Honig in den Medien

12/25 | Wissenschaft und Praxis
Sarah Grossenbacher, Redaktion Schweizerische Bienen-ZeitunG (sarah.grossenbacher@bienenschweiz.ch)


Der Kassensturz zeigt, dass Honigkauf Vertrauenssache ist. Währenddessen sorgen neue Richtlinien in der EU für mehr Transparenz.
Sarah Grossenbacher, Redaktion Schweizerische Bienen-ZeitunG (sarah.grossenbacher@bienenschweiz.ch)

Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr widmete sich der Kassensturz dem Thema Honigfälschungen. Im Fokus stand eine Recherche der ZDF-Sendung «frontal», in der Investigativjournalisten bei chinesischen Händlern zwei Sirupe zum Honigpanschen kauften und sie in unterschiedlichen Anteilen Honigproben beimischten. Die Proben wurden anschliessend in akkreditierten Laboren – unter anderem mittels NMR-Tests – auf ihre Echtheit geprüft. In den Laboren wird stets eine Reihe verschiedener Analysen durchgeführt, um möglichst viel auszuschliessen. Die Testmethoden beschreibt der Lebensmittelchemiker Sascha Rohn in der Sendung als die besten aktuell verfügbaren Methoden.

Auch das apisuisse Goldsiegel war im Kassensturz zu sehen – als Beispiel für geprüfte und verlässliche Schweizer Qualität . Foto: Screenshot von srf.ch
Auch das apisuisse Goldsiegel war im Kassensturz zu sehen – als Beispiel für geprüfte und verlässliche Schweizer Qualität . Foto: Screenshot von srf.ch

Nicht alle Fälschungen werden erkannt

Das Ergebnis der Analyse: Nur bei einem der beiden Sirupe liess sich die Verfälschung nachweisen. In den Proben mit dem zweiten Sirup – bei einem Anteil von 10 oder 20 Prozent – blieben die Tests unauffällig. Die gängigen Testmethoden können also gepanschten Honig nicht in jedem Fall aufdecken.

Automatismus

Wenig überrascht von Honigfälschungen zeigt sich Rafieh Fakhlaei, Expertin für den internationalen Honigmarkt, gegenüber den Journalisten: «Die Menschen verlangen rie­s­ige Mengen an Honig. Das, was Imkereibe­triebe an Honig produzieren, deckt das einfach nicht ab. Daher ist es für die Honigindustrie fast schon ein Automatismus, ihre Erträge zu steigern.»

Selbstregulation in der Schweiz

Betrifft dies auch die Qualität des Schweizer Honigs? Gegenüber Kassensturz betont Markus Michel, Präsident der Honigkommission, dass die Situation in der Schweiz anders sei: «Die meisten Imker/-innen machen dies in ihrer Freizeit und vertreiben ihren Honig lokal. Wir haben alle unsere Stammkundschaft.» Auch wenn Fälschungen nie ganz ausgeschlossen werden können, spiele hierzulande auch die Selbstregulation eine grosse Rolle: «Wenn jemand plötzlich mehr Honig als die Nachbarn hat, dann fällt das auf.»

Schauplatz der Sendung war die Imkerei von Manuela Gasser in Knonau. Sie erklärte gegenüber dem Kassensturz, wie viel Arbeit in der Imkerei stecke – und wie der Stundenlohn praktisch bei Null liege, «auch wenn wir uns noch getrauen, den Preis hochzuhalten», so Gasser.

Mehr Transparenz in Deutschland

Während in den Schweizer Medien vor allem die Analysemethoden im Fokus standen, berichteten deutsche Medien im November über eine andere Entwicklung: Ab Juni 2026 sind Kennzeichnungen wie «Mischungen aus EU- und Nicht-EU-Ländern» in Deutschland nicht mehr erlaubt. Mit der Umsetzung der sogenannten EU-Frühstücksrichtlinien in deutsches Recht müssen künftig die Herkunftsländer mit ihrem Prozentanteil in absteigender Reihenfolge auf der Etikette stehen.

In der Schweiz ist diese Änderung zurzeit noch kein Thema. Für Markus Michel steht jedoch fest: «Diese Deklarationspflicht schafft Klarheit für Konsumentinnen und Konsumenten. Auch die Schweiz sollte diese Regelung übernehmen.»

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