Mit Blüten, Blättern, Beeren, Dickicht und Dornen durchqueren Hecken unsere Landschaften und bilden wahre Hotspots der Biodiversität.
Sarah Grossenbacher, Redaktion Schweizerische Bienen-Zeitung (sarah.grossenbacher@bienenschweiz.ch)
Über 10 000 Tierarten finden in Hecken einen Lebensraum. Für Bienen sind Hecken unverzichtbar: In den markhaltigen Brombeerstängeln nistet beispielsweise die Dreizahn-Stängelbiene und Andrena bucephala findet in Bäumen und Sträuchern wie der Vogelkirsche, dem Zweigriffligen Weissdorn oder der Sal-Weide Pollen für ihren Nachwuchs. Allgemein bieten Hecken Bienen ein durchgehendes Trachtfliessband: Von den frühen Weiden, über die Kornelkirschen, den Hundsrosen im Sommer oder dem Efeu am Ende der Saison.
Viele typische Heckenbewohner geraten unter Druck: Der Verlust strukturreicher Landschaften trifft Feldhase, Neuntöter, Igel ebenso wie Baumweissling, Pflaumen-Zipfelfalter, Gemeine Sichelschrecke, Mauswiesel oder Kirschbaum-Prachtkäfer. Sie alle sind auf die Vielfalt, den Schutz und das Nahrungsangebot intakter Hecken angewiesen.

Im Einsatz am Heckentag
Bereits zum siebten Mal hat der Verein Heckentag Schweiz zum nationalen Heckentag aufgerufen. Am 8. November beteiligten sich an 30 Orten in der ganzen Schweiz Freiwillige daran, wertvolle Hecken zu pflanzen, zu pflegen und aufzuwerten. Seit einigen Jahren unterstützt die Stiftung für die Bienen den Verein Heckentag Schweiz. Mit der Entwicklung des Blühflächenprogramms engagiert sich auch BienenSchweiz gemeinsam mit IP-SUISSE und der Hiestand Schweiz AG am nationalen Aktionstag.

Marius Fischer, Berater im Blühflächenprogramm, war dieses Jahr an mehreren Pflanzaktionen unterwegs. Wir wollten von ihm wissen, welche Bedeutung Hecken im Blühflächenprogramm haben – und worauf es bei der Planung und Pflege besonders ankommt:
Marius, du bist für BienenSchweiz im Blühflächenprogramm tätig. Welche Rolle spielen dabei Hecken?
Hecken sind ein wertvolles Blühelement, weil sie mit ihren verschiedenen Pflanzenarten ein Nahrungsangebot für Bestäuber über die ganze Saison liefern und Trachtlücken schliessen. Flächenmäs-sig machen die Hecken bei uns im Blühflächenprogramm nur einen sehr kleinen Teil aus, weil sie anders als andere Blühflächen wie Blumenwiesen oder Buntbrachen lediglich in «Streifenform» angelegt werden. Dank des Projekts zum 30-jährigen Bestehen von Hiestand konnten wir dank der Übernahme durch IP-Suisse und der Unterstützung von Hiestand dieses Jahr mehr Hecken umsetzen. So wurden am Heckentag am 8. November allein in diesem Projekt 400 m Hecken gesetzt.
Du berätst Landwirte und erstellst für sie Heckenpläne. Worauf achtest du da besonders?
Bei der Beratung achte ich darauf, einen Standort zu finden, der zur Bewirtschaftung passt und nicht im Weg ist. Gleichzeitig sollte die Hecke an einem Ort stehen, an dem sie der Biodiversität möglichst gut dient – etwa indem sie zwei Lebensräume wie Wald und Blumenwiesen verbindet oder der Kulturlandschaft zusätzliche Struktur gibt. Beim Erstellen der Pflanzpläne wähle ich die Sträucher so, dass über die ganze Saison etwas blüht. Wichtig sind auch genügend Dornensträucher wie Schwarzdorn, Weissdorn und Wildrosen. Sie liefern Nektar, Pollen und später Beeren und bieten Vögeln Unterschlupf. Zuletzt plane ich die Anordnung der Arten: Schnellwachsende Sträucher und Bäume kommen in die Mitte, konkurrenzschwächere und sonnenliebende Arten auf die Südseite, konkurrenzstärkere oder schattenverträgliche Arten auf die Nordseite. So können sich alle optimal entwickeln.
