Übergang zur Winterruhe – Bienenprodukte vermarkten – Weiterbildung vorantreiben

11/22 | Arbeitskalender
NIELS MICHEL, HUMLIKON (niels.michel@carnica.ch)

In den Bienenvölkern bilden sich die Wintertrauben. Das spärliche Trachtangebot kann von den Bienen temperaturbedingt nicht genutzt werden. An den Ständen stehen mit Ausnahme von Kontrollgängen keine Arbeiten an. Es bleibt Zeit, sich der Vermarktung der Bienenprodukte zu widmen, sich weiterzubilden oder einfach mal die Seele baumeln zu lassen. 

Aus Osteuropa und den Polargebieten kommende Kaltluftmassen sorgen für einen starken Temperaturabfall und läuten den Winter ein. Gemäss Klimanormwerten von Meteo­Schweiz für die Periode von 1990–2021 ist im Zürcher Weinland im November mit einer Durchschnittstemperatur von 4,7 °C, einer Niederschlagsmenge von 73 mm sowie mit 18 Frosttagen zu rechnen. Die trüben und vor allem nebligen Tage (gemäss MeteoSchweiz sind es durchschnittlich 20,5 trübe Tage) überwiegen die heiteren (1,3) nun um ein Vielfaches. Gerade mal 43 Sonnenstunden stehen in Aussicht; das sind über 50 Prozent weniger als im Vormonat. 

Trachtsituation im November 

Im November beendet der Herbst sein buntes Farbenspiel. Die Baumkronen lichten sich. Über dem Zürcher Weinland liegen oft dichte Nebelschwaden, die sich, wenn überhaupt, erst am Nachmittag auflösen. Der Blattfall von Stieleiche (Quecus robur) und Lärche (Larix decidua), sie sind Zeigerpflanzen des phänologischen Kalenders, zeigen den Übergang vom Spätherbst zum Winter an. Auch wenn da und dort auf Äckern noch Pflanzen blühen, können diese aufgrund der tiefen Temperaturen von den Bienen nicht mehr genutzt werden. Einzig vereinzelte Wassersammlerinnen sind auch bei tieferen Temperaturen um 10 °C unterwegs. 

Arbeiten am und neben dem Bienenstand

In den Völkern geht die Brutaufzucht immer weiter zurück. Die Bienen bilden eine kompakte Wintertraube. Von Kontrollgängen abgesehen, stehen dort in diesem Monat keine Arbeiten an. Dies bedeutet aber nicht, dass ich nichts zu tun hätte. Zum einen besuche ich zusammen mit meiner Frau Moni in Winterthur den Martinimarkt. Zum anderen fahre ich am ersten Novemberwochenende zur Züchtertagung des Deutschen Imkerbundes, welche in diesem Jahr in Hofgeismar, einer Kleinstadt im nordhessischen Landkreis Kassel, stattfindet. 

Aufbau der Wintertraube

Bei Aussentemperaturen unter 12 °C fangen die Bienen an, sich zusammenzuziehen. Fallen die Temperaturen unter 6 °C, bilden sie eine geschlossene Wintertraube. Die Zusammenballung eines Volkes zur kompakten Kugel ist eine raffinierte wärmetechnische Lösung, denn die derart verkleinerte Oberfläche hilft, Wärmeverluste zu reduzieren. Auf diese Weise hält das Bienenvolk im Innern eine konstante Temperatur von circa 25 °C aufrecht. Am äusseren Rand der Kugel ist es mit Temperaturen von 10 bis 12 °C deutlich kälter. Durch einen ständigen Platzwechsel sorgen die Bienen dafür, dass kein Individuum zu sehr auskühlt. Die Königin erhält den besten Platz: Sie sitzt in der Mitte der Traube, nämlich dort, wo es am wärmsten ist. 

