Apimondia 2025

11/25 | Wissenschaft und Praxis
Sarah Grossenbacher, Redaktion Schweizerische Bienen-Zeitung, (sarah.grossenbacher@bienenschweiz.ch)


Wo die ganze Welt der Bienen aufeinandertreffen kann: Der Apimondia-Kongress in Kopenhagen bot Forschung, Praxis und Produkte unter einem Dach

Der Apimondia-Kongress ist die grösste Veranstaltung der Imkerbranche. Die Zahlen des diesjährigen Treffens in Kopenhagen zeigen dies eindrücklich: Über 8000 Teilnehmende aus 124 Ländern, 177 Aussteller, mehr als 300 Vorträge und über 600 wissenschaftliche Poster.

Auch Wettbewerbe sind Teil der Apimondia. Hier bewertet eine Fachjury Bienenwachsprodukte.
Auch Wettbewerbe sind Teil der Apimondia. Hier bewertet eine Fachjury Bienenwachsprodukte.

Honigweltreise

Ein Highlight war die «Global Honey Bar» – mit 250 Honigen aus 42 Ländern und laut Apimondia über 3000 Degustationen pro Stunde: Hier liess sich die Welt im Honigglas ent­decken. Als ich bei der Degustation in Tansania ankam, warnten mich zwei norwegische Imker: «Vorsicht, der ist sehr speziell!» Und tatsächlich: Der Honig der stachellosen Bienen war säuerlich und erinnerte an Essig. In seiner Heimat gilt der fermentierte Honig als Delikatesse und Heilmittel.

Wissenschaft trifft Praxis

Die vielen Präsentationen regten zu Diskussionen zwischen Imkerei und Wissenschaft an. Das bestätigt auch Vincent Dietemann, der mit seinen Kolleg/-innen vom Zentrum für Bienenforschung, Agroscope, am Kongress teilnahm: «Ich war beeindruckt vom Interesse der Imker an der Forschung, was sich in den oft vollbesetzten Auditorien während der Präsentationen zeigte. Ihre Fragen an die Referenten waren sehr relevant und zeugten von ihrem Engagement, ihre Imkertätigkeit zu verbessern, sowie von ihrem Interesse, aktuelle Probleme zu lösen.»

Besonders interessiert zeigte sich Dietemann am Projekt BeeGuard. Die Forschenden entwickeln ein Modell, mit dem sich das Wachstum der Varroa-Population in Bienenvölkern simulieren lässt. Zwar existieren bereits entsprechende Modelle, diese sind jedoch noch recht einfach aufgebaut. «Das derzeit entwickelte Modell wird wesentlich leistungsfähiger sein. Es wird es ermöglichen, die Auswirkungen des Klimas, der Behandlungen und der Resistenz des Wirts zu integrieren. Dieses Instrument wird äusserst nützlich sein, um die Biologie der Milbe und die Resistenzmechanismen des Wirts besser zu verstehen.» Dietemann schätzte auch den Austausch unter den Wissenschaftlern – gerade im Hinblick auf neue Gefahren wie die Tropilaelaps-Milbe ist das von zentraler Bedeutung.

Honigfälschungen im Fokus

Bereits vor dem Kongress gaben Honigfälschungen zu reden. Wegen anhaltender Zweifel an der Echtheit vieler Produkte entschied die Apimondia, beim diesjährigen Wettbewerb erstmals keine Preise für Honig zu vergeben. Begründet wurde der Schritt mit der «Unmöglichkeit, Honig vollständig auf Verfälschung zu testen». Am Kongress wurde intensiv über neue Analyseverfahren diskutiert. Die International Honey Commission (IHC) hält die DNA-Methode zwar für vielversprechend, doch für den praktischen Einsatz zur Erkennung von Honigfälschungen ist sie noch nicht bereit. «Der Hauptmangel ist die fehlende Datenbank für Honige unterschiedlicher geographischer Herkunft. Die klassischen, Methoden, wie beispielsweise die magnetische Kernresonanz bleiben wichtig», erklärt Christina Kast vom Zentrum für Bienenforschung und betont: «Der Nachweis für Honigfälschungen bleibt ein dringliches Thema».

Um dem entgegenzuwirken, wurde die «Honey Plattform» ins Leben gerufen. Sie vereint Fachleute, um Analyseverfahren zum Nachweis von Fremdzucker zu vergleichen und ein internationales Rückverfolgbarkeitssystem für Honig aufzubauen – mit dem Ziel, die Qualität und Echtheit insbesondere von Importhonig zu verbessern.

ApiExpo

In der ApiExpo präsentierten Hersteller aus aller Welt ihre Produkte. Auch Schweizer Aussteller wie HiveWatch, die Apidea AG und Andermatt BioVet AG waren vertreten. Schon seit der Apimondia in Kiew 2013 treten BioVet und Apidea gemeinsam auf. «So können wir uns auch etwas von der Masse abheben», erklärt Silvio Hitz von Apidea. «Für mich ist das die erste Apimondia», hält Urs Fanger, BioVet-Geschäftsführer, fest. «Ich bin positiv überrascht. Häufig sind wir entweder an Imkermessen oder wissenschaftlichen Konferenzen – hier hast du alles.» Für ihn war vor allem auch der Austausch mit Distributoren, Mitbewerbern, aktuellen und potenziellen Kunden sehr interessant. Ähnlich sieht das Silvio Hitz: «Wir sind hier, um den Puls der Kundschaft – Endverkäufer und Wiederverkäufer – zu fühlen.»

