Winterverluste 2023/2024

06/24 | Wissenschaft und Praxis
Sarah Grossenbacher, Redaktion SBZ, (sarah.grossenbacher@bienenschweiz.ch) und Jean-Daniel Charrière, ZBF Agroscope

Um die Winterverluste zu ermitteln, führt BienenSchweiz jedes Jahr zusammen mit dem Zentrum für Bienenforschung (ZBF) eine Online-Umfrage durch. Die Resultate zeigen, dass die Verluste auf dem Niveau des Vorjahres verharrten.

Insgesamt 1313 Imkerinnen und Imker mit total 1524 Bienenständen haben dieses Jahr an unserer Umfrage teilgenommen. Sie betreuten zum Zeitpunkt des Auffütterns 20 597 Bienenvölker. Davon waren 33,1 % Jungvölker. Als Stichtag für die Einwinterung gilt der 1. Oktober, für die Auswinterung gilt die Völkerzahl am 1. April. Ein Grossteil der Fragen stammt aus dem internationalen Forschungsprojekt COLOSS, an dem auch die Schweiz mit dem ZBF beteiligt ist. Dadurch können die Datensätze später mit anderen Ländern verglichen und analysiert werden.

Welche Verlustarten gibt es?

Bienenvölker können zu verschiedenen Zeitpunkten im Jahr und aufgrund verschiedener Ursachen sterben. Bereits im Sommer zwischen dem Abräumen und dem Einwintern im Oktober kann es zu ersten Verlusten kommen (sogenannte Vorverluste). Als echte Winterverluste bezeichnet man die Verluste, die zwischen dem 1. Oktober und dem 1. April anfallen. Diese werden in drei Unterkategorien unterteilt: «Tote oder kahlgeflogene Völker» umfasst alle Völker, die aufgrund einer Schwächung, zum Beispiel durch Nahrungsmangel, Viren oder die Varroa, gestorben sind. Je nach Temperatur verlassen die geschwächten Bienen den Stock, wodurch die Imkerin/der Imker einen leeren, «kahlgeflogenen» Kasten vorfindet. Es kann aber auch sein, dass die Bienen den Stock nicht mehr verlassen können, weshalb tote Bienen auf dem Kastenboden liegen. Die weiteren Kategorien sind Elementarschäden (zum Beispiel durch einen Sturm) sowie Königinnenprobleme. Bei der letzten Kategorie hat das Volk zwar überlebt, kann sich jedoch aufgrund einer Weisellosigkeit oder einer drohnenbrütigen Königin nicht mehr weiterentwickeln. Auch überlebende Völker, die weisel­richtig sind, können zu schwach sein, um sich zu einem starken Wirtschaftsvolk zu entwickeln. Hier sprechen wir von den «Serbelverlusten». Die verschiedenen Verlustarten und die entsprechenden Resultate werden in der Grafik unten ersichtlich.

Grafiken und Diagramme: Sarah Grossenbacher
Übersicht über die verschiedenen Verlustarten im Jahresverlauf sowie die prozentualen Anteile der einzelnen Verlustarten im Winter 2023/2024

Vorverluste

Die Resultate der Erhebung zeigen, dass zwischen dem Abräumen und dem Einwintern im Oktober 7,4 % der Völker gestorben, aufgelöst oder vereint wurden. Dies ist höher als im Vorjahr (6,5 %).

Echte Verluste

Am 1. Oktober haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer 19 879 Bienenvölker eingewintert. Von diesen Völkern haben 14,9 % den Winter nicht überlebt. Das entspricht nahezu dem Wert des Vorjahres (15,0 %), ist tendenziell aber immer noch höher als in den meisten Wintern zwischen 2014 und 2023 (mit Ausnahme der Winter 2016/2017 und 2021/2022). Von allen Bienenstandorten kamen rund 41,6 % ohne echte Verluste aus dem Frühling, bei rund 5 % der Bienenstände wurden Totalverluste festgestellt.