Wie nimmst du die Bereitschaft von Landwirtinnen und Landwirten wahr, Hecken zu pflanzen?
Grundsätzlich ist die Bereitschaft der Landwirtinnen und Landwirte, etwas für die Biodiversität oder konkret für die Bestäuber zu tun, gross. Bei Hecken sind sie zurückhaltender. Dafür gibt es mehrere Gründe: Einerseits ist eine Hecke ein Element mit einem offenen Anlagehorizont. Das heisst, dass sie, wenn möglich, nicht mehr aufgelöst wird und dieser Standort somit für andere Bewirtschaftungsformen ausgeschlossen ist. Die Auflösung einer Hecke ist laut Heckenschutzgesetz, in das eine Hecke je nach Kanton nach einem oder mehreren Jahren hineinfällt, nämlich untersagt und somit strafbar.
Ein weiterer Grund für die Zurückhaltung ist die Angst vor einem grossen Pflegeaufwand. In den ersten Jahren müssen die neuen Pflanzen geschützt oder ausge-mäht werden, damit sie genügend Licht bekommen. Später muss eine Hecke re-gelmässig, alle drei bis fünf Jahre zurück-geschnitten werden, damit die Qualität für die Biodiversität erhalten oder gestei-gert werden kann.
Es braucht also im Vorfeld eine gute Standortabklärung und eine Pflegestrate-gie für die folgenden Jahre und Jahrzehn-te. Vor dem Pflegeaufwand kann ich den Bewirtschaftern meist die Angst nehmen, denn die maschinelle Pflege von Hecken ist ziemlich effizient und fast in allen Regionen gibt es Lohnunternehmer, die das ausführen können.
Wenn du wählen könntest, welches sind deine drei Lieblingsheckenpflanzen?
Das ist schwierig zu sagen. Jede Pflanze hat ihren Platz und ihre Berechtigung. Wenn ich drei hervorheben müsste, nen-ne ich folgende drei, um die Diversität ei-ner Hecke etwas zu zeigen:
Da ist zum einen die Kornelkirsche, auf Schweizerdeutsch auch Tierlibaum ge-nannt. Sie blüht im Frühling sehr früh, schön gelb und ist damit eine der ersten Nahrungsquellen unserer geliebten Bienen. Zudem ist sie anspruchslos und passt auch gut in jeden Garten, gerade als Ersatz für die Forsythie, welche den Bestäubern nichts bringt. Dazu liefert sie später viele kleine Früchte, die entweder von den Vögeln verspeist werden oder aus denen man Sirup oder Gelee herstellen kann.
Ein weiterer Favorit ist für mich der Faulbaum. Er erscheint und blüht zwar unscheinbar und die Früchte sind für uns Menschen ungeniessbar oder gar giftig. Aber sein Trumpf ist, dass er eine lange Blühdauer hat. Es öffnen sich immer wieder Blüten und das erst noch in der blütenarmen Zeit Juni und Juli, teilweise noch länger. Die Königinnen der Hecke sind für mich die Wildrosen. Es gibt viele einhei-mische Arten, die alle ihre Vorzüge haben, deshalb fasse ich sie als Gruppe zusammen. Sie sind nicht die stärksten Trachtpflanzen, erfüllen aber viele weitere Funktionen. Sie blühen wunderschön weiss bis rosa und liefern später mit den leuchtend roten Hagebutten Nahrung für die Vögel. Dank dem dornigen Gestrüpp, das sie bilden können, sind sie auch ein beliebtes Versteck.
Häufige Fehler bei der Heckenpflanzung
- Junge Sträucher sind in den ersten ein bis drei Jahren empfindlich gegenüber Wasserentzug durch Gras. Regelmässiges Ausmähen oder Mulchen ist entscheidend, damit die Setzlinge genügend Licht und Wasser erhalten.
