Gwunder» störe. Ich widerstehe der Versuchung und lasse sie in Ruhe.

Der Kontakt mit meinen Völkern findet jetzt nur noch durch die intensive Beobachtung des weit offenen Fluglochs statt.

  • Fliegen noch alle Völker?
  • Tragen sie Pollen ein?
  • Sind die Flugbretter sauber?
  • Gibt es sicher keine Räuberei?

Falls ein Volk bereits eingegangen ist, muss das Flugloch sofort geschlossen und die Beute möglichst rasch ausgeräumt werden, um nicht eine späte Räuberei auszulösen oder Krankheiten zu verschleppen.

Auch ein regelmässiger Rundgang um den Bienenstand ist in den kommenden Monaten notwendig.

  • Sind die Beuten noch gut für die heftigen Herbststürme gesichert?
  • Sind keine Schäden von Mäusen, Spechten etc. vorhanden?
  • Stört sicher nichts die Winterruhe?

Da ich die Völker in den letzten Monaten regelmässig auf ihre Gesundheit kontrolliert habe und die beiden Varroasommerbehandlungen erfolgreich waren, verzichte ich sogar auf die «Varroawindel». In wenigen Wochen – Anfang Dezember – werde ich die Winterbehandlung durchführen.

Gibt es Zweifel, ob Hunger, eine Krankheit oder Weisellosigkeit das Volk die nächsten Monate gefährden könnte, ist sicherheitshalber eine Kontrolle an einem warmen Tag mit Bienenflug möglich.

Die unsichere Zeit der Wintermonate

Obwohl ich alles mir Mögliche unternommen habe, um gesunde Völker einzuwintern, beginnt im Oktober auch für mich die Zeit der Unsicherheit. Jetzt hören wir bereits die ersten Meldungen von leergeflogenen Beuten und starkem Totenfall. Niemand von uns ist vor solch traurigen Erlebnissen sicher. Haben wir alle Punkte der September Checkliste durchgeführt, so handelt es sich bei diesen Verlusten mit grosser Wahrscheinlichkeit um Virenkrankheiten, welche von den Varroamilben übertragen wurden. Was Viren bewirken können, haben in der Coronapandemie der Jahre 2020/2021 alle eindrücklich erlebt. Erst im Dezember, während der Winterbehandlung, wird die Anspannung nachlassen. Leben dann noch alle Völker, so werden sie hoffentlich – wie die letzten sieben Jahre – alle auch den Frühling erleben.

Trachtangebot verbessern

Jetzt kann das Trachtangebot für die kommende Saison verbessert werden. Bienenfreundliche Heckenpflanzen wie zum Beispiel der Schwarzdorn (Prunus spinosa), Wildrosen (Rosa sp.), Weiden (Salix sp.) oder der Faulbaum (Rhamnus frangula) sind wertvolle Nahrungsquellen für Wild- und Honigbienen und werden am besten im Herbst, wenn die Sträucher und Bäume ihre Blätter abgeworfen haben, gepflanzt.

Fotos: Regina Meury
Nur noch wenige Blumen sind auf den herbstlichen Wiesen zwischen den Pilzen zu finden. Die Verbesserung der Herbstblüher sollte jetzt für das nächste Jahr angegangen werden.

Honigverkauf

Der Honigverkauf läuft seit Monaten auf Hochtouren. Treue Kunden erkundigen sich bereits ab Mai, wann der frische Honig bereit sei. Sie wissen, dass viel Arbeit der Bienen und der Imkerin im Glas ist. Das nebenstehende Gedicht von Josef Guggenmos aus dem Jahr 1922 beschreibt den Aufwand aus der Sicht der Bienen. Ob vor 100 Jahren der Honigpreis auch schon ein Thema war?

Marketing ist alles

Betreffend des Marketings hat die Schweizer Imkerschaft sicherlich noch Verbesserungs­poten­zial. Sage ich zum Beispiel, dieses Jahr ist der Sommerhonig besonders dunkel und aromatisch, so vermarkten unsere portugiesischen Kollegen ihren in Aluminiumtuben verpackten Honig wie folgt: «Das einmalige und köstliche Geschmackserlebnis. Erlesene Früchte mit Kräutern und Aromen aus den fruchtbaren Regionen Portugals». Der Preis für die 80 Gramm-Tube beträgt 5.50 Euro und 500 Gramm kämen dann also auf 34.50 Euro zu stehen. Der Richtpreis für den Schweizer «Vielblütenhonig» im 500 Gramm-Glas liegt aktuell bei CHF 15 (Imkerkalender 2023).

Mel Multifloral (Vielblütenhonig) aus Portugal. Mehr als doppelt so teuer als unser Schweizer Honig.
Der kostbare Honig in noch kostbarer Verpackung wurde im Schaufenster als Blüten arrangiert.

