Gemeinsam Lebensräume für Bienen schaffen – das Blühflächenprogramm 2025

04/26 | BienenSchweiz
Michelle Knecht, Redaktion Schweizerische Bienenzeitung, (michelle.knecht@bienenschweiz.ch)


Wildbienen und andere Bestäuber stehen seit Jahren unter Druck. Intensiv genutzte Landwirtschaftsflächen, versiegelte Böden und stark verbaute Flächen führen dazu, dass vielerorts Nahrung und Nistplätze fehlen. Umso schöner, dass BienenSchweiz im Jahr 2025 gemeinsam mit Landwirt:innen, Organisationen, Gemeinden und Schulen neue Lebensräume für Bestäuber schaffen konnte.

Im vergangenen Jahr entstanden 272 960 Qua- dratmeter Blühflächen, verteilt auf 127 Flächen in 14 Kantonen. Seit Beginn des Blühflächenprojektes im Jahr 2022 wurden damit über 1,2 Millionen Quadratmeter Blühflächen umgesetzt, das entspricht etwa 170 Fussballfeldern.

Die Mehrheit dieser Flächen ist mehrjährig angelegt, etwa Nützlingsstreifen, Buntbrachen, Hecken oder Kräutersäume. Sie bieten nicht nur Nahrung, sondern auch langfristige Nistmöglichkeiten für Wildbienen.

Auf einer Buntbrache blühen der Gemeine Natterkopf sowie die Färber-Hundskamille. Foto: Marius Fischer
Auf einer Buntbrache blühen der Gemeine Natterkopf sowie die Färber-Hundskamille. (Foto: Marius Fischer)

Blütenmeer statt «grüne Wüsten»

Gerade im Sommer, wenn viele Wiesen bereits gemäht sind, ist das Blütenangebot knapp. Um diese kritische Zeit etwas abzu­federn, wurden auch 2025 besonders häufig mehrjährige Nützlingsstreifen angelegt und bestehende Wiesen aufgewertet. Extensiv bewirtschaftete Wiesen sind deutlich artenreicher als intensiv gedüngte Flächen. Ihre lückige Vegetation bietet auch offene Bodenstellen, wo Wildbienen nisten können.

Solche Magerwiesen sind im Schweizer Mittelland jedoch selten geworden. Oft reicht eine Bewirtschaftungsumstellung allein nicht aus, um sie wieder artenreich zu machen. In solchen Fällen hilft eine Neuansaat.

Damit solche Projekte gelingen, spielt Beratung eine wichtige Rolle. Letztes Jahr fanden 48 Beratungen vor Ort statt. «Landwirt:innen wollen wissen, welche Fläche sich eignet, wie man den Boden vorbereitet, welche Maschinen für die Aussaat sinnvoll sind. Gerade bei komplexeren Fragen zur Standortwahl und welche Flächentypen sich für den Betrieb eignen, ist es hilfreich, die Flächen gemeinsam vor Ort zu bestimmen», erklärt Marius Fischer, Berater des Blühflächenprogramms.

Marius Fischer berät Landwirt:innen im Blühflächenprogramm. So passen die neuen Flächen optimal in die Betriebe und können erfolgreicher umgesetzt werden. Foto: Joëlle Quadri
Marius Fischer berät Landwirt:innen im Blühflächenprogramm. So passen die neuen Flächen optimal in die Betriebe und können erfolgreicher umgesetzt werden. (Foto: Joëlle Quadri)

Hecken als Lebensadern

Auch Hecken wurden 2025 gepflanzt. In den Regionen Aargau und Zürich entstanden gemeinsam mit IP-Suisse und Hiestand 500 Meter, schweizweit sogar über ein Kilometer.

Hecken sind wertvolle Lebensräume und «Snack-Ecken» für viele Tierarten. Bei der Planung achtet Fischer darauf, dass sie sowohl ökologisch sinnvoll sind, als auch in den Betriebsablauf passen. «Die Hecke darf nicht im Weg sein», sagt er. «Sie soll der Landschaft Struktur geben und idealerweise verschiedene Lebensräume miteinander verbinden.»

