Einer, der immer Vollgas gegeben hat und sich für nichts zu schade war: Alfred Höhener tritt nach 19 Jahren aus dem Zentralvorstand zurück. Die Bienen bilden weiterhin den Mittelpunkt in seinem Leben.
Reden kann er. Ohne Punkt und Komma. Auf dem kurzen Spaziergang runter zu seinem Bienenhaus im bernischen Mühleturnen hat er bereits so viel erzählt, dass er später am Stubentisch alles nochmals schildern muss. Was ihn überhaupt nicht stört. «Ich rede gerne», sagt er und lacht. Eigentlich habe er Schafe gewollt, damals, Ende der Achtzigerjahre. Der frisch Verheiratete suchte nach einem «anständigen», etwas ruhigeren Hobby, weil ihm die Bergsteigerei seiner Frau nicht so zusagte. Leider fehlte ihnen, die damals in Belp wohnten, das nötige Land. Später sah er im Emmental, wo seine Frau herkam, zwei leere Bienenhäuser. «Dann hat mich das Güegi gestochen. Ich kaufte mir ein Buch und meldete mich für einen Bienenkurs an», erzählt Alfred Höhener. Weil er zu oft gefehlt hatte, bekam er das Diplom nicht. «Darauf bin ich stolz», versichert er und lacht wieder. Er habe sich sein Wissen selbst erarbeitet und besitze heute noch kein Diplom von BienenSchweiz.

Über Nacht in den Vorstand
Anpacken, machen und viel «Learning by doing»: Das scheint Alfred Höheners Motto zu sein. Kaum hatte er angefangen, Bienen zu züchten, landete er auch schon im Vorstand des Bienenzüchtervereins Belp. Er habe das gar nicht so gewollt, versichert er. Aber weil gerade jemand fehlte, sprang er ein. Nach rund drei Jahren war er bereits Präsident. 2006 organisierte er die Delegiertenversammlung für BienenSchweiz. Es sei, dank seines super Helferteams, eine sehr gelungene Versammlung gewesen. Kurz darauf bekam er von Richard Wyss, dem damaligen Präsidenten von BienenSchweiz, einen Anruf. «Wir hatten in der Nacht mit der Feuerwehr einen Grossbrand zu löschen, entsprechend war ich todmüde und beduselt. Ich sagte einfach ja, obwohl ich keine Ahnung hatte, was ich im Zentralvorstand zu tun haben werde.» So sei er halt.
Nun, nach 19 Jahren, ist genug. Einmal müsse er einen Strich darunter ziehen, meint er. Der Zeitpunkt ist ideal, da er mit seiner Pensionierung zusammenfällt. Er blickt auf bewegte Jahre zurück. «Wir haben im Zen- tralvorstand immer viele Ideen gehabt und umgesetzt. Zuerst waren es zwei, dann drei, dann wurde es stressig.» Erfreulich ist für Alfred Höhener, wie sich das Verhältnis zu den französischen und italienischen Sprachregionen entwickelt hat. «Anfangs wurde mit den Tessinern und Romands wenig geredet. Diese fühlten sich entsprechend überrollt. Das hat sich geändert und die Verbände aus diesen Regionen sind sehr aktiv. Heute kommen wir super miteinander aus.»
Grosse Eigenverantwortung
Es gibt auch Herausforderungen innerhalb der Imker-Welt, weiss Alfred Höhener. Etwas störend findet er beispielsweise die Erwartungshaltung einiger Imker. «Egal, ob es um die Asiatische Hornisse oder um Fake-Honig aus dem Ausland geht – manche erwarten einfach immer, dass wir da aktiv werden, obwohl dafür Bund oder Kantone zuständig sind.» Auf der anderen Seite macht es ihn stolz, wenn er beobachtet, wie die Eigenverantwortung vieler Imkerinnen und Imker zugenommen hat. «Früher gingen die Imker mit riesigen Rauchschwaden auf ihre Völker los, heute reicht ein wenig Wasser, um sie zu beruhigen.» Die heutige Imkerschaft habe gemerkt, dass sie ein wertvolles Lebensmittel produziert, wofür sie eine grosse Verantwortung trage.
Alfred Höhener gibt alle Aktivitäten bei BienenSchweiz ab, ebenso seine Aufgabe als Supervisor. Den Job als kantonalen Bienenin- spektor behält er bei. Er habe immer viel los gehabt im bisherigen Leben, erzählt er. Olympiade, Frauenfussball-Europameisterschaft – all diese Dinge seien an ihm vorbeigegangen. «Wir haben den Naturpark Gantrisch mit seinem wunderschönen Ausflugsgebiet vor der Nase, das ich seit Jahren nicht mehr besucht habe.» Er habe immer so viel gemacht, dass es nun für ihn der richtige Zeitpunkt sei, aufzuhören. «Aber mein Antrieb war, dass es rund um die Imkerei so viele gute Leute gibt, Berater, Betriebsprüfer und viele mehr. Wir Imker sind eine grosse Familie, in der ich mich entfalten konnte.» Die Leute hätten Freude gehabt, wenn er als Vertreter von BienenSchweiz vorbeigekommen sei. Er selbst bemühte sich stets darum, seine Bewertungen und Feedbacks positiv und wertschätzend zu formulieren.
Zeitraubende Hobbys
Seinen Bienen wird er weiterhin treu bleiben. An vier Standorten bewirtschaftet er rund 30 bis 50 Völker. In den letzten Jahren spielte das Frühlingswetter nicht immer mit, so dass er keinen oder wenig Blütenhonig produzierte. Diesen überlasse er sowieso seinen Bienen, das sei besser als Zuckersirup, versichert er. Darum habe er keine Riesenerträge. 2021, als es keinen Honig gab, habe er gejubelt. «Endlich etwas weniger Arbeit.» Viel zu tun haben er und seine Frau mit dem eigenen Marktbetrieb, bei dem auch eine Tochter mithilft. Von November bis Dezember geht er fast jedes Wochenende auf regionale Märkte, etwa in Riggisberg, Brienz, Belp, Murten und Thun. Da verkauft er Honigkerzen und andere, selbst angefertigte Produkte. «Das hat sich so entwickelt. Ich mache das gerne und liebe es, hinter der Theke zu stehen und die Menschen zu erleben.»
Aber auch dieses Hobby braucht Zeit. «Der Aufwand ist entsprechend hoch», bestätigt Alfred Höhener. Am Abend sitzt er oft im Keller seines Hauses, tüftelt an neuen Produkten herum, packt die Produkte ein und giesst Kerzen in 140 verschiedenen Formen. Jetzt, wo er pensioniert ist, kann er sich Zeit dafür nehmen. Früher musste er schauen, wie er alles unter einen Hut brachte. Viele Jahre war er beim Bundesamt für Gesundheit in leitender Stellung tätig, bis er mit Mitte fünfzig etwas kürzertrat. Seine freiwerdenden Kapazitäten setzte er für seine vielfältigen Tätigkeiten ein, die seine Tage von Neuem lang und abwechslungsreich werden liessen. Nun, mit bald 65 Jahren, will er es aber etwas ruhiger nehmen. Zeit haben für seine drei Töchter, seine zwei Enkelkinder und seine Frau. Und fürs Reisen. Allerdings nicht bis Thailand, wie er gleich betont. «Ich habe das GA erneuert und werde von hier aus nach Biel, in den Jura oder ins Bündnerland fahren. Darauf freue ich mich sehr.» Ob sein Alltag tatsächlich etwas ruhiger wird, bleibt abzuwarten. Ähnlich wie bei seinen Schützlingen, den fleissigen Bienen, wird es wohl auch bei ihm munter weitersummen.
