Bienenkrankheiten und -schädlinge frühzeitig erkennen

| Wissenschaft und Praxis
MATTHIEU GUICHARD, APISERVICE / BIENENGESUNDHEITSDIENST (BGD), (matthieu.guichard@apiservice.ch)

Durch das rasche Feststellen von Krankheiten und Schädlingen können deren negative Auswirkungen auf den Bienenbestand verringert werden. Daher ist es wichtig, dass Bienenhaltende über Hilfsmittel verfügen, die es ihnen erleichtern, Gesundheitsprobleme in den Völkern zu erkennen. Der Bienengesundheitsdienst (BGD) hat zu diesem Zweck ein Poster mit den wichtigsten Informationen erstellt.

Die Überwachung der Gesundheit der Bienenvölker ist eine Aufgabe, die den Imkerinnen und Imkern obliegt. Zuweilen kann das Identifizieren von Krankheiten und Schädlingen, die nur begrenzt auftreten oder in der Schweiz noch nicht vorhanden sind, schwierig sein. Dies verstärkt das Bedürfnis nach einer illustrierten Übersicht der verschiedenen Gesundheitsprobleme, die auftreten können. Das Poster, das Sie in dieser Ausgabe der Schweizerischen Bienen-Zeitung finden, kann als Referenz verwendet werden. Damit Sie im Zweifelsfall das Poster schnell zur Hand haben, wird es am besten auf dem Bienenstand aufgehängt. Sollte beim Erkennen eines Problems weiterhin Unsicherheit bestehen, steht das BGD-Team für Fragen gerne zur Verfügung (über die kostenlose Hotline 0800 274 274 oder über info@apiservice.ch, von Montag bis Freitag). Wenn eine meldepflichtige Krankheit vermutet oder entdeckt wird, ist es unerlässlich, so schnell wie möglich den / die für die betroffenen Bienenstände zuständigen AFA Bieneninspektion (Bieneninspektor/-in) zu informieren. Die zu ergreifenden Massnahmen sind im Merkblatt 2. Übersicht Krankheiten / Schädlinge sowie in den Merkblättern zu den einzelnen Erkrankungen aufgelistet.

Gesundheitsprobleme durch die sorgfältige Kontrolle der Bienenvölker erkennen

Die Imkerin beziehungsweise der Imker sollte sich bei jeder Durchsicht der Völker vorrangig vergewissern, dass diese gesund sind. Eine erste Beobachtung am Flugloch hilft, Völker zu erkennen, deren geringer Flugbetrieb eine Überprüfung erfordert. Das Ziel ist, anschliessend sicherzustellen, dass das Volk nicht durch Krankheitserreger oder weitere Schädlinge geschwächt wurde. Die Unterlagenkontrolle ergänzt die Fluglochbeobachtung und ermöglicht beispielsweise, den natürlichen Totenfall der Varroamilbe auszuwerten oder Kalkbrut festzustellen. Wenn das Volk geöffnet ist, sollte bei der Kontrolle überprüft werden, ob die Brut und die erwachsenen Bienen gesund sind. Bei einem gesunden Volk ist die Brutfläche kompakt, mit glänzenden, perlmuttfarbenen und gut genährten Larven; die Zelldeckel der älteren Brutstadien sind intakt und nach aussen gewölbt. Larven mit ungewöhnlicher Farbe, Aussehen oder Stellung sollten dem Beobachter ebenso auffallen wie eingedrückte, aufgerissene oder löchrige Zelldeckel. In diesem Fall kann es sich um Brutkrankheiten handeln, auf die entsprechend reagiert werden muss: Sauerbrut und Faulbrut sind beispielsweise meldepflichtig, während Viruserkrankungen in der Regel eine sofortige Behandlung gegen die Varroamilbe erfordern. Erwachsene Bienen sollten eine normale Grösse und ein unauffälliges Aussehen haben und keine deformierten Flügel aufweisen. Auf den Bienen sollten keine Varroamilben sichtbar sein.

