Stockkarten sind die Tagebücher der Bienenvölker – und der Imkerin. Hier halten wir Beobachtungen über das Geschehen im Volk sowie unsere Arbeiten fest. Welche Möglichkeiten gibt es?
Eine einfache Standardlösung, die für jeden Imker passt, gibt es bei den Stockkarten nicht. Was wir festhalten, hängt schliesslich auch von den eigenen Zielen in der Imkerei ab. Bei bestimmten Zuchtzielen sind detaillierte Aufzeichnungen wichtig, um am Ende über den Verbleib der Königin zu entscheiden. Wie hat sich der Varroatotenfall im Verlauf der Saison entwickelt, wie sanftmütig war das Volk, wie geschlossen das Brutnest? Auch für den Imker ohne grosse Zuchtambitionen sind ähnliche Beobachtungen für die Auslese wichtig.
Für mich persönlich gibt es drei Punkte, die ich bei jeder Kontrolle sehen möchte und auch in den Stockkarten festhalte: Gesunde Brut und Bienen, ein Zeichen, dass die Königin da ist, und genug Futter. Viel wichtiger als diese schönen Beobachtungen sind jedoch die Abweichungen, die ich ebenfalls aufschreibe und so gleich in die Planung der nächsten Schritte aufnehme. Weitere wichtige Beobachtungen zum Festhalten: Der Varroatotenfall zu bestimmten Zeitpunkten im Jahr, die Schwarmstimmung oder die Populationsstärke vor dem Einwintern.
Und natürlich schreibe ich auch die Arbeiten auf: Einengen, Mittelwände geben, Drohnenrahmen rein oder raus, Varroabehandlungen und so weiter – Missgeschicke gehören hier genauso dazu wie Glücksgriffe.
Analoge Möglichkeiten
Um dies alles festzuhalten, gibt es zahlreiche Möglichkeiten. Wohl am einfachsten ist es, die Beobachtungen und Eingriffe direkt auf der Beute festzuhalten, beispielsweise mit Kreide auf der Kastentür beim Schweizerkasten oder beim Innendeckel im Magazin.
Zu den Klassikern gehört die Stockkarte auf Papier, die es in allerlei Formaten mit vielen oder wenigen Vorgaben gibt. Entscheidend sind auch hier wieder die eigenen Bedürfnisse. Gerade für Anfänger bieten die Vorgaben zum Ankreuzen eine wichtige Checkliste, damit bei der Durchsicht nichts vergessen geht. Vereine bieten häufig eigene Stockkarten an. Mit einer kurzen Suche im Internet werden Sie rasch fündig und können die verschiedenen Optionen vergleichen und für Ihre Imkerei anpassen.
Stockkarten 2.0
Die Digitalisierung macht auch vor den Stockkarten keinen Halt und so gibt es bereits zahlreiche Stockkarten-Apps. Vielleicht kennen Sie iBeekeeper (www.ibeekeeper.de), die Imker-App des Deutschen Imkerbunds (www.dib-imker-app.de) oder auch BeeInTouch (www.beeintouch.de). Die BeeSmart-App (www.beesmart.org) wurde speziell für den Schweizer Markt entwickelt.
Durch die Digitalisierung wird so einiges möglich: Auswertungen, Termine und To-do-Listen werden auf einen Klick erstellt, Bilder vom schönen Brutnest können hochgeladen und gleich bei der Dokumentation eingefügt werden. Zudem können mehrere Personen gleichzeitig auf die Stockkarten zugreifen.
Mit den dicken Lederhandschuhen lässt sich das Smartphone jedoch kaum bedienen, mit den dünneren Nitrilhandschuhen aber schon. Der Nachteil: Das Smartphone wird propolisiert. In Imkerforen finden sich deshalb kreative Lösungsansätze: Beispielsweise das Handy mit Frischhaltefolie zu umwickeln. Aber vielleicht darf ein Imkerhandy ja durchaus etwas Propolis enthalten?
Hybrid
Wer am Bienenstand lieber einen sogenannten «Digital Detox» geniessen möchte, der wird sicher kein Freund von Stockkarten-Apps. Wenn Sie jedoch trotzdem von den technischen Möglichkeiten profitieren möchten, ist eventuell der hybride Weg passend: Notizen am Bienenstand auf Papier machen und anschliessend die Arbeiten digital zuhause nachtragen.
Wir haben bei fünf Imkerinnen/Imkern nachgefragt, welche Stockkarten sie verwenden.
Hansruedi Burn und Nora Meier – Papier und elektronisch

Die Stockkarte bildet das Archiv eines jeden Volkes. Kein Imker kann sich alle Arbeiten und Feststellungen von jedem Volk über die ganze Saison merken, unabhängig von der Anzahl Völker, die er pflegt! Wir werfen vor jedem Eingriff bei allen Völkern einen kurzen Blick auf die Stockkarte, sodass wir wissen, was wir bei den Völkern in der Vergangenheit festgestellt hatten. Wir haben unsere eigene Stockkarte, die wir von Jahr zu Jahr nach Bedarf ergänzen oder anpassen. Sie besteht aus einer Excel-Liste, die sowohl manuell auf Papier wie auch elektronisch geführt werden kann. Das Format ist A4 gefaltet, also A5, und hängt an der Kastentüre bzw. in einem Plastikmäppchen unter dem Deckel der Magazine. Auf beiden Seiten sind die Angaben zur Königin, die Arbeiten, Honig-Erträge, Varroa-Eingriffe und -Behandlungen sowie die Volksbeurteilung aufgeführt. Auf der Innenseite des Faltblattes notieren wir die Daten der Winterfütterung, die Art der Varroa-Behandlung des Vorjahres sowie die Varroa-Auszählung. Zudem hat es noch Platz für eine Legende unserer Abkürzungen.
Die Stockkarte ist für uns das wichtigste Hilfsmittel vor jedem Eingriff.

Die Vorlage können Sie unter bienenzeitung.ch/stockkarten downloaden.
Heike Frei, BeeSmart

Ich imkere seit sechs Jahren mit rund 20 Völkern an mehreren Ständen. Nachdem ich ein Jahr Stockkarten auf Papier geführt hatte, war es für mich klar, dass eine digitale Lösung hermusste. Ich habe mich bewusst für BeeSmart entschieden, dies aus folgenden Gründen:
- Die Benutzung ist selbsterklärend und die Seite ist übersichtlich gestaltet. Durch Verwendung von QR-Codes sind die Völker eindeutig gekennzeichnet und rasch aufrufbar.
- Auf dem Bienenstand arbeite ich mit dem Smartphone, die App kann jedoch mit dem Webbrowser von überall her verwendet werden.
- Die Dokumentation der einzelnen Völker wird pro Bienenstand erfasst und ist sehr übersichtlich gelöst. Mit einem Blick sehe ich die Jahresfarbe der Königin und ihre Nummer sowie die Herkunft. Zusätzlich lassen sich kurze Infos zum Volk erfassen.
- Nach dem Öffnen der Volksnummer erscheinen alle Einträge, d. h., ich kann auch zurückblicken. Durch die Erfassung meiner eigenen Abkürzungen sind die Stockkarten individuell auf mich zugeschnitten.
- Die Erfassung einer Behandlung kann auf dem ganzen Bienenstand getätigt werden.
- Der Support ist hervorragend und Probleme werden umgehend angegangen.
Für mich ist ausschlaggebend, dass BeeSmart auf die Schweizer Bedürfnisse zugeschnitten ist. So kann ich am Jahresende die Bestandeskontrolle, das Behandlungsjournal, das Inventar usw. direkt ausdrucken oder als PDF ablegen.

Emanuel Wieland – Stockkarten auf Papier

Ich habe mich für die Stockkarte auf Papier entschieden. Dazu brauche ich nichts als einen Stift hinter dem Ohr und einen Ordner. Bevor ich einen Deckel abhebe, werfe ich einen kurzen Blick in die entsprechende Stockkarte. So sehe ich bereits, auf welcher Seite sich das Brutnest befindet, und kann so das Leinentuch auf der Futter- oder Brutwabenseite anheben, was die Bienen und ihren Wärmehaushalt weniger stört.
Das Stockkartencredo ist dasselbe wie beim Umgang mit den Immen: «So viel wie nötig, so wenig wie möglich.»
Viel wichtiger ist für mich, beispielsweise bei einer Durchsicht, ein sauberer Ablauf der Checks. Unterstützend dazu gibt es auf meiner Karte Felder zum Ankreuzen. In diese kann natürlich auch hineingeschrieben werden. Nehme ich die Königin heraus, setze ich, wenn der Lockenwickler wieder an seinem Platz hängt, ein Häkchen. Sind Eier da, schreibe ich kurz «Eier» rein. Hauptsächlich notiere ich mir die Dinge, die besonders sind, wie das Zugeben von Mittelwänden oder der Trachtbeginn.
Die Vorlage können Sie unter bienenzeitung.ch/stockkarten downloaden.

Dominik Sele – BeeInTouch

Im Büro nutze ich BeeInTouch, um damit die Imker-Buchhaltung zu erledigen, Eingriffe und Königinnenzucht zu planen oder Auswertungen wie Zuchtwertschätzungen zu machen.
Bei der Arbeit draussen am Volk über die Smartphone-App ist mir Effizienz wichtig: keine Spielereien oder Ärger mit Fehlermeldungen. In der Praxis bedingt dies Offlinefähigkeit der App, kontaktlosen Aufruf einer Stockkarte über NFC-Chip und eine einfache Erfassung von Daten über eine für meine Bedürfnisse optimierte Eingabemaske.
Wie bei allen technischen Dingen gibt es auch bei einer Imkersoftware mal Probleme oder auch Verbesserungsvorschläge. Da wünsche ich mir als Kunde vom Programmierer den Service, den auch meine Kunden in meinem Brotberuf von mir erwarten dürfen. Der ist bei Jan Fischer, dem Macher von BeeInTouch, in jedem Fall gegeben. Genau darum bin ich nach anderen Erfahrungen seit mehreren Jahren seinem Produkt treu und werde mich auch künftig am Fortschritt (z. B. Spracherkennung) der Software erfreuen.
