Lösungen für den Schutz der Bienen sind vorhanden, doch an der Umsetzung hapert es häufig. Deshalb lanciert BienenSchweiz unter dem Dach von apisuisse gemeinsam mit Future 3 eine Bienen-Initiative, um die Bestäubung in der Verfassung zu verankern und ein starkes Signal in Politik und Gesellschaft zu setzen.
Im Jahr 2024 kontaktierten Vertreter der Stiftung Future 3 die Verantwortlichen von apisuisse mit der Idee einer «Bienen-Initiative». Die Bienenvertreter zögerten jedoch anfänglich: «Damals fand gerade die Motion «Sicherung der Insektenbestäubung, insbesondere durch Wild- und Honigbienen» im Ständerat und Nationalrat eine breite Zustimmung von links bis rechts», erklärt Mathias Götti Limacher, Präsident von apisuisse und Geschäftsführer von BienenSchweiz. Man war überzeugt, dass man politisch auf dem richtigen Kurs sei, und empfand eine Initiative zu diesem Zeitpunkt als unnötig.
Die Gespräche mit Future 3 wurden dennoch fortgesetzt. «Mit Erfolg», hält Mathias Götti Limacher fest. «Wir konnten unsere Anliegen und Forderungen platzieren, Argumente ausarbeiten und einen straffen, mehrheitsfähigen Initiativtext formulieren.» Das gemeinsame Ziel: die Bienen und die Sicherung der Bestäubung in der Verfassung zu verankern.
Viel Bewegung, wenig Fortschritt
Das Parlament erkennt, dass beim Thema Bienen- und Insektensterben Handlungsbedarf besteht, und hat den Bundesrat mehrfach beauftragt, Lösungen zu finden. Als direkte Folge der anfangs erwähnten Motion wurden beispielsweise im Aktionsplan Biodiversität Phase II verschiedene Massnahmen vorgesehen, um dem Insektensterben entgegenzuwirken. Dadurch erhielt auch BienenSchweiz einen Auftrag vom BAFU, um konkrete Projekte umzusetzen. «Solche Schritte sind wichtig, um gemeinsam weiterzukommen», erklärt Mathias Götti Limacher. Die Bundesverwaltung und die Wissenschaft hätten solide Grundlagen und Massnahmen zum Erhalt und zur Förderung von Bienen und einheimischen Bestäuberinsekten erarbeitet. Es brauche aber noch mehr: «Wir wünschen uns ambitioniertere Massnahmen und vor allem konkrete Umsetzungen, denn die Bestäubung muss auch für zukünftige Generationen gesichert sein», so Götti Limacher weiter.
Bienen in die Verfassung
Die zwei zentralen Forderungen der Initiative bestehen darin, die Bestäubung zu sichern und den Schutz der Bienen in der Verfassung zu verankern. In einem neuen Artikel sollen unter anderem die Sicherung der Bestäubungsleistung sowie die Förderung der Bestände und der Vielfalt der Bienen verankert werden.
Lösungen statt Verbote
Mit der Initiative soll ein lösungsorientiertes, gemeinschaftliches Vorgehen verfolgt werden, bei dem weder Schuldzuweisungen noch Verbote im Fokus stehen. «Wir sind überzeugt, dass wir so mehr erreichen können», betont Claudia Bregy-Eyer, Vizepräsidentin von BienenSchweiz und Präsidentin der Stiftung für die Bienen. Das zeige sich beispielsweise auch am Blühflächenprogramm von BienenSchweiz, an dem jährlich zahlreiche Landwirtinnen und Landwirte teilnehmen. «Gemeinsam mit ihnen erarbeiten wir Lösungen für einen bienenfreundlichen Betrieb. Dies ist dank der Zusammenarbeit mit der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften durch die Forschung abgestützt», erklärt Claudia Bregy-Eyer und fügt hinzu: «Solchen praxisnahen Leuchtturmprojekten und Pionierbetrieben möchten wir mit unserer Initiative mehr Raum geben.»
Grosse Signalwirkung
Die Initiative schliesst nicht nur eine Verfassungslücke, sondern lenkt schon vor der Abstimmung den Blick auf Bienen und Bestäuberinsekten. Sie wird der Gesellschaft den kritischen Zustand der Wildbienen zeigen, die Arbeit der Imkerinnen und Imker hervorheben und vor der Gefahr durch die Asiatische Hornisse warnen. Vielleicht werden mehr Eigentümer:innen ihre Gärten bienenfreundlicher gestalten und Gemeinden Konzepte für einen nachhaltigen Bienenschutz entwickeln. «Die Initiative kann genau diese Dynamik in Gang setzen. Davon bin ich überzeugt», hält Bregy-Eyer fest. Für BienenSchweiz eröffne die Initiative somit die Chance, die Anliegen von Bienen und Imkerei stärker in Politik und Öffentlichkeit zu verankern. Der Verband gewinnt damit an Sichtbarkeit – und an Gehör.
Die ersten Hürden werden nun die Delegiertenversammlungen der drei Landesverbände – BienenSchweiz, SAR und FTA – sein. Bei einer Annahme beginnt die Unterschriftensammlung am 20. Mai, dem Weltbienentag. Die Bieneninitiative ist für BienenSchweiz ein Jahrhundertprojekt. Entsprechend hoffen die Verantwortlichen, dass die Imkerschaft voll hinter der Initiative steht.
Weitere Informationen rund um die Bieneninitiative finden Sie hier.