Wie setzen sich diese echten Verluste zusammen? Rund 58,4 % (entspricht 8,7 % aller eingewinterten Völker) sind tote und kahlgeflogene Völker, 38,9 % (5,8 %) sind auf Königinnenprobleme zurückzuführen und 2,7 % (0,4 %) sind aufgrund von Elementarschäden entstanden. Die Grafik auf der vorangehenden Seite unten zeigt, dass im Vergleich zum Vorjahr der Anteil an kahlgeflogenen und toten Völkern höher ist und die Königinnenprobleme tendenziell abgenommen haben.

Serbelverluste

Von den eingewinterten Völkern waren im Frühling rund 10,1 % zu schwach, um sich zu einem trachtfähigen Volk zu entwickeln. Somit sind die Serbelverluste etwas geringer als im Vorjahr (10,9 %).

Einfluss der Behandlungen

In Bezug auf die Sommerbehandlung gegen die Varroamilbe zeigen die Resultate, dass bei einer frühen Behandlung im Juli die Winterverluste geringer ausfallen (13 % echte Verluste) als mit einer späteren Behandlung im August (16 %) oder September (25 %). Bei der Winterbehandlung zeigt sich, dass die Völker, die im Oktober behandelt wurden, die geringste Verlustraten hatten (10 %). Bei den im November behandelten Völkern lagen die Verluste bei 13 %, bei denen im Dezember leicht erhöht bei 14 %. Völker, die erst im Januar behandelt wurden, wiesen eine Verlustrate von 18 % auf. Sehr hohe Verlustraten (23 %) lagen bei den Völkern, die bereits vor dem Oktober behandelt wurde.

Keine Behandlung im Sommer führte zu einer Verlustrate von 19 % und beim Verzicht auf die Winterbehandlung zu einer Verlustrate von ebenfalls 19 %.

Regionale Unterschiede

Auch dieses Jahr zeigen sich wieder regionale Unterschiede. Da die Datengrundlage pro Kanton teilweise sehr klein war, präsentieren wir die echten Verluste innerhalb der sieben Grossregionen der Schweiz sowie Lichtenstein. Die Resultate finden Sie in der Grafik oben. Mit jeweils 13 % hatten die Region Zürich und die Région Lémanique (Kantone VS, VD, GE) die geringsten Verluste. Die höchsten Verluste verzeichneten die Regionen Espace Mittelland (BE, FR, SO, NE, JU) mit 16,6 % und die Nordwestschweiz (BS, BL, AG) mit 16,3 %. Diese sind somit über dem nationalen Durchschnitt. Mit Informationen von nur zehn Bienenständen kann für das Fürstentum Lichtenstein keine abschliessende Aussage getroffen werden.

Einfluss der Höhenlage

Um zu sehen, wie sich die Höhenlage auf die echten Verluste auswirkt, wurden die Bienenstandorte in drei Gruppen aufgeteilt: Bienenstandorte auf 50 bis 499 m ü. M bilden die Gruppe der tiefen Lage, welche 499 Standorte beinhaltet. Etwas höhere Lagen zwischen 500 und 999 m ü. M wurden der voralpinen Gruppe zugeteilt. Mit 900 Bienenstandorten ist dies die grösste Gruppe. Die kleinste Gruppe mit 125 Bienenstandorten bildet die alpine Höhenlage zwischen 1000 bis 1800 m ü. M. Gesamthaft sind die echten Verluste, wie bereits in den Vorjahren, in den alpinen Höhenlagen geringer als in den voralpinen und tiefen Lagen. Zwischen den tiefen und voralpinen Lagen gibt es keinen Unterschied (siehe Grafik oben).

Dank

Wir möchten uns herzlich bei allen Imkerinnen und Imkern bedanken, die sich die Zeit nahmen und die zahlreichen Fragen gewissenhaft beantworteten. Vielen Dank auch an Joëlle Quadri, welche die Befragung zusammengestellt und die Daten für die Auswertung vorbereitet hat.

Die Gewinner der Umfrage sind:

  • Stéphane Lüdi
  • Benedikt Loser
  • Francesca Bigger
  • Anne Treboux
  • Hansruedi Schönholzer

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