Solche Erlebnisse veranlassten mich zur Analyse, warum in unserem Hochpreisland unser wirklich sehr guter Honig so günstig ist. Liegt es daran, dass nur Hobbyimkerinnen und -imker den Honig ernten? Mehr dazu können Sie im Exkurs auf der folgenden Seite entnehmen.

Überprüfung der gesetzlichen Grundlagen

Nun, in der ruhigeren Zeit, kann ich mich auch vertieft mit den gesetzlichen Rahmenbedingungen auseinandersetzen. Auch als Hobbyimker/-in kann man nicht einfach ein wenig «Bienen halten», sondern muss sich an viele gesetzliche Rahmenbedingungen halten. Die Auflagen zur Haltung von Bienen und dem Verkauf von Honig sind zahlreich und komplex (Gesetze zum Tierschutz, Primärkontrolle, Lebensmittelproduktion und -verkauf, Bestandskontrolle, Varroajournal, Honigjournal, Beetraffic, etc). «Wer Honig produziert und in Verkehr bringt, ist Lebensmittelproduzent und ist verpflichtet, die entsprechenden Vorschriften zum Schutz von Konsumenten und Konsumentinnen zu befolgen. In Verkehr bringen = jede Form der entgeltlichen (Verkauf) oder auch unentgeltlichen Abgabe (Geschenk)», entnehmen wir der Website vom Agroscope (www.agroscope.ch > Themen > Nutztiere > Bienen > Bienenprodukte > Honig > Gesetzliche Grundlagen).

Um sicher zu sein, dass ich die Vorschriften als Lebensmittelproduzentin erfülle und diesbezüglich jetzt und in Zukunft alles richtig mache, habe ich mich vor Jahren beim Goldsiegelprogramm angemeldet. Der freundliche und kompetente Honigkontrolleur unseres Vereins hat Bienenhaltung, Honigernte und Lagerung gründlich kontrolliert und besucht meine Imkerei nun alle vier Jahre, was mir die Sicherheit gibt, auch neue gesetzliche Anforderungen zu erfüllen. Ich finde diese Dienstleistung für 40 Franken alle vier Jahre eine gute Sache. Durch das Goldsiegel als Erstöffnungsschutz wissen auch die Kundin und der Kunde, dass mit dem Honig alles in Ordnung ist.

Im Schweizer Imker-/innen Kalender 2023 finden Sie die wichtigsten Formulare für die Betriebsprüfung und das Goldsiegel auf den Seiten 70 bis 79. Sind diese Formulare alle ausgefüllt, kann der Betriebsprüfer kontaktiert werden. Den für Sie zuständigen Betriebsprüfer finden Sie ebenfalls im Kalender ab der Seite 10 unter den Angaben zu ihrer Sektion. Die Betriebsprüfer sind dort mit dem Buchstaben «H» gekennzeichnet.

Arbeiten im Oktober

  • Kontrollgänge auf dem Stand machen.
  • Pflanzen zur Erhöhung des Tracht­angebotes besorgen und anpflanzen.
  • Selektion der Zuchtköniginnen für die nächste Bienensaison.
  • Bodenschieber bei Magazinen entfernen.
  • Keil bei Hinterbehandlungsbeuten leicht zurückziehen.
  • Isolations-/Wärmedecken bei Hinter­behandlungsbeuten entfernen.
  • Fluglöcher Ende Oktober weit öffnen.
  • Material für Winterbehandlung
  • besorgen.

Wichtigste Trachtpflanzen im Juli

Pro 100 m Höhendifferenz muss mit Abweichungen von +⁄− 2 Tagen gerechnet werden.

  • Efeu (Hedera helix)
  • Herbstastern (Aster, Symphyotrichum)
  • Sonnenhut (Rudbeckia sp.)
Eine Biene sammelt Pollen auf der Blüte des Efeus (Hedera helix).
Eine Biene sammelt Pollen auf der Blüte des Efeus (Hedera helix).

Exkurs: Betriebswirtschaftliches: Was kostet ein Kilo Honig?

Im Jahr 1957 kostete ein Kilo Honig im Kessel 7.8 Franken. Teuerungsbereinigt sollte das Kilo also aktuell knapp 36 Franken kosten. Heute wird für ein Kilo Honig im Kessel 20 Franken geboten, obwohl wir immer zu wenig Schweizer Honig haben (Quelle Landesindex für Konsumentenpreise, Teuerungsrechner, https://lik-app.bfs.admin.ch/).

LIK-Teuerungsrechner: Bei einem Preis von 7.80 Fr. (aufgerundet auf 8 Fr.), sollte der Honig heute rund CHF 36 Fr. kosten.
LIK-Teuerungsrechner: Bei einem Preis von 7.80 Fr. (aufgerundet auf 8 Fr.), sollte der Honig heute rund CHF 36 Fr. kosten.

