Von Hawaii bis in die Schweiz zeigen Forschung und Praxis, dass Honigbienen lernen können, mit der Varroamilbe zu leben. Wer diese natürlichen Mechanismen versteht, beobachtet und fördert, kann den Grundstein für varroaresistente Bienenvölker legen.
1984 erreichte die weltweit verheerende parasitische Varroamilbe die Schweiz. Seither sind die meisten Imker:innen darauf angewiesen, chemische Akarizide einzusetzen, um die Milbenpopulationen in ihren Bienenvölkern in Schach zu halten. Die Entwicklung verlief in weiten Teilen der Nordhalbkugel ähnlich. Diese Vorgehensweise hat sich als Standard etabliert. Imker:innen, die behaupteten, ihre Völker ohne Varroa-Behandlungen erfolgreich zu halten, wurden häufig als «schlechte» oder «unverantwortliche» Imker abgestempelt. Diese Haltung war in Europa und den USA weit verbreitet. Viele Nichtbehandler blieben deshalb lieber im Hintergrund und gingen unauffällig ihrer Imkerei nach.

Imkern ohne Behandlung
Den meisten Imker:innen auf der Nordhalbkugel ist kaum bekannt, dass in weiten Teilen Lateinamerikas, der Karibik und des subsaharischen Afrikas seit mehreren Jahrzehnten erfolgreich ohne jegliche Varroabehandlung geimkert wird. Wie ist das möglich? Sind afrikanische oder afrikanisierte Honigbienen vielleicht anders als die Bienen, die wir in Europa halten?
Erst im vergangenen Jahrzehnt konnten Bienenforscher:innen erklären, wie und warum sich Varroaresistenz unabhängig voneinander in verschiedenen Honigbienenpopulationen weltweit entwickelt hat. Paradoxerweise spielt dabei gerade die Behandlung die wichtigste Rolle, da sie den Bienenvölkern den natürlichen Selektionsdruck nimmt, um ihr Verhalten an die Milben anzupassen. Das zeigt sich in Ländern wie Südafrika und Kuba, die bewusst auf Akarizide verzichten, sowie in Regionen Afrikas und Lateinamerikas, wo solche Mittel wegen hoher Kosten oder fehlender