Verbesserte Arbeitsbedingungen erleichtern die Beobachtung

Bei der Brutkontrolle nimmt man die Waben auf Augenhöhe in die Hand und richtet sie so aus, dass man gute Lichtverhältnisse hat. Um die Brut und die Bienen genau beobachten zu können, ist es entscheidend, dass am Bienenstand ausreichend Licht vorhanden ist. Befinden sich die Völker in einem Bienenhaus, sollten die Fensterläden geöffnet und das Licht eingeschaltet werden, sofern das Bienenhaus an die Stromversorgung angeschlossen ist. Auch wenn Tageslicht immer noch die beste Lösung ist, können eine Stirnlampe oder Lampen mit Batteriebetrieb eine Alternative bieten. Bei Zweifel während einer Kontrolle kann sich der Beobachter je nach Tageszeit auch einige Schritte mit der zu beobachtenden Wabe bewegen, um das Sonnenlicht zu nutzen, zum Beispiel auf der Schwelle des Bienenhauses. Man muss dabei nur darauf achten, dass die Königin nicht herunterfällt. Generell gilt, dass die Umgebungspflege des Bienenhauses, beispielsweise durch das Zurückschneiden von Bäumen und Sträuchern, für Sonnenschein und mehr Licht sorgt. Bei nachlassender Sehkraft ist bei der Durchsicht eine Lupe oder eine geeignete Lesebrille hilfreich.

Gegenüber invasiven Arten wachsam bleiben

In einer globalisierten Welt und im Zusammenhang mit dem Klimawandel besteht die Gefahr, dass zahlreiche gebietsfremde Arten in die Schweiz eingeschleppt werden. Dies betrifft auch Bienenkrankheiten und -schädlinge. So müssen Imkerinnen und Imker wachsam bleiben, wenn es etwa um die Anwesenheit unüblicher Insekten in der Nähe des Bienenstandes oder in den Beuten geht. Auf diese Weise ist es zum Beispiel möglich, die Präsenz der Asiatischen Hornisse (Vespa velutina) zu erkennen, die in den nächsten Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit die niedrigen und mittleren Höhenlagen besiedeln wird. Auch ein Auftreten des Kleinen Beutenkäfers (Aethina tumida), der in der Schweiz bisher nicht vorkommt, sich aber in Süditalien angesiedelt hat, ist in den nächsten Jahren nicht auszuschliessen. Es lohnt sich, regelmässig die Informationen des BGD (Webseite, Newsletter) zur Situation der verschiedenen invasiven Arten zu konsultieren und die geltenden Empfehlungen zu befolgen.

Vorbeugen ist besser als heilen

Da sich bei den Bienen die Verwendung von Tierarzneimitteln auf die Durchführung von Varroabehandlungen beschränkt, muss die Imkerin / der Imker vor allem den guten Gesundheitszustand der Völker sicherstellen, indem im Rahmen eines Betriebskonzepts (siehe www.bienen.ch/betriebskonzept) Strategien zur Vorbeugung von Krankheiten umgesetzt werden. Abgesehen von einem Standort, der für die Bienen und ihre Entwicklung günstig ist, erfordert dies eine sorgfältige Dokumentation des Gesundheitszustands und der an den Völkern ergriffenen Massnahmen (insbesondere der Austausch von Waben unter den Völkern). Das auf dem Bienenstand verwendete Material muss sauber sein. Jedes Jahr sollte ein Drittel der Waben erneuert werden. Die Erneuerung des Wabenbaus erfolgt idealerweise im Frühjahr, wenn die Bienen am liebsten Waben bauen und Brut aufziehen. Situationen, welche die Übertragung von Krankheitserregern durch Räuberei begünstigen, müssen vermieden werden. Das Anpassen der Fluglochgrösse an die Volksstärke und das sorgfältige Arbeiten bei der Fütterung tragen bereits viel dazu bei. Die Fütterung hilft, Trachtlücken zu überbrücken, und sorgt dafür, dass die Völker jederzeit über genügend Nahrung verfügen. Weiter sollten nur starke und gesunde Völker gehalten werden; dies ist nur möglich, indem man seine Völker selektiert und genügend Jungvölker in Reserve hält. Da die Einschleppung invasiver Arten häufig durch das Verstellen von Bienenvölkern erfolgt, empfiehlt der BGD, auf Bienenimporte zu verzichten, und beim Kauf von Bienen auf Völker aus der Region zurückzugreifen, deren Gesundheitszustand zuvor überprüft wurde.

Vielfältige Pollenreserven und ausreichend Honig sind für die Gesundheit der Bienenvölker von Vorteil.

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