Musse für Fort- und  Weiterbildung

Über das Jahr stosse ich immer wieder auf Fachartikel, welche mein Interesse wecken, kaufe mir Bücher oder füge spannende Online-Beiträge der Favoritenliste meines Internet-Browsers zu. Alles zu verarbeiten, schaffe ich in der betriebsamen Zeit bis zum Spätsommer nicht. Deshalb lege ich mir diese für die weniger arbeitsintensiven Wintermonate zur Seite. Dann bleibt mir Zeit und Musse, mich darauf einzulassen. Gerne sitze ich dann am Abend neben dem Speicherofen in unserer Stube und lese die entsprechenden Artikel und Bücher oder schaue mir im Internet eine zuvor markierte Präsentation an.

Besuch der Züchtertagung  des Deutschen Imkerbundes

Am ersten Novemberwochenende findet traditionell die Arbeitstagung für Züchter des Deutschen Imkerbundes statt. Jedes Mal an einem anderen Ort. Eingeladen sind Zuchtobleute, Züchter, Besamer und andere Interessierte. Der Anlass ist jeweils einem Schwerpunktthema gewidmet – dieses Jahr der instrumentellen Besamung. Zahlreiche Fachvorträge ausgewiesener Autoritäten aus Forschung, Lehre und Praxis machen die Tagung zu einem Weiterbildungsangebot erster Güte. 

Ein anderer wichtiger Aspekt dieser Veranstaltung ist, andere gleichgesinnte Menschen kennenzulernen und die Möglichkeit,sich mit ihnen zu vernetzen. So haben wir vor einem Jahr – damals fand die Tagung in Hohen Neuendorf nördlich von Berlin statt – den Besamer Georg Macha und den Leiter der Inselbelegstelle Norderney, Detlef Ottersbach, näher kennengelernt. Georg Macha konn­ten wir für unsere Besamungsaktion im Juni dieses Jahres gewinnen. Detlef Ottersbach als Referenten für unsere Generalversammlung im vergangenen März. 

 Ende eines bunten Farbenspiels: fallendes Buchenblatt im Wald (oben links). Bei Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt stossen die Laubbäume ihre Blätter ab. Der Wasserverlust über die Transpiration der Blätter kann die Wasseraufnahme nicht mehr kompensieren (oben rechts). Die Stieleiche (Quercus robur; N 0 / P 3)  
ist eine Zeigerpflanze des phänologischen Kalenders. Ihr Blattfall zeigt den Winter an (Mitte links). Die Lärche (Larix decidua ) ist der einzige einheimische Nadelbaum, der im Winter seine Nadeln verliert. Lässt die Europäische Lärche ihre Nadeln fallen, beginnt der Winter des phänologischen Kalenders (Mitte rechts). Wassersammlerin an einer Bienentränke (unten links). Blumenfeld am Rande von Humlikon, aufgenommen Ende November 2015 (unten rechts). 
Die bunte, von Gelb über Rot zu Rostbraun reichende Farbpalette von Laubgehölzblättern ist an sonnigen Oktobertagen besonders an Waldrändern schön anzusehen. (Foto rechts in der Mitte: Roman Eisele, Creative Commons)

Mein Vermarktungskonzept

Bei der Vermarktung meiner Bienenprodukte sind mir drei Aspekte besonders wichtig: Qualität, Differenzierung gegenüber Mitbewerbern sowie der persönliche Dialog. Die Qualität der zum Verkauf angebotenen Produkte muss in jedem Fall stimmen. Die Erwartungen meiner Kunden zu erfüllen, ist mir ein zentrales Anliegen. Die Differenzierung gegenüber Mitbewerbern strebe ich über mein Produktsortiment und den eigenständigen Marktauftritt an. Mit der Pflege des persönlichen Dialogs zu meinen Kundinnen und Kunden, welche Beratung und Aufklärung im weitesten Sinne umfasst, versuche ich, eine Vertrauensbasis in die vermarkteten Produkte und in mich als Imker respektive Züchter zu schaffen. 

