Wozu haben Bienen Haare auf der Zunge?

08/25 | Wissenschaft und Praxis
Agnes Przewozny, Berlin (Deutschland), (gruenes.lektorat@posteo.de)


Honigbienen nehmen je nach Zuckerkonzentration und Blütenkelchtiefe den Nektar saugend oder leckend auf. Ein internationales Bionikerteam zeigt, warum Bienen Blüten­generalisten sind, und gibt neue Einblicke in die Physik der Nektaraufnahme.

Erstaunlicherweise war lange gar nicht so genau bekannt, wie Honigbienen es schaffen, so viele unterschiedliche Nektarquellen zu nutzen, und wie die Nektaraufnahme im Detail funktioniert. Der Entomologe R. E. Snodgrass beschrieb zwar schon 1956 die Mundwerkzeuge der Honigbiene und stellte die Vermutung auf, dass die bürstenartige Struktur der Zunge beim Auflecken von Nektar helfen könnte. Direkte Beobachtungen waren aber mit den damaligen Techniken noch unmöglich. Neue Technologien wie Hochgeschwindigkeits­kameras bringen neue Erkenntnisse auch über scheinbar Wohlbekanntes wie die Nahr­ungsaufnahme zutage.

Stanislav Gorb, Leiter der Arbeitsgruppe für funktionelle Morphologie und Biomechanik am Institut für Zoologie der Uni Kiel, und Jianing Wu, Professor für Maschinenbau an der Fakultät für Luft- und Raumfahrttechnik der Sun Yat-Sen Universität, Shenzhen / China, haben mit ihrem internationalen Team die Physik der Nektaraufnahme bei unterschiedlichen Zuckerkonzentrationen und Blütenkelchtiefen ganz genau angeschaut. Sie zeigen damit, wie wichtig nicht nur die Anpassung des Aufbaus der Mundwerkzeuge an die Blüten ist, sondern auch die funktionelle Anpassung. Erst dadurch erschliessen sich Honigbienen fast alle Nektarquellen und sie werden zu Blütengeneralisten.

Honigbienen haben einen langen Rüssel, auch Proboscis genannt, der aus den paarigen Hinterkiefertastern besteht, die eine Röhre bilden und die haarige Zunge umschliessen, die sie auf und ab bewegen können. «Wenn man die Anatomie der Bienenzunge mit ihren Haaren kennt, fragt man sich, ob das die Nahrungsaufnahme verbessert. Unsere chinesischen Kollegen haben das mit einer Hochgeschwindigkeitsvideokamera beobachtet und man sieht, dass diese Härchen nicht steif sind. Dann haben wir experimentiert, wie sie sich je nach Konsistenz des Nektars verhalten», berichtet Stanislav Gorb.

Nektar ist nicht gleich Nektar

Nektar ist eine Zuckerlösung, deren Viskosität, also Zähflüssigkeit, exponentiell mit der Konzentration steigt. Wenn also die Zuckerkonzentration von 10 auf 20

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