Vorfreude auf ein blühendes Jahr 2023

01/23 | BienenSchweiz
Flurina Müller, Projektleiterin Blühflächenförderung, (flurina.mueller@bienenschweiz.ch)

In der winterlichen Ruhephase scheint alles still zu stehen. Doch neben der wohlverdienten Erholung laufen schon wieder Vorbereitungen fürs nächste Bienenjahr. So auch im neuen Kompetenzbereich Blühflächenförderung von BienenSchweiz. Wir berichten, was 2023 ansteht, und geben konkrete Tipps für die Planung einer eigenen Blühfläche.

An der letztjährigen Delegiertenversammlung und in der Mai- und Juliausgabe der Bienenzeitung stellten wir den neuen Kompetenzbereich vor. Am 28.  November 2022 ging nun die Webplattform als Drehscheibe für die Blühflächenförderung live. Die Seite ist unter www.bienen.ch/bluehflaechen aufrufbar und wird schon rege besucht. Sie ist rund um die zwei Kernaspekte des Projekts aufgebaut: Blühflächen unterstützen sowie Blühflächen zur Verfügung stellen und anmelden.

Die neue Webplattform www.bienen.ch/bluehflaechen mit den zwei Kernfunktionen «Flächen unterstützen» und «Flächen anmelden» im Vordergrund.
Die neue Webplattform www.bienen.ch/bluehflaechen mit den zwei Kernfunktionen «Flächen unterstützen» und «Flächen anmelden» im Vordergrund.

Blühende Quadratmeter schaffen –Flächen unterstützen

Unter ersterem Aspekt können Quadratmeter Blühfläche «gekauft» werden. Dies ist mit einer einmaligen Spende oder auch einer längerfristig übernommenen Patenschaft möglich. Über die interaktive Karte mit Umkreissuche auf der Webplattform besteht zudem die Möglichkeit, direkt einzelne Flächen beispielsweise in seiner Umgebung oder am Lieblingsort zu unterstützen. Auch können Blüten als alternatives Geschenk an Mitarbeitende, Freunde und Familie verschenkt werden. Dazu spendet man Quadratmeter für Bienen und darf der beschenkten Person eine edle, personalisierbare Blüten-Urkunde als sinnvolles Geschenk übergeben. Unternehmen oder Organisationen, welche sich konkret mit grösseren Beträgen für den Bienenschutz einsetzen möchten, können dies ebenfalls über den Kauf von blühenden Quadratmetern und die Unterstützung des Projektes tun.

Die über die erwähnten Kanäle gespendeten Beträge fliessen an die Stiftung für die Bienen und werden durch BienenSchweiz in einem Leistungsauftrag über ein Netzwerk von Flächeneigentümerinnen und -eigentümern in blühende Quadratmeter umgewandelt. Dafür unterstützt BienenSchweiz Flächeneigentümer/-innen wie Landwirt/-innen, Unternehmen, Vereine und öffentliche Institutionen bei der fachgerechten Anlage und Pflege von nachhaltigen, bienenfreundlichen, blühenden Strukturen und Lebensräumen.

Flächen anmelden

Für den zweiten Kernaspekt der Initiative können Flächeneigentümer/-innen ein Benutzerkonto erstellen und ihre Flächen ebenfalls über die Webplattform anmelden. Alle Informationen zu Bedingungen und Leistungen der einzelnen Blühflächen finden Sie online. 2023 werden elf verschiedene Flächentypen beziehungsweise Massnahmen unterstützt. Wir freuen uns über die Anmeldung von interessierten Landwirten und Landwirtinnen, Unternehmen mit grossem Umschwung, Gemeinden, Schulen oder Altersheimen, welche ihre Flächen bienenfreundlich gestalten und zum Blühen bringen möchten.

Auch Privatpersonen steht die Möglichkeit offen, Flächen auf der Plattform anzumelden, welche sie mit Unterstützung von BienenSchweiz geschaffen haben. Aus Kapazitätsgründen können wir für Privatpersonen im Siedlungsraum keine persönliche Beratung und finanzielle Unterstützung anbieten. Das ist aber auch gar nicht nötig, da in den vielfältigen Bienenschutz-Kursen www.bienen.ch/bienenschutz von BienenSchweiz praxisrelevantes Wissen erworben werden kann, wie Bienen im eigenen Umfeld konkret und effektiv geholfen und Massnahmen auf eigenen Flächen umgesetzt werden können.