Die 4 Ps 

Mein Vermarktungskonzept grün­det auf den 4 Ps: product, price, place und promotion. Dies ist ein einfaches Marketingprinzip, das der Amerikaner Jerome McCarthy in den 1960er-Jahren formuliert hat. Kurz geht es darum, die richtigen Produkte zum richtigen Preis über passende Distributionskanäle mit wirksamen kommunikativen Massnahmen zur richtigen Zeit im Markt anzubieten. 

Die 4 Ps meines Vermarktungskonzepts schematisch dargestellt. 

Product: Gestaltung des Leistungsmix 

Zu meinem Produktesortiment gehören neben verschiedenen Honig­produkten auch Zuchtköniginnen und Jungvölker. Propolis, Bienenwachstücher und zwei Wanderbüchlein zu Naturperlen im Umfeld meiner Bienenstände runden das Angebot ab. Die Differenzierung gegenüber anderen Mitbewerbern erfolgt einerseits über das Verpackungsdesign, konkret über eigenständige Produktetiketten, und andererseits über Spezialitäten wie beispielsweise dem Wabenhonig oder die Bienenwachstücher in meinem Sortiment. 

Place: Gestaltung der Vertriebswege 

Bei der Distribution meiner Bienenprodukte bediene ich mich sowohl direkter als auch indirekter Vertriebswege: 

  • Direkter Vertrieb: Hierzu gehört der Online-Shop, welchen ich auf meiner Internetseite «www.bienen-michel.ch» eingebunden habe, der Besuch von Marktveranstaltungen, der Tür-Verkauf und natürlich Anfragen aus meinem Familien-, Bekannten- und Berufskollegenkreis. 
  • Indirekter Vertrieb: Ich beliefere verschiedene Hofläden und Reformhäuser in der Region, welche meine Honigprodukte als Wiederverkäufer in ihren Regalen führen. 

Price: Preisgestaltung 

Bei all meinen Produkten operiere ich mit marktüblichen Preisen. Dabei folge ich den Empfehlungen von BienenSchweiz. Richtpreise können dem hinteren Teil des Schweizer Imkerkalenders entnommen werden. Preisermässigungen erhalten Wiederverkäufer wie die Hofläden und Reformhäuser. Auch Mitarbeitenden an meinem Arbeitsplatz in Zürich biete ich den Honig etwas günstiger an als üblich. Zudem gewähre ich Vereinen oder Unternehmen, welche eine grössere Anzahl an Honiggläsern bei mir bestellen, einen Men­genrabatt. 

Promotion: Ausgestaltung der Kommunikations- und Promotionsmassnahmen 

Werbung im klassischen Sinn mache ich für meine Produkte keine. Auch nutze ich das Promotionspotenzial sozialer Medien nicht. Ich setze auf Wiederkäufe zufriedener Kundinnen und Kunden, die Mund-zu-Mund-Propaganda und nicht zuletzt auf meinen Internetauftritt. Drei Massnahmen, über welche ich mich von anderen Imkerinnen und Imkern differenzieren möchte, sind: 

  • Nutzung meines Familiennamens als Marke: Meine Faszination für die Bienen soll sich in Wort und Bild widerspiegeln. Ich trete deshalb sowohl im Internet als auch auf Marktständen als «Bienen-Michel» auf. Ein zentrales kommunikatives Element ist dabei meine auffällige «Biene», eine umgebaute Piaggio Ape 100. 
  • Eigenständige und attraktive Verpackung: Meine Honigprodukte sollen eigenständig, attraktiv und mit lokalem Bezug daherkommen. Für die Honiggläser habe ich deshalb zwei originelle Etiketten kreieren lassen; eine für meinen Huemliker Honig, die andere für den Honig, den ich auf meinen Wirtschaftsständen am Müliberg in Andelfingen ernte. Beide Etiketten basieren auf einem Aquarell, das Hannes Stricker für mich gemalt hat. 
  • Einblicke in den Alltag als Imker und Züchter: Als Imker und Königinnenzüchter möchte ich nahbar sein und in Text und Bild aus meiner faszinierenden Arbeit mit den Bienen berichten. Das versuche ich zum einen über einen Blog, den ich auf meiner Webseite betreibe, und zum anderen über die Verkaufsgespräche an Marktveranstaltungen, die ich besuche. Anfragen von Schulklassen für Standbesuche stehe ich sehr offen gegenüber. Auch Einladungen von Imkervereinen für ein Fachreferat nehme ich, wenn es meine Zeit zulässt, gerne an. 
Meine beiden Honigetiketten: die Huemliker Honigetikette mit aufgedruckten Produktinformationen (oben). Die Müliberger Honigetikette als «Rohling» (unten).. 

Marktstand am Martinimarkt in Winterthur

Am ersten Donnerstag im November findet in der Innenstadt von Winterthur der Martinimarkt statt. Seit Jahren betreibe ich an diesem Tag einem Marktstand in der Steinberggasse. Vor der Corona-Pandemie zusammen mit Hannes Stricker (vgl. Oktober-Ausgabe), ab diesem Jahr erstmals zusammen mit meiner Frau Moni. Auch die Form des Marktstandes wird diesmal eine andere sein. Zum ersten Mal werden wir mit meiner «Biene», einer umgebauten Piaggio Ape 100, vor Ort sein. Ich bin schon sehr gespannt, welche Reaktionen mein nicht ganz alltägliches Gefährt mit eingebauter Produktauslage bei den Marktbesuchern auslösen wird.

Fortbewegungs­mittel, Marktstand und Marken­zeichen in einem ist meine umgebaute Piaggio Ape 100 TM. Im Frühling 2019 als Gebrauchtfahrzeug gekauft und in der Folge unter der Leitung meines Schwagers umgestaltet (oben). Im Innern des Kasten­aufbaus meiner «Biene» befinden sich Verkaufsregale (unten). 

Link zur Stockwaage auf dem Prüfstand: 

https://www.bienen.ch/services/waagvoelker.html  > Humlikon  

4.3. Überwintern eines Bienenvolkes

2.7.1. Anleitung gittergeschütztes Flugloch

4.3. Überwintern eines Bienenvolke

4.8.1. Fluglochbeobachtungung

Exkurs: Elemente der Königinnenreinzucht – Stammbaum einer Zuchtkönigin

Ein Stammbaum, also die baumartige Darstellung von Verwandtschafts- und Abstammungsverhältnissen, hat etwas Faszinierendes, zugleich aber auch Ehrfurcht Einflössendes. Ich erinnere mich noch gut, wie ich als Kind mit grossem Interesse den Stammbaum unserer 
Familie, den mein Grossvater erstellen liess, durchgegangen bin. Er folgte der väterlichen Linie über zahlreiche Generationen zurück bis ins Jahr 1493. In der Königinnenreinzucht ist der Stammbaum, auch Pedigree (= englisch für Ahnentafel) genannt, ein wichtiges Arbeitsinstrument. Abstammung und Verwandtschafts­-verhältnisse von Zuchtköniginnen finden Eingang in die Zuchtwertschätzung. Sie beeinflussen die Planung der Anpaarung auf Belegstellen und decken das Ausmass möglicher Inzucht auf. 

Den Stammbaum von Honigbienen zu verstehen, ist allerdings nicht ganz trivial. Während die genetische Abstammung von Zuchtköniginnen mütterlicherseits einfacher und intuitiver zu verstehen ist, gestaltet sich das auf der väterlichen Seite etwas kniffliger. Dies hat einerseits mit der besonderen Paarungsbiologie bei Honigbienen (Stichwort: Mehrfachpaarung der Königin), andererseits mit den genetischen Besonderheiten der Geschlechter in einem Bienenvolk zu tun (Stichworte: diploider Chromo­somensatz bei Königin und Arbeiterinnen, haploider Chro­mosomensatz bei Drohnen). 