Schweizer Grosshändler verkaufen 250 g Schweizer Honig für 13–14 Franken, was einem Kilopreis von 52–56 Franken ergibt. Die Kunden sind also bereit, für dieses wunderbare Qualitätsprodukt auch höhere Preise zu bezahlen. Der Richtpreis gemäss dem letzten Imkerkalender liegt bei 8.50 Franken für das Glas Goldsiegel Honig. Das ergibt einen Kilopreis von 34 Franken. Also rund 20 Franken weniger als der Grossistenpreis.

Ich bin überzeugt, dass 99 % der Imkerinnen und Imker aus Freude an der Natur und den Bienen imkern und nicht aus Kommerzgründen. Und doch: Die grossen Investitionen, die für dieses Hobby nötig sind, und der grosse zeitliche Aufwand würden einen angemessenen Preis sicher rechtfertigen.

Glücklich sind die, welche ein Bienenhaus und die nötige Infrastruktur gratis nutzen oder übernehmen konnten. Für diese ist die nachfolgende Diskussion eventuell nicht nachvollziehbar. Für die meisten Imker/-innen ist der Einstieg in die Imkerei aber – was die Kosten anbelangt – doch mit grossen finanziellen Hürden verbunden.

Kennen Sie die Produktionskosten Ihres Honigs?

An den Grundkursen empfehle ich den Jungimkerinnen und -imkern jeweils alle Quittungen abzulegen, auch, da vermehrt Steuerbehörden vorstellig werden. Der tabellarischen Zusammenstellung (https://bienenzeitung.ch/beispielrechnung) können Sie beispiel­haft entnehmen, wie sich die Kosten für den durchschnittlichen Schweizer Imker mit zehn Bienenvölkern zusammen­setzen und welchen Ertrag diese generieren.

Wissen Sie, wie lange Sie für ein Glas Honig arbeiten?

Der Aufwand für ein Bienenvolk, die Honigernte, die Vermarktung, die Aus- und Weiterbildung und Administration beläuft sich auf 10–20 Stunden. Ich investiere pro Volk ca. 15 Stunden. Auch mit vielen Völkern reduziert sich der Aufwand pro Volk nicht merklich. Lediglich beim Einkauf und Anfahrtsweg gibt es einen Skaleneffekt. Wenn ich ein Pfund Honig übergebe, liegt neben der Arbeit der Bienen auch fast eine halbe Stunde meiner Lebenszeit im Glas.

Es ist nur ein Hobby …

Wer mehr als ein Bienenvolk für den Eigenbedarf an Honig hält, wird den weiteren Honig verschenken oder verkaufen. Somit unterstehen wohl fast alle den gesetzlichen Regelungen. In der Schweiz halten Imkerinnen und Imker im Durchschnitt zehn Bienenvölker und sind somit «Honighändler/-innen», da nicht davon auszugehen ist, dass Sie allen Honig selber essen.

• Die Schweiz ist das Land der Hobbyimker-/innen, üben doch rund 95% die Imkerei «nur» als Hobby aus.

• Würden alle Hobbyimker/-innen ihr Hobby per Ende Jahr aufgeben, hätte die Schweiz ein grosses Bestäubungsproblem.

• Die Imkerei ist der einzige landwirtschaftliche Bereich, der nicht von Direktzahlungen profitiert, obwohl die Bienen aufgrund ihrer Bestäubungsleistung und deren Mehrwert als das drittwichtigste Nutztier in der Schweiz zählen (nach der Kuh und dem Schwein).

Mit einem angemessenen Honigpreis können die Auslagen für unser Hobby gedeckt werden.

Wir Imker/-innen verkaufen unseren Honig zu günstig

Es sollten entsprechende Massnahmen eingeleitet werden, um diesen Missstand zu korrigieren.

• Grundsätzlich sollten alle Imker/-innen ihre kurz- und langfristigen Kosten kennen und wie lange Sie für ein Kilo Honig arbeiten.

• Die Imker/-innen sollen die Verkaufspreise für den Endkonsumenten nicht unter den aktuell tiefen Richtpreisen von BienenSchweiz festlegen.

• BienenSchweiz hat in den letzten Jahren richtigerweise die Richtpreise stetig angehoben. Dieser Prozess ist nicht abgeschlossen. Die Richtpreise sollten mittelfristig auf das Kaufkraftniveau, wie oben ausgeführt, angepasst werden.

• BienenSchweiz sollte auch Preisempfehlungen für den Verkauf an Grossisten abgeben. Dies würde die Verhandlungsstärke der Imker/-innen gegenüber den Händlerinnen und Händlern erhöhen.

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