Die Biene des Jahres: Die Aschgraue Sandbiene

07/25 | BienenSchweiz
Sarah Grossenbacher, Redaktion Schweizerische Bienen-Zeitung, (sarah.grossenbacher@bienenschweiz.ch); Fotos: Sarah Grossenbacher

Die Aschgraue Sandbiene wurde am Weltbienentag am 20. Mai zur ersten Schweizer Biene des Jahres gewählt. Sie steht stellvertretend für alle bodennistenden Arten und hat sich in einem öffentlichen Voting gegen die Reseden-Maskenbiene und die Grosse Wollbiene durchgesetzt.

Die Wahl zum «Vogel des Jahres» oder «Tier des Jahres» ist vielen bekannt. Schon seit Jahren wird die Bevölkerung mit diesen Initia­tiven auf die Bedrohungen und Herausfor­derungen der heimischen Tier- und Pflanzenwelt aufmerksam gemacht. Zum ersten Mal hat nun BienenSchweiz zusammen mit der Öffentlichkeit die «Biene des Jahres» gewählt und stellt so die unterschiedlichen Bedürfnisse der verschiedenen Bienenarten ins Rampenlicht. Gewonnen hat die Aschgraue Sandbiene (Andrena cineraria), die durch die Wahl in den Medien Beachtung fand.

TeleBärn informierte am 20. Mai über die Wahl der Biene des Jahres. Auch Tageszeitungen wie die NZZ berichteten über die Aschgraue Sandbiene und die Bedürfnisse der Bienen. (Foto: TeleBärn)

Keine Langstreckenfliegerin

Die Aschgraue Sandbiene fällt durch ihre grau-weisse Behaarung und die schwarzen Querbinden auf, während ihr glänzend schwarzer Hinterleib je nach Licht bläulich schimmert. Die Art kommt fast in der ganzen Schweiz vor und ist von März bis Ende Juni an Waldrändern, Waldlichtungen, auf trockenen Wiesen, Weiden und im Siedlungsraum in Gärten und Parks anzutreffen.

Die Aschgraue Sandbiene (Andrena cineraria) ist die erste «Biene des Jahres». Die Aschgraue Sandbiene steht stellvertretend für alle Bodennisterinnen – eine Gruppe, die besonders gefähdet ist.

Ihre Nester legt sie unterirdisch an: 10 bis 22 cm tief, mit zwei bis drei Brutzellen pro Nest. Oft bildet sie Kolonien von bis zu mehreren Hundert Nestern. Sie bevorzugt keine bestimmte Bodenart und nistet manchmal sogar in sandgefüllten Fugen zwischen Bodenplatten. Jede Brutzelle wird mit Pollen versorgt, von dem sich dann die heranwachsende Larve ernährt. Dafür sind rund acht Sammelflüge nötig, die im Durchschnitt 1,5 Stunden dauern können. Somit dauert die Versorgung einer einzelnen Brutzelle rund zwei Tage.

Hier nistet eine Aschgraue Sandbiene zwischen Steinplatten.

Wie die meisten Wildbienen fliegt auch die Aschgraue Sandbiene nur kurze Distanzen: Sie fliegt nicht weiter als 300 Meter von ihrem Nest weg. Um ihre Brut zu versorgen, ist sie also auf ein reiches Blütenangebot im direkten Umfeld angewiesen: Löwenzahn (Taraxacum officinale aggr.), Acker-Senf (Sinapsis arvensis), Schlehe (Prunus spinosa), Heckenrosen (zum Beispiel: Rosa canina) oder die Sal-Weide (Salix caprea) gehören zu ihren Lieblingen.
 

Vielfältige Schwestern

In der Schweiz gibt es etwa 130 Sandbienenarten, eine davon ist die Aschgraue Sand­biene. Viele ihrer Gattungsgenossinnen sammeln Pollen und Nektar an unterschiedlichsten Blütenpflanzen – man spricht von polylektischem Verhalten. Beispiele dafür sind die Rotschopfige Sandbiene (Andrena haemorrhoa) oder eben auch die Aschgraue Sandbiene selbst. Auch wenn sie Generalisten sind, haben sie ihre Vorlieben: So können Sie sie in ihrem Garten mit Kreuzblütlern, Schmetterlingsblütlern oder Korbblütlern unterstützen.

Es gibt aber auch spezialisierte Vertreterinnen, sogenannte oligolektische Sandbienen. Sie sind auf einzelne Pflanzenfamilien oder -gattungen angewiesen. So fliegt die Zaunrüben-Sandbiene (Andrena florea) nur Zaunrüben (Bryonia dioica) an – eine mehrjährige Kletterpflanze, die Sie am Gartenzaun oder am Heckenrand ansiedeln können. Die Skabiosen-Sandbiene (Andrena marginata) hingegen mag Tauben-Skabiosen (Scabiosa columbaria), das Abbisskraut (Succisa pratensis) oder die Feld-Witwenblume (Knautia arvensis), während die Weiden-Sandbienen (Andrena vaga) wiederum ganz auf Weidenkätzchen spezialisiert sind.

Eine Rotschopfige Sandbiene (Andrena heamorrhoa) auf einer Knoblauchrauke (Alliaria petiolata) – eine Pflanze, die oft ausgejätet wird, aber als Kreuzblütler ein Sandbienen-Favorit ist!

Mut zur Lücke!

Neben der Aschgrauen Sandbiene nisten zahlreiche andere Wildbienenarten der Schweiz ebenfalls im Boden. Für sie sind die klassischen Insektenhotels wertlos. Vielmehr bevorzugen sie offene Bodenstellen auf lückig bewachsenen Wiesen und Rasen oder auch Böschungen mit Abbruchkanten. Einige Bodennisterinnen haben spezielle Ansprüche an die Bodenart, Korngrösse oder auch die Hangneigung. Daher gelten sie als besonders gefährdet. Gemäss der Roten Liste des BAFU sind 51,1% von ihnen bedroht.

Wenn Sie der Aschgrauen Sandbiene und ihren Schwestern helfen wollen, gilt: Mut zur Lücke! Belassen Sie die lückigen Stellen in ihrem Rasen oder Blumenbeet, wo die fleissigen Bestäuberinnen nisten können. Auch breite, sandige Fugen zwischen den Bodenplatten oder offener Boden entlang von Mauern und Hauswänden sind willkommene Nistplätze.

Mut zur Lücke! Bodennistenden Wildbienen hilft es, wenn wir mal ein Auge zudrücken und nicht jede Ecke bepflanzen.

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