Urs Fanger und Marc Kalmbach von der BioVet AG sowie Silvio Hitz und Karin Kunder von der Apidea AG am gemeinsamen Stand in der ApiExpo.
Urs Fanger und Marc Kalmbach von der BioVet AG sowie Silvio Hitz und Karin Kunder von der Apidea AG am gemeinsamen Stand in der ApiExpo.

Gewinn für eine Mini-Schleuder

Am Apimondia-Kongress werden jeweils verschiedene Preise vergeben: Auszeichnungen für Fachbücher, Ausstellungen, verschiedene Bienenprodukte und Innovationen. Der diesjährige Innovationspreis ging an das australische Unternehmen HiveKeepers, das spezielle Honigwaben und eine dazu passende Mini-Schleuder entwickelte. So kann Honig in kleinen Mengen geerntet werden.

Der nächste Apimondia-Kongress findet in zwei Jahren in Dubai statt.

Die kleine Honigschleuder von HiveKeepers gewann den Preis für Innovation.

Neu in der Apimondia

Der Schweizerische Apitherapieverein ist neu Mitglied der Apimondia. Marcel Strub, der Präsident der Sektion D-CH, spricht über die Bedeutung dieser Aufnahme und seine Eindrücke vom Kongress.

SBZ: Was nimmst du von diesem Kongress mit?

Marcel Strub: Der Apimondia-Kongress war in jeder Beziehung sehr eindrücklich. Eineunglaubliche Vielfalt an interessanten Informationen über Forschung und Praxis in der Imkerei. Ich besuchte zu einem grossen Teil Vorträge zur Apitherapie. Aber auch Themen wie Bienengesundheit, Bestäubung und die Auswirkungen von Pestiziden waren sehr präsent. Zum Glück habe ich Fotos und Notizen gemacht, sonst könnte man so viele Eindrücke gar nicht verarbeiten.

Der Schweizerische Apitherapieverein ist nun offiziell Mitglied bei Apimondia. Was hat euch dazu bewogen, eine Bewerbung einzureichen?

Wir sind sehr glücklich über die Aufnahme als assoziiertes Mitglied der Apimondia. Seit zwei Jahren bin ich Mitglied eines wissenschaftlichen Beirats der Apimondia und sehe so tiefer in die Arbeiten und Bestrebungen der Apimondia hinein. Hier geniesst die Apitherapie eine enorme Anerkennung und wird mit wissenschaftlichen Arbeiten unterstützt. Die Mitgliedschaft bei der Apimondia hilft uns sehr bei der Bekanntmachung unseres internationalen Kongresses im nächsten Jahr. Dieser wird eröffnet durch Dr. János Körmendy-Rácz aus Ungarn. Er ist Vorstandsmitglied der Apimondia und Leiter des Bereichs Apitherapie.

Wie hat sich die Wahrnehmung der Apitherapie in den letzten Jahren verändert?

Der schweizerische Apitherapieverein mit seinen beiden Sektionen Deutschschweiz und Romandie ist recht aktiv unterwegs. In den Vorständen arbeiten jeweils sehr engagierte Persönlichkeiten. Dadurch ist die Wahrnehmung bestimmt etwas gestiegen. Jedoch könnte die Wertschätzung noch massiv gesteigert werden, wenn wir es schaffen könnten, mehr Imkerinnen und Imker von den aussergewöhnlichen Eigenschaften der Bienenprodukte zu überzeugen. Wir freuen uns über all jene, welche die Apitherapie in die Öffentlichkeit weitertragen. Im internationalen Vergleich scheint die

Apitherapie in einigen Ländern stärker institutionalisiert oder medizinisch integriert zu sein. Wo steht die Schweiz hier – und was kann sie vielleicht von anderen Ländern lernen?

Im Vergleich zu anderen Ländern wie Frankreich, Österreich oder Slowenien haben wir noch ein grosses Potential vor uns. Oft ist es unsere Gesetzgebung, welche sehr unterschiedlich angewendet wird. Einige Kantone agieren sehr restriktiv und verbieten beispielsweise den Verkauf von Honig und Apitherapie-Büchern im selben Raum oder am selben Marktstand. Dieser Umstand verunsichert viele Imkernde und ist nicht hilfreich im Umgang mit der Apitherapie. Das Gesetz regelt die Kennzeichnung von Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln, verbietet aber nicht, dass Lebensmittel heilen können. Mit dieser Erkenntnis müssen wir weiterarbeiten und die Gesellschaft aufklären.

Franziska Ruprecht und Marcel Strub vom Schweizerischen Apiteraphieverein.
Franziska Ruprecht und Marcel Strub vom Schweizerischen Apiteraphieverein.

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