Alarm im Bienenstock

02/23 | Wissenschaft und Praxis
Joseph Hemmerlé, Institut National de la Santé et de la Recherche Médicale (Inserm), Paris, (joseph.hemmerle@inserm.fr)

Die Verteidigung seines Stockes ist für das Überleben eines Bienenvolkes essenziell. Dabei spiele Alarmpheromone eine zentrale Rolle.

Wespen- und Bienenstiche tun eindeutig weh und können ein Gesundheitsrisiko darstellen, da Giftallergien potenziell lebensbedrohlich verlaufen können. Schon in biblischer Zeit waren Wespenstiche gefürchtet: Nachdem Gott die Zehn Gebote offenbarte, fügte er hinzu: «Ich werde Hornissen vor dir herschicken, und sie werden die Heviter, die Kanaaniter und die Hethiter vertreiben» (2. Mose 23,28). Weiter war auch der Tod von Pharao Menes im Jahr 2674 v. Chr. das Ergebnis eines Wespenstichs. In jüngerer Zeit erzählt das Gemälde «Amor beklagt sich bei Venus» von Lucas Cranach dem Älteren (1472–1553) eine Szene, in der Amor nach dem Diebstahl einer Honigwabe von Bienen gestochen wird. Amor beschwert sich bei Venus, seiner Mutter, die ihn wiederum tadelt und ihn daran erinnert, dass seine Pfeile auch Schmerzen verursachen können.

Warum stechen Bienen?

Die hohe Sozialität der Bienen setzt deren Kolonien der Gier vieler Raubtiere (Insekten, Vögel und Säugetiere) aus, die von der hohen Konzentration an Nahrung im Bienenstock angezogen werden: Pollen, Honig und die Bienen selbst. Sogar benachbarte Völker können einen Bienenstock angreifen, um seine Reserven in Zeiten der Knappheit zu plündern. Die Verteidigung des Nestes ist daher eine Frage des Überlebens (Foto folgende Seite). Somit ist der Bienenstich ein logischer Akt der Selbstverteidigung. Gleichzeitig stellen Imker/-innen fest, dass Bienen in der Schwarmphase, wenn sie weder Nahrungsreserven noch Brut zu schützen haben, eher sanftmütig sind.

Natürlich zeigt die Biene auch ein mehr oder weniger ausgeprägtes Abwehrverhalten gegenüber Menschen, die sich vor dem Flug­loch aufhalten oder die Beute öffnen. Ande­rerseits sticht die Sammlerin bei der Nah­rungssuche nur ungern, es sei denn, sie fühlt sich bedroht oder man tritt barfuss auf sie drauf. Bienen reagieren auch auf helle Farben weniger aggressiv als auf dunkle, wes­halb Imker/-­innen meist weisse oder zumin­dest helle Schutzkleidung tragen. Bienen

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