- Kleine Artgruppen gesetzt:Werden alle Arten einzeln verteilt, setzen sich langfristig nur robuste Sträucher wie Hasel, Hartriegel oder Ahorn durch. Besser sind Gruppen von 3–5 Pflanzen derselben Art – so können sich auch konkurrenzschwächere Arten etablieren und die Hecke bleibt vielfältig.
Ein Verein packt an

Bereits zum vierten Mal hat der Imkerverein Sursee am Heckentag teilgenommen. Lukas Estermann erzählt uns im Interview mehr darüber:
Wie kam es zur Idee, dass ihr euch als Verein für den Heckentag engagiert?
Die Idee zur Teilnahme ist erstmals im Jahr 2022 gekommen. Der Gedanke ist, dass man mit der Pflanzung von einheimischen Sträuchern und Hecken auch das Nahrungsangebot für Wild- und Honigbienen verbessern kann. Zudem bieten solche Hecken auch Überwinterungsmöglichkeiten für Kleintiere und Insekten sowie Futter für Vögel und andere Tiere. Es ist also hauptsächlich der ökologische Gedanke, der uns dazu geführt hat. Dieser Event findet jeweils unter der Organisation des Vereins Heckentag Schweiz statt und bietet damit Vereinfachungen z. B. in der Pflanzenbeschaffung, aber auch bei der Teilnehmerorganisation, sofern gewünscht.
Hecken pflanzen an einem kalten Novembertag… konntet ihr genug freiwillige Helferinnen und Helfer finden?
Bisher hat der Heckentag bei uns wirklich guten Anklang gefunden. Die Witterung tut da nichts zur Sache. Der Gedanke der ökologischen Aufwertung und Förderung der Biodiversität scheint bei unseren Mitgliedern tatsächlich gut anzukommen. Wir versuchen jeweils auch diesen Anlass mit anderen Sachen zu kombinieren. Letztes Jahr war es beispielsweise die Schaffung von Kleinstrukturen unter der Leitung eines Spezialisten. Dieses Jahr haben wir uns zudem noch mit dem Verein Natur Michelsamt zusammengetan. Auch von ihnen sind einige Teilnehmende dazu gekommen. Für die diesjährige Umsetzung haben wir zudem über Natur Michelsamt einen Ort für die Pflanzung gefunden. Mit Gaia’s Farm von Tilika Chamberlin haben wir wirklich einen tollen Standort gefunden und konnten ein cooles Projekt umsetzen, wo wir dann auch gleich noch etwas über die Permakultur und den Hof erfahren durften.
Gibt es noch andere Projekte, in denen ihr euch als Verein aktiv engagiert?
Mit unserem Verein werden wir stetig angefragt für verschiedene Teilnahmen an Veranstaltungen. Dadurch ergeben sich tatsächlich immer wieder neue Engagements.
Oft handelt es sich dabei um regionale Events oder auch Zusammenarbeiten mit Vereinen oder Institutionen. Ein Beispiel ist die diesjährige Teilnahme an der Mostwoche der Firma Ramseier in Sursee, oder der Stand, den wir am Event des Gewerbevereins Sursee machen durften. So versuchen wir uns auch der Bevölkerung zu zeigen und über das Thema Bienen Informationen unter die Leute zu bringen.
Weiter engagieren wir uns mit einer vereinseigenen « Taskforce Asiatische Hornisse », die bei der Nestsuche im Vereinsgebiet hilft. Es gibt also einiges, was wir als Verein gemeinsam machen und aufzeigen können.
Du bist im Vorstand des Imkervereins Sursee für das Ressort «Blühflächen » verantwortlich. Was muss man sich darunter genau vorstellen?
Dieses Ressort ist vor allem dafür gedacht, dass wir bei internen, aber auch externen Anliegen zu Blühflächen oder möglichen Aufwertungen zugunsten von Wild- und Honigbienen Auskunft geben können. Da gehört eben auch der Heckentag dazu. Als gelernter Gärtner kann ich da mein Fachwissen gut mit einbringen und Auskünfte erteilen. Selbstverständlich gehört da auch dazu, auf das Blühflächenprojekt von Bienen Schweiz aufmerksam zu machen.


