Die Pollenkunde, auch Palynologie genannt, enthüllt nicht nur die Vegetationsgeschichte der Schweiz, sondern bestimmt auch die Herkunft und Qualität von Honig. So deckt sie Honigfälschungen auf und überwacht Umweltveränderungen.
Bereits vor mehr als hundert Jahren erkannten Forscher, dass Pollen helfen, die Vergangenheit zu rekonstruieren. Gehölze, Gräser und Kräuter erzeugen Blütenpollen – die männlichen Keimzellen der Pflanzen – in erheblichen Mengen. Vor allem der Blütenstaub windblütiger Pflanzenarten wird flächendeckend verbreitet und in Sediment-archiven von Seen und Mooren über Jahrtausende abgelagert und erhalten. Die grosse Formenvielfalt erlaubt es, Pollenkörner zu bestimmen und vielfach einer gewissen Art oder zumindest einer Artengruppe zuzuweisen. Anhand des in einer Sedimentprobe vorhandenen Pollenspektrums kann man Rückschlüsse auf die damalige Vegetation und Landschaften ziehen.
Von der Analyse des Klimawandels
Da mittlerweile eine grosse Anzahl von Standorten in der Schweiz mit solchen paläoökologischen Methoden untersucht wurde, erhalten wir einen guten Überblick über den Wandel der Vegetation seit der letzten Eiszeit. Im Hinblick auf den Klimawandel sind dies wichtige Erkenntnisse, die nun auch auf die Zukunft angewendet werden können. Beispiele aus der Vergangenheit zeigen, dass die Vegetation ohne Verzögerung auf bereits geringfügige Klimaänderungen reagiert. Schon um 1–2 °C wärmere Sommertemperaturen, wie sie auch während dem holozänen Temperaturoptimum vor 9000 bis 5000 Jahren vor heute herrschten, haben zur Folge, dass beispielsweise die Waldgrenze einige hundert Höhenmeter nach oben steigt.

… bis zum Honig
Ein besonders bedeutendes Einsatzgebiet der Palynologie ist auch die Analyse von Honig. Durch die Bestimmung von Pollen in Honig, auch Melissopalynologie genannt, lassen sich wertvolle Informationen über dessen Herkunft, Qualität und Authentizität gewinnen.