Genetik im Bienenvolk 

Betrachten wir die Genetik in einem Bienenvolk: Das unbefruchtete Ei einer Königin hat 16 Chromo­somen (n = 16, auch Haploid-Nummer genannt), während ein befruchtetes Ei 32 Chromosomen hat (2n = 32, die Diploid-Nummer). Bei der Bildung des haploiden Eikerns der Königin werden ihre 32 Chromosomen (2n = 32; diploider Chromosomensatz) im Rahmen der Reifeteilung (Meiose) zunächst verdoppelt, danach auseinandergezogen und dann jeweils 16 Chromosomen (n = 16; haploider Chromosomensatz) auf vier Keimzellen verteilt. Bei diesen komplizierten Vorgängen, welche innerhalb des Eierstocks der Königin erfolgen, können bei der Trennung der Chromosomenstränge an verschiedenen Stellen Teilstücke  
abbrechen und innerhalb des Chromosomenpaars ausgetauscht werden (sogenanntes «Crossing-over»). Dieser zufällige Austausch findet bei Honigbienen häufig statt. Das ist auch der Grund, weshalb sich die Söhne einer Königin in der Kombination ihrer Erbanlagen unterscheiden: Kein Drohn zeigt eine vollständige genetische Übereinstimmung mit seinen Brüdern. Aber: Die Spermien eines einzelnen Drohns unterscheiden sich genetisch nicht. Jeder Drohn hat nur einen Chromosomensatz, somit sind alle Spermien eines Drohns identisch. 

Die Königin als zweigeschlechtliches Wesen 

Wird das unbefruchtete Ei in eine grosse Zelle gelegt, dann entsteht daraus eine Drohne. Die Drohne paart sich mit der Königin und gibt ihr Spermazellen. Deshalb betrachtet man die Drohnen üblicherweise auch als männliche Bienen. Vom genetischen Standpunkt aus gesehen ist dies allerdings ein Irrtum. Tatsächlich ist das unbefruchtete Ei mit seinen 16  Chromosomen die männliche Geschlechtszelle. Dieses Ei entwickelt sich zu einer Drohne mit 16 Chromosomen in all ihren Zellen. In ihren Hoden produziert eine Drohne über 10 Millionen genetisch identischer Spermazellen – eine einzelne Drohne ist quasi nur ein Kopierautomat, da keine neuen genetischen Kombinationen in ihr entstehen. Das eigentliche Männchen ist die Königin. Sie ist weiblich, wenn sie befruchtete Eier legt und männlich, wenn sie unbefruchtete legt. Anders formuliert: Die Königin ist ein Hermaphrodit (= zweigeschlechtliches Wesen). Die Drohnen sind ihre Spermazellen. 

Drohnenvölker auf einer A-Belegstation 

Eine Linien- oder A-Belegstelle befindet sich in der Regel in isolierten Alpentälern oder auf Inseln (Deutschland). Die Königinnen werden für die Paarung zu einer Belegstelle gebracht; die Mutter ist dabei bekannt. Die Drohnen auf der Belegstelle stammen von 10–20 sogenannten Drohnenvölkern, deren Königinnen Geschwister ein und derselben Mutter (= 4a) sind. Die Zellen ihrer Eierstöcke produzieren Eier, aus denen sich Drohnen entwickeln, und die Eier aller Schwester-Königinnen zusammen repräsentieren die väterliche Abstammung der Mutter. Es ist die väterliche Abstammung, da sie durch das Sperma der Drohnen von den Schwester-Königinnen transferiert wird. Daher übernimmt die Mutter der Schwester-Königinnen die Platzierung des Vaters im Stammbaum. 

Eindeutige überregionale Identifikation von Königinnen 

Voraussetzung für das Führen eines Stammbaumes ist, dass Königinnen eindeutig identifizierbar sind. Dafür hat sich – zumindest bei den Carnica-Züchterinnen und Züchtern – folgendes Schema, die sogenannte Beebreed-Nummer, eingebürgert: A – B – C – D – E 

Dabei stehen die einzelnen Buchstaben für: 

A = Ländercode (z. B. CH für die Schweiz) 

B = Code des regionalen Zuchtverbandes (z. B. 52 für die SCIV) 

C = Code für den Züchter innerhalb des regionalen Zuchtverbandes (z. B. 7 für Niels Michel) 

D = Nummer der Königin im Zuchtbuch (z. B. 105 für Laufnummer der Zuchtkönigin) 

E = Geburtsjahr der Königin (z. B. 2022

Die Königin mit der Beebreed-Nummer CH-52-7-105-2022 bezeichnet demnach die Königin mit der Laufnummer 105, welche ich im laufenden Jahr gezüchtet habe. 

Verwandtschaftsgrad in einem Bienenvolk 

Eine Bienenkönigin paart sich natürlicherweise mit bis zu 15 meist nicht verwandter Drohnen. Das hat erhebliche Auswirkungen auf den Verwandtschaftsgrad zwischen den Töchtern (Arbeiterinnen) einer Königin in ihrem Volk. Unter Bezug auf die verschiedenen Väter bestehen die Arbeiterinnen eines Bienenvolkes aus unterschiedlichen Vatergruppen (Patrilines). Innerhalb einer Vatergruppe teilen die Arbeiterinnen 75 % ihrer Erbanlagen. In diesem Sinne werden solche Schwestern meist als «Superschwestern» bezeichnet. Zwischen den Arbeiterinnen verschiedener, nicht verwandter Väter, die als Halbschwestern bezeichnet werden, besteht dagegen eine wesentlich geringere Verwandtschaft: Sie liegt bei gerade mal 25 %, also deutlich unter 50 % wie bei Säugetieren üblich. 

Arbeiterinnen von Reinzuchtköniginnen, welche auf einer A-Belegstelle begattet worden sind, sind enger miteinander verwandt als die Töchter natürlich gepaarter, respektive standbegatteter Königinnen. Ihr Verwandtschaftsgrad liegt bei 75 % bei Superschwestern oder im Falle von Vollschwestern bei 50 %. Eine 1-Drohn-besamte Königin bringt gar ausschliesslich Superschwestern hervor.  

Bildlegende:

Stammbaum einer Reinzucht­königin (1a) über drei Generationen dargestellt. Wobei gilt: 
1a = Das Volk, um das es geht. Die angepaarte Königin. 
1b = Die Anpaarung der (1a). Die Drohnenvölker der Belegstelle oder, im Falle der künstlichen Besamung, der Samenspender. 
2a = «Mutter» der Jungkönigin (1a). 
2b = Anpaarung der (2a). Die (1b) der (2a). Töchter der (6a). 
4a = «Vater» der (1a). Muttervolk der Drohnenvölker (1b). 
3a = Grossmutter der (1a) 
7a = Muttervolk des Muttervolks der Anpaarung der (1a). (2a) der (4a). 
12a = «Grossmutter» der Jungkönigin (1a). Muttervolk der Anpaarung der Anpaarung der (1a). 
«Grosseltern» = (3a), (6a), (7a) und (12a). 
Ein Bienenvolk besteht aus einer Königin, Arbeiterinnen und Drohnen. Jede Biene hat dasselbe Genom (= alle Gene auf den Chromosomen) im unbefruchteten Ei. Wird das Ei befruchtet, entwickelt sich daraus – abhängig vom Umfeld respektive der Ernährung – entweder eine Königin oder eine Ar-beiterin. Im abgebildeten Diagramm sind die somatischen Zellen der Königin und Arbeiterinnen als Kreise gezeichnet, da sie 2n = 32 Chromosomen haben. Ei, Sperma und Drohnen sind als Halbkreise dargestellt, da sie nur 16 Chromosomen besitzen. 
Aus nebenstehender Darstellung wird klar, warum die 4a (= Mutter sämtlicher Drohnenvölker auf einer A-Belegstation) der «genetische Vater» der angepaarten Königin 1a ist. Die Anpaarung der Drohnenvölker (1b) ist vom genetischen Standpunkt aus ohne Bedeutung; das Sperma der Drohnen, welche die Stockmütter der Drohnenvölker begattet haben, wird bei der Begattung der 1a nicht weitergegeben.. 

FOTOS UND GRAFIKEN: NIELS MICHEL 

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