Ebenso wichtig ist die Auswahl der Pflanzen. Ziel ist es, dass über die ganze Saison etwas blüht. Dornensträucher wie Schwarzdorn, Weissdorn oder Wildrosen sind ebenfalls wichtig. Sie bieten neben Pollen und Nektar auch Unterschlupf für Vögel.

«Sandkästen» für Wildbienen

Ein weiteres Highlight waren Sandlinsen, künstlich angelegte offene Bodenflächen aus feinem Natursand. Etwa 75% der Wildbienenarten in der Schweiz nisten im Boden, doch geeignete Nistplätze sind selten geworden.

Gemeinsam mit Partnern wie Ricola und IP-Suisse entstanden im vergangenen Jahr 24 solche Sandlinsen. «Das Wichtigste ist, dass diese Bodenstellen wirklich offen bleiben», erklärt Fischer. Seine Empfehlung: «Sobald man etwas Grünes sieht, sollte man es entfernen. Wartet man zu lange, könnten beim Entfernen der Pflanzen die Nistgänge der Wildbienen beschädigt werden.»

Gemeinsam mit IP-Suisse und Ricola konnten im vergangenen Jahr zahlreiche Sandlinsen umgesetzt werden. Ein Grossteil der Wildbienen nistet in offenen Bodenflächen. Für einige von ihnen bieten Sandlinsen ein willkommenes «Bienenhaus».
Gemeinsam mit IP-Suisse und Ricola konnten im vergangenen Jahr zahlreiche Sandlinsen umgesetzt werden. Ein Grossteil der Wildbienen nistet in offenen Bodenflächen. Für einige von ihnen bieten Sandlinsen ein willkommenes «Bienenhaus» (Foto: Marius Fischer).

Zwischen Wetterkapriolen und Neophyten

Ganz ohne Herausforderungen verlief das Jahr nicht. Ein feuchter Frühling, trockener Frühsommer und danach längere Regenperioden erschwerten mancherorts die Ansaat. «Den richtigen Zeitpunkt zu treffen, war nicht einfach», so Fischer. Wenn der Boden zu nass sei, müsse man im Zweifelsfall warten: «Es ist besser, die Aussaat zu verschieben, als den Boden durch Verdichtung langfristig zu schädigen.»

Auch invasive Pflanzenarten waren ein Thema. Arten wie das Einjährige Berufkraut oder Goldruten finden auf frisch angesäten Flächen besonders gute Bedingungen und müssen rechtzeitig entfernt werden – oft mit viel Handarbeit.

Invasive Neophyten wie hier das Einjährige Berufkraut können sich in neu angesäten Blühflächen rasch vermehren und müssen von Hand ausgejätet werden. Foto: Sarah Grossenbacher
Invasive Neophyten wie hier das Einjährige Berufkraut können sich in neu angesäten Blühflächen rasch vermehren und müssen von Hand ausgejätet werden. (Foto: Sarah Grossenbacher)

Gemeinsam für die Bestäuber

Trotzdem überwiegen für den Berater die positiven Momente. Besonders gerne erinnert er sich an den Austausch mit den Flächenbesitzenden vor Ort – umso mehr, wenn die neu angelegten Blühflächen bereits blühen.

Ein weiteres Highlight war der Heckentag im November 2025, bei dem auf drei Landwirtschaftsbetrieben gemeinsam mit vielen Freiwilligen neue Hecken gepflanzt wurden. «Es war schön zu erleben, wie es allen Freude bereitete, gemeinsam etwas für die Bestäuber und die Biodiversität umzusetzen.»

Das Blühflächenjahr 2025 in Zahlen

  • 272 960 m2, auf 127 Flächen, verteilt auf 14 Kantone
  • 36 Landwirtschaftsbetriebe, 6 Gemeinden/Organisationen, 4 Private
  • 48 persönliche Beratungen vor Ort
  • 4 Vorträge, 5 Kurse

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