Eigener Wachskreislauf

08/23 | Wissenschaft und Praxis
Robert Lerch, apiservice gmbh/Bienengesundheitsdienst (BGD) (robert.lerch@apiservice.ch)

Bienenwachs ist ein auf dem Weltmarkt sehr gefragter Artikel. Deshalb lohnt es sich, das in der Imkerei anfallende Wachs wiederzuverwenden und den Bienen in Form von Mittelwänden zur Verfügung zu stellen.

Weltweit wird Bienenwachs im grossen Stil industriell verarbeitet. Pharma-, Kosmetik- und Lebensmittelbranche kaufen das qualitativ Beste auf und verarbeiten es in ihren Produkten. So kann es für die Imkereibranche schwierig sein, genügend rückstandsarmes Wachs für die Mittelwandherstellung auf dem Weltmarkt einzukaufen. Um einen Engpass zu vermeiden, ist es immens wichtig, dass die Imkerinnen und Imker das Wachs aus den Völkern einschmelzen und so dem inländischen Wachskreislauf zuführen. Besonders wertvoll ist der Aufbau eines persönlichen Wachskreislaufs im eigenen Betrieb. Dieses Wachs, das den Völkern in Form von Mittelwänden erneut zur Verfügung gestellt wird, hat die bestmögliche Qualität. Wir wissen, woher es kommt und kennen die Mittel, mit denen die Bienen gegen die Varroa behandelt wurden. Ameisen- und Oxalsäure reichern sich nicht im Wachs an, da sie nicht fettlöslich sind.

Wachs ist wertvoll

Wachs ist ein von den Bienen mit viel Aufwand produzierter Stoff. Das Gewicht einer Brutwabenmittelwand im Schweizermass beträgt 100 Gramm und für eine Dadantwabe 125 Gramm. Aus dem Schweizerischen Bienenbuch1 entnehmen wir auf Seite 56: «Um ein Kilogramm Naturbau herzustellen, benötigen die Bienen 9 bis 14 Kilogramm Nektar oder für 10 ausgebaute Brutwaben 10 Liter Zuckerwasser. Bedeutend ist dabei auch die Aussentemperatur, der Zustand des Volkes sowie dessen Pollenversorgung.»

Eigener Wachskreislauf

Wer sich dazu entschliesst, das Wachs der eigenen Völker weiterzuverwenden, benötigt eine mehr oder weniger lange Vorlaufzeit, um die für die Verarbeitung zu Mittelwänden nötige Menge zu sammeln. Wird pro Jahr ein Drittel des Wabenbaus erneuert, fallen pro Volk je nach Beutenvolumen zwischen 500 bis 800 Gramm Schmelzwachs an. Dies erlaubt es jeder Imkerei, den eigenen Wachsbedarf schon nach kurzer Zeit selbst zu decken.

Inzwischen bieten verschiedene Wachsverarbeiter an, schon ab wenigen Kilos individuell gesammelten Waches dieses zu Mittelwänden umzuarbeiten. Je grösser die Menge ist, desto kleiner wird der maschinell nicht verarbeitbare Anteil.

Wer die Mittelwände selber giesst, muss das Wachs nach einer ersten Schmelze noch klären. Dazu wird der Block in einem Chromstahlgefäss bei ca. 75 °C, das ist knapp oberhalb des Schmelzpunkts, verflüssigt. Zu heisses Wasser beim Reinigungsprozess kann zu einer Verseifung führen. Sehr gut eignet sich zum Klären des Wachses ein in der Gastronomie verwendetes «Bain-Marie» oder ein Sterilisiertopf/Einkochautomat.

Wachs kann in einem «Bain-Marie» verflüssigt und geklärt werden.
Wachsblöcke lassen sich an einem trockenen, kühlen Ort problemlos mehrere Jahre lagern.

Eine Isolation, beispielsweise eine Wolldecke, verlangsamt das Auskühlen des Wachses. Kleinste Verunreinigungen und Pollen setzen sich dadurch auf der Unterseite des Wachses ab, von wo sie mit einem Schaber leicht abgekratzt werden können.

Wer Lust hat, Waben selber zu giessen, kann sich auch eine eigene Giessvorrichtung anschaffen, entweder für sich allein oder gemeinsam mit anderen Vereinsmitgliedern. Besonders bewährt haben sich wassergekühlte Giessformen. Das Giessen ist eine ideale Arbeit für die ruhigen Wintermonate. Das beste Ausgangsmaterial wird aus Naturbau-, Verdeckelungswachs und Drohnenschnitt gewonnen.

Ausgeschnittene Drohnenbrut sollte nach der Entnahme eingeschmolzen werden.
Mit etwas handwerklichem Geschick macht Wabengiessen richtig Spass.

Tipps und Empfehlungen

Durch das Zumischen von Wachs aus den Brutwaben werden die Mittelwände elastischer und dadurch bruchsicherer. Einmal gegossen, lassen sich die Mittelwände an einem kühlen, trockenen Ort bis zu deren Verwendung lagern.

Einige wichtige Punkte sind beim Einschmelzen zu beachten:

  • Beim Sonnenwachsschmelzer muss das einmal verflüssigte Wachs rasch aus dem Schmelzgerät entfernt werden. Es besteht sonst die Gefahr, dass es sich durch die Hitze dunkel färbt und verbrennt.
  • Beim Dampfwachsschmelzer ist ein Verbrennen des Wachses nicht möglich. Um eine Beschädigung des Schmelzgerätes zu vermeiden, muss im Schmelzgerät immer genügend Wasser sein. Gerade bei gebräuchlichen Dampf-Tapetenlösern können bei Wassermangel die Heizspiralen überhitzen. Je nach Wasserhärte muss das Gerät regelmässig entkalkt werden. Entkalker auf Essigbasis eignen sich dafür sehr gut.
  • Damit das Schmelzgut schön gelb bleibt, darf es während des Schmelzprozesses nicht mit Eisen, Aluminium, Kupfer oder verzinktem Metall in Berührung kommen, denn die Folge wäre eine dunkle Verfärbung.
  • Unbekanntes Wachs muss zum Vermeiden einer Seuchenübertragung vor der Verarbeitung immer korrekt entkeimt werden. Dazu sind die Wachsverarbeitungsbetriebe bestens ausgerüstet.
  • Mit fettlöslichen, synthetischen Mitteln behandeltes Wachs gehört nicht in den Wachskreislauf. Es darf höchstens zur Kerzenproduktion genutzt werden, ansonsten gehört es in den Abfall.

Indem wir eigenes Wachs aus unseren Völkern sammeln und in den eigenen oder bei fehlender Zeit und Lust dem schweizerischen Wachskreislauf zufügen, können wir unseren Bienen qualitativ hochwertige Mittelwände zur Verfügung stellen.

Geschmolzenes, goldenes Wachs läuft aus dem Hahn des Schmelzers.
Nach dem Schmelzen kann der Trester entsorgt werden.

Literatur

  1. Autorenkollektiv (2020) Das Schweizerische Bienenbuch. 21. überarbeitete Ausgabe, Band 2 Biologie der Honigbiene, Verlag BienenSchweiz.

Merkblätter (www.bienen.ch/merkblatt)

3.4. Fauna auf dem Bienenstand

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