Internationale Arbeitstagung am Plantahof in Landquart

01/26 | Wissenschaft und Praxis
Gabi Morhart, Bündner Kantonalverband, (info@honigundso.ch)


195 Teilnehmer aus 16 Nationen folgten der Einladung der Arbeitsgruppe «Varroaresistenz 2033» in die Schweiz. Drei Tage drehte sich anfangs November an der landwirtschaftlichen Schule in Landquart alles um Honigbienen, die ohne medikamentöse Behandlung gesund sind.

Seit in den 1990iger Jahren die Varroamilbe in Europa angekommen ist, hat sich die Problematik eher verschärft als verbessert: Die offizielle Bekämpfungsstrategie, hauptsächlich mit Säuren, scheint nicht ausreichend zu wirken. Die Nebenwirkungen sind hoch, die Verluste auch, die Bienen sind anfällig. Dazu kommen immer mehr Viren, die die Völker belasten und eine Gefahr darstellen. Neue Bedrohungen und Probleme stehen vor der Tür. Es ist an der Zeit, andere Wege zu gehen.

Überall in Europa gibt es Projekte, die beweisen, dass es möglich ist, Honigbienen nach natürlicher Varroaresistenz zu selektionieren, diese genetischen Merkmale zu verbreiten und somit die Gesundheit der allgemeinen Bienenpopulation zu verbessern.

Die Arbeitsgruppe Varroaresistenz 2033 ruft nationale und internationale Imkerverbände, Bieneninstitute, Behörden, Ministerien und alle Imker/-innen dazu auf, gemeinsam dieses Ziel zu verfolgen und sich zu vernetzen.

Die Organisatoren Thomas Heynemann Küenzi und Tino Lorz mit ihren zahlreichen Helferinnen und Helfern haben dann auch ein vielfältiges Programm zusammengestellt.

Genetik, Betriebsweise, Umwelt

25 Jahre behandlungsfreie Betriebe aus Norwegen (Anita Reinertsen) und den USA (Kirk Webster) gewähren einen Einblick in die Anfänge bis heute. Im Alleingang haben sie das grosse Ziel der Behandlungsfreiheit erreicht. Die Resistenz oder Toleranz basiert auf einem Zusammenspiel aus Genetik, Betriebsweise und Umwelt. Nicht alle Einflussfaktoren sind mess- oder eindeutig belegbar. Entsprechend ist es für die Wissenschaft oft schwierig, die Wirkmechanismen vollständig nachzuweisen. Eine hundertprozentige Resistenz gibt es nicht – dennoch wird das Vorgehen häufig grundsätzlich infrage gestellt, obwohl es in der Praxis funktioniert. Es braucht starke Persönlichkeiten. Denn auch dieses Themenfeld ist geprägt von menschlichen Spannungen – von Anfeindungen, Ausgrenzung bis hin zu Drohungen. Solche Dynamiken sind nicht einzigartig, sondern zeigen sich ebenso in anderen Bereichen, etwa in der Medizin (Schulmedizin versus Naturheilkunde) oder in der Landwirtschaft (konventionelle versus regenerative Bewirtschaftung).

Die Gruppe wächst

In den meisten Ländern zeigt sich ein ähnliches Bild. Offizielle Stellen tun sich schwer damit, sich von etablierten Lehrmeinungen zu lösen und neben der als sicher geltenden Behandlung mit Säuren auch erprobte biotechnische Massnahmen in ihre Programme aufzunehmen oder gängige Behandlungsstrategien grundsätzlich zu hinterfragen. An der Tagung begegnet man daher auch dem Frust mancher erfolgreicher Imkerinnen und Imker der behandlungsfreien Imkerei, deren Arbeit im eigenen Umfeld kaum Anerkennung findet. Stattdessen werden sie nicht selten als Spinner oder Querulanten abgetan. So tut es sichtlich gut, unter Gleichgesinnten Kraft und Mut für den eingeschlagenen Weg zu tanken.

Der Weg scheint der richtige zu sein. Die AG wächst von Jahr zu Jahr und Berichte über Erfolge häufen sich. In England ist die Akzeptanz dieser Ansätze bereits seit vielen Jahren vergleichsweise hoch. Laut Steve Riley beteiligen sich in einigen Regionen rund 25 % der Imkerinnen und Imker an der Basiszucht. Dabei werden die 20 % der Völker, die am schlechtesten mit der Varroamilbe zurechtkommen, aufgelöst oder umgeweiselt, während von den besten 20 % gezielt nachgezogen wird. Die Vermehrung erfolgt meist aus dem eigenen Bestand und überwiegend über Standbegattung. Der Erfolg zeigt sich deutlich: Auf der Karte nehmen die Markierungen behandlungsfreier Bestände stetig zu. Dies könnte schon bald ausreichen, um die entsprechende Genetik flächendeckend zu verbreiten – das Zieljahr 2033 scheint hier in greifbare Nähe zu rücken.

Weiter werden Genetik und Zucht auf hohem Niveau erklärt und Zuchtpläne erstellt. Ausserdem werden Forschungsprojekte aus Österreich, England, Frankreich und der Schweiz vorgestellt. Sehr viel Augenmerk wird aber auf die Basis der Imkerschaft gelegt. In Arbeitsgruppen und Vorträgen werden Basiszucht – einfach, verständlich und sofort umsetzbar – vorgestellt. Jeder, der eine Wabe ziehen kann, kann Basiszucht betreiben. Auch ist es möglich, unter dem Binokular die Milbenvermehrung in den Zellen auszuzählen. Es wird diskutiert, wie das vorhandene Wissen bis zur Basis der Imkerschaft getragen werden kann. Ziel ist es, durch Aufklärung Vertrauen, Sicherheit und Mut zu schaffen, um Behandlungen gezielt und schrittweise durch Auslese und biotechnische Massnahmen zu ersetzen und damit stärker auf die natürliche Abwehr der Bienenvölker zu setzen.

Wichtig ist der persönliche Austausch unter Referenten, Teilnehmern und Mitgliedern der Arbeitsgruppe. Überzeugt, dem Ziel der resistenten Bienen näher zu kommen, inspiriert von Erfolgen und Erfahrungen der anderen, sieht man nach drei Tagen zufriedene Gesichter, die den Weg nach Hause antreten, um dort das Wissen in die Praxis umzusetzen.

Weitere Informationen: www.varroaresistenzprojekt.eu

Wie haben Teilnehmende die Veranstaltung in Landquart erlebt?

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