Was verrät das Bienenbrot über die Umwelt? In meiner Masterarbeit habe ich das analysiert und die Resultate mit Rückständen im Biberekanal im Kanton Fribourg verglichen. Dabei zeigte sich: Manche Pestizide tauchen nur im Bienenbrot auf und wären in Wassermessungen unentdeckt geblieben.
Die Wasserqualität in der Schweiz wird regelmässig durch Programme wie die Nationale Beobachtung Oberflächenwasserqualität (NAWA) und die Nationale Grundwasserbeobachtung (NAQUA) überwacht1. Im Vergleich zum Wasser ist die Überwachung von Pestiziden in der ländlichen Umwelt relativ unerforscht, insbesondere im Hinblick auf Bestäuber und andere Landlebewesen (beispielsweise Käfer oder Regenwürmer).
Durch ihre Nahrungssuche in einem grossen Umkreis können Honigbienen (Apis mellifera) einer Vielzahl an Pestiziden ausgesetzt sein.
In meiner Masterarbeit untersuchte ich, ob das Wassermonitoring Auskunft über Art und Höhe der Pestizidbelastung geben kann oder ob ein zusätzliches Monitoring für eine Risikobeurteilung für landlebende Organismen nötig ist. Ich verglich die Pestizidrückstände im Bienenbrot von zwei Bienenständen mit denen im Wasser des nahegelegenen Biberekanals über eine ganze Saison. Meine Masterarbeit führte ich am Geographischen Institut der Universität Bern (Betreuung von Prof. Dr. Aurea C. Chiaia-Hernández) und am Zentrum für Bienenforschung (ZBF; Betreuung Dr. Christina Kast) durch. Die Arbeit wurde kürzlich im Journal Pest Management Science publiziert.2
Aufgrund ihrer vielseitigen Anwendung in Landwirtschaft, Industrie und städtischen Gebieten gelangen Pestizide auf unterschiedlichen Wegen in die Umwelt. Pestizide werden direkt auf Kulturpflanzen ausgebracht, können aber auch indirekt auf Pflanzen gelangen. Je nach den Eigenschaften der Substanzen und des Bodens können sie sich dort anreichern, abbauen oder ins Grund- und Oberflächenwasser ausgewaschen werden. Über Prozesse wie Versickerung, Oberflächenabfluss oder atmosphärischen Transport können Pestizide weiterverbreitet werden – auch in Gebiete fernab ihres Ursprungs. Dabei können sich Rückstände auch auf Blütenpollen ablagern. Honigbienen sammeln Pollen und Nektar typischerweise in einem Radius von 2 bis 3 Kilometern um ihren Bienenstock. Bei ihrer Nahrungssuche kommen sie potenziell