Breit abgestützt

Gegenseitige Hilfe ist jedoch nicht nur im Kontext der praktischen Bienenförderung zentral. So dürfen wir im Projekt Blühflächenförderung auf zahlreiche kompetente Partner/-innen aus Landwirtschaft, Forschung, Beratung und Bildung, Naturschutz, Politik und Vermarktung zählen, welche unser Anliegen aktiv mittragen und auf unterschiedlichste Weise mit uns zusammenarbeiten. Namentlich erwähnt werden soll hier die Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften HAFL, welche den Kompetenzbereich Blühflächenförderung wissenschaftlich unterstützt. Das ermöglicht uns nicht nur, am Puls der aktuellen Forschung zur Bienenförderung zu sein und damit die Aktualität und Effektivität der Massnahmen zu garantieren, sondern erschliesst auch ein grosses Netzwerk in der Branche. Ein weiteres Beispiel für blühende Kooperationen ist die Zusammenarbeit mit dem Verein Heckentag, welcher sich mit einem jährlichen Aktionstag und Vermittlung von Freiwilligen für die Anlage und Pflege von einheimischen Hecken einsetzt. Unter anderem wurde gemeinsam ein Merkblatt mit einer Liste von bienenfreundlichen Pflanzen mit guten Trachtwerten (Nektar, Pollen) und abgestuften Blühzeitpunkten (Integration von Frühblühern, Blühpflanzen in der Trachtlücke und Spätblühern) erstellt. Dieses sorgt dafür, dass bei einer Neupflanzung oder Aufwertung ein möglichst grosser Nutzen für Bienen erzielt werden kann. Das Merkblatt ist auf der Webplattform von BienenSchweiz erhältlich.

Gemeinsam Geschichten erzählen und begeistern

Die Feldtafeln werden bei der Blühfläche (hier ein Blühstreifen) aufgestellt und informieren über die spezifische Blühfläche, die Wichtigkeit des Nahrungsangebots für die Bienen und das Projekt.

Wir wollen gemeinsam mit Ihnen und unseren Projektpartner/-innen Geschichten erzählen, die berühren und zum Handeln für die Bienen animieren. Als BienenSchweiz sind wir in der privilegierten Lage, 14 000 potenzielle fachkundige Erzählerinnen und Erzähler im Boot zu haben, welche von der Stadt übers Mittelland bis in die abgelegensten Bergtäler von der Wichtigkeit und Schönheit blühender Lebensräume berichten können. Eine Hilfe zur Kommunikation können dabei die neue Webplattform oder auch die kostenfrei im Shop bestellbaren Flyer zum Projekt sein. Auch ist BienenSchweiz auf den sozialen Medien (Instagram, Facebook und Twitter) aktiv – eine schöne Möglichkeit, das gemeinsame Anliegen zu teilen, bekannt zu machen und die breite Bevölkerung mit Bildern und Texten für die faszinierende Welt der Bienen und Blühflächen zu begeistern. Im nächsten Jahr, wenn die angemeldeten Flächen ihre Blütenpracht entwickeln, werden vor Ort für jeden Blühflächentyp Feldtafeln aufgestellt, welche Passantinnen und Passanten über die Wichtigkeit der Nahrungsgrundlage für die Bienen, die unterschiedlichen Blühflächen, ihren Nutzen und das Projekt informieren.

Tipps für die eigene Blühfläche

Die Gestaltung einer nachhaltigen Blühfläche oder eines Wildbienenlebensraumes kann anspruchsvoll sein. Mit der Beachtung einiger Aspekte bestehen jedoch sehr gute Erfolgschancen für eine gelungene Anlage eines blütenreichen Lebensraums für Bienen. Folgend ein paar grundsätzliche Tipps zur Anlage eines Blühstreifens und einer Blumenwiese. Für ausführlichere Informationen können die Bienenschutz-Kurse besucht oder Ressourcen auf der Webplattform konsultiert werden. Zudem beginnen wir in der Bienen-Zeitung eine Serie mit der Vorstellung einzelner Blühflächen und detaillierteren Praxisinformationen zu deren Anlage und Pflege.

Blumenwiesen und Blühstreifen sind wohl die ersten Elemente, welche einem beim Stichwort Blühfläche in den Sinn kommen. Es sind zwei sehr ästhetische und wegen ihres reichen Angebots an Nektar, Pollen aber auch Nistgelegenheiten sehr wertvolle Lebensräume für Bienen.

  • Vor der Anlage einer Blühfläche und der Wahl des passenden Saatgutes müssen einige Faktoren beachtet werden:
  • Flächennutzung: Muss die Fläche betreten werden können?
  • Dauer: Einjährig oder mehrjährig? Viele Blühmischungen sind nämlich einjährig, frieren über den Winter ab und sind zur anschliessenden Einarbeitung in den Boden zu dessen Aufwertung gedacht.
  • Preis: Saatgut für Blumenwiesen und mehrjährige Blühstreifen ist oft teurer, aber dafür eine langjährige Investition.

Entsprechend diesen Aspekten kann das passende Saatgut beschafft werden. Bei der Ansaat gilt es zu beachten, dass besonders die Pflanzen für Wildblumenwiesen sehr langsam wachsend und konkurrenzschwach sind. Es funktioniert deshalb schlecht bis gar nicht, auf einer bestehenden Wiese Saatgut auszubringen und auf ein reiches Aufblühen zu hoffen. Um ein gutes Resultat und blumenreiche Flächen zu erhalten, muss die bestehende Vegetation entfernt und der Boden feinkrümelig vorbereitet werden. Für die Aufwertung einer bestehenden Blumenwiese kann die Vegetation auch streifenweise entfernt und neu angesät werden. Diese Vorgehensweise gibt zwar zu Beginn mehr Aufwand, welcher sich aber mit dem Resultat einer blumenreichen Fläche mehr als